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München - Die SpVgg Greuther Fürth, Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf sind die Aufsteiger Nummer 127, 128 und 129 der bald 50-jährigen Geschichte der Bundesliga. Für Fürth ist die Eliteklasse Neuland, Frankfurt und die Fortuna schafften die Beförderung schon zum vierten beziehungsweise fünften Mal. Welche Kriterien entscheiden darüber, ob es die drei Neulinge im nächsten Jahr wieder zweitklassig spielen, oder weiter im Konzert der Großen mitspielen?

Eins vorweg: Die These vom "schweren zweiten Jahr für Aufsteiger" trifft nicht zu. In der Bundesliga-Historie gab es 126 Aufsteiger (ohne die Aufsteiger 2012). 77 schafften den Klassenerhalt, 49 stiegen gleich im ersten Jahr wieder ab (39 Prozent), 20 im zweiten Jahr (26 Prozent).

Durchschnittlich reichten 47 erzielte Tore



Die 77 Aufsteiger, die im ersten Jahr drin blieben, erzielten im Durchschnitt 47 Saisontore (die Direkt-Absteiger kamen auf 39 Treffer). Diese Marke reichte zwar nicht immer für den Klassenerhalt, ist aber in etwa ein Richtwert.

Aber auch weniger Tore können natürlich genügen: Hertha BSC hielt 1968/69 als Aufsteiger mit nur 31 erzielten Toren die Klasse (weniger reichten für Aufsteiger nie), Augsburg blieb letzte Saison auch mit nur 36 Treffern in der Bundesliga.

Es gibt aber auch Gegenbeispiele: Die Stuttgarter Kickers erzielten 1991/92 stolze 53 Tore (allerdings in 38 Spielen), mussten aber dennoch sofort zurück in die 2. Bundesliga, Köln stieg 2005/06 trotz 49 erzielter Tore ab. In einer Saison mit 34 Spieltagen reichten 50 erzielte Tore für Aufsteiger also immer zum Ligaverbleib.

"50-Gegentore-Regel"



Noch entscheidender als die Offensive ist für den Klassenerhalt die Defensive: Die Aufsteiger, die den Bundesligaverbleib geschafft haben, haben historisch im Durchschnitt 54 Gegentore kassiert. Die Direkt-Absteiger wurden hingegen im Schnitt 69 Mal bezwungen (also über zwei Gegentore pro Spiel).

Hertha BSC zum Beispiel kassierte letzte Saison 64 Gegentore, Augsburg nur 49. In der Saison 2010/11 wurde St. Pauli 68 Mal bezwungen (Ligahöchstwert), Kaiserslautern "nur" 51 Mal.

Von den Aufsteigern, die weniger als 50 Gegentore kassiert haben, ist nur ein einziger abgestiegen: Bielefeld 2002/03 mit 46 Gegentreffern. Hier kann man also von einer gewissen "50-Gegentore-Regel" sprechen (die Augsburg mit 49 Gegentoren letzte Saison knapp bestätigt hat).

Mit Heimstärke zum Klassenerhalt



Heimstärke ist für Aufsteiger ein Trumpf zum Klassenerhalt: Historisch holten die Bundesliga-Neulinge, die am Ende der Saison drin blieben, umgerechnet 28,2 Punkte vor heimischer Kulisse, die Direkt-Absteiger sammelten im Schnitt nur 20,5 Zähler.

In Auswärtsspielen ist der Unterschied natürlich auch vorhanden, aber nicht so eklatant: Hier stehen umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel 14,5 Zähler der "Drinbleiber" 8,9 Punkte der Absteiger gegenüber. Die letzten beiden Jahre waren hierfür exemplarisch: Augsburg holte in der Vorsaison zu Hause 25 Punkte (auswärts 13), verlor nur eins der letzten elf Heimspiele. Hertha BSC hingegen war das zweitschlechteste Heimteam, holte in 17 Partien im Olympiastadion nur 15 Punkte (auswärts 16 Punkte).

In der Saison 2010/11 war St. Pauli das schlechteste Heimteam (15 Punkte), Mit-Aufsteiger Kaiserslautern holte hingegen auf dem Betzenberg 24 Punkte (und spielte auch auswärts eine gute Saison) und blieb souverän in der Bundesliga.

Punkten in den direkten Duellen



Einsatzfreude, Zweikampfstärke und Laufbereitschaft können im Fußball nie verkehrt sein - zwingend Erfolg versprechend sind diese Kriterien aber nicht. Augsburg war beispielsweise letzte Saison einsatzfreudiger als Hertha BSC (in der Saison ca. 700 Zweikämpfe mehr bestritten), hat aber im Schnitt weniger Zweikämpfe gewonnen (49,4 Prozent) als die Berliner (49,9 Prozent).

Auch in Punkto Laufstärke waren die Berliner (114,3 km pro Spiel) stärker als Augsburg (111,6 km), trotzdem blieb der FCA im Gegensatz zu den Hauptstädtern in der Bundesliga.

Wie so oft im Fußball war es auch im Vergleich zwischen den beiden letztjährigen Aufsteigern so, dass es darauf ankam, im entscheidenden Moment zur Stelle zu sein: Augsburg holte in den direkten "Abstiegsduellen" gegen Kaiserslautern, Köln, Hertha und den HSV 13 Punkte, die Hertha nur sechs. Diese sieben Punkte lagen in der Endabrechnung zwischen den beiden Aufsteigern.

Tobias Gonscherowski