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Dreimal "Vize" in elf Tagen -
der Saison 2001/02. "Der Fußball-Gott ist kein Leverkusener", meinte Superstar Michael Ballack nach der 1:2-Niederlage der Werkself im Champions-League-Endspiel von Glasgow gegen Real Madrid.

Zuvor hatte die Mannschaft von "Trainer des Jahres" Klaus Toppmöller wegen eines mickrigen Pünktchens bereits die Deutsche Meisterschaft im Fernduell an Borussia Dortmund abgeben und den DFB-Pokal nach einer 2:4-Finalniederlage Schalke 04 überlassen müssen.

Ewerthon beendet den Titeltraum

Für Ballack, Carsten Ramelow, Bernd Schneider, Oliver Neuville und Hans-Jörg Butt folgte bei der WM in Südkorea und Japan gar noch eine vierte Vize-Meisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft. Lediglich der Brasilianer Lucio holte nach dem 2:0-Endspielsieg der "Selecao" gegen die Völler-Elf als einziger Leverkusener einen Titel. "Alle Spieler haben geweint, einige wie die Schlosshunde", gab Toppmöller zu.

Am bittersten war für Bayer die verpasste Meisterschale. Nach zuvor drei Vizemeisterschaften in fünf Jahren hatte der Herbstmeister drei Spieltage vor Schluss noch fünf Punkte Vorsprung auf Borussia und wähnte sich am letzten Spieltag bereits 64 Minuten als neuer Meister. Aber exakt um 17:01 Uhr traf an jenem 4. Mai Dortmunds Brasilianer Ewerthon zum 2:1 gegen Bremen und Bayer damit mitten ins Herz. Der eigene 2:1-Sieg gegen Hertha BSC Berlin war damit wertlos.

Meisterschale um einen Punkt verpasst

Manager Reiner Calmunds Lebenstraum vom ersten deutschen Meistertitel war wieder nicht in Erfüllung gegangen. Vor dem Saison-Finale gegen Berlin hatte 'Calli' Beruhigungstabletten genommen.

Eine halbe Stunde nach Spielende, als die Profis sich mit getrockneten Tränen noch einmal den ausharrenden und dennoch feiernden Fans auf dem Rasen präsentierten, ergriff Calmund das Mikrophon und erklärte mit tränenerstickter Stimme: "Es tut weh, sehr weh, zum vierten Mal nur Zweiter zu werden. Aber es war die beste Mannschaft, die wir je hatten. Wir sind keine Verlierer, wir sind Gewinner, auch wenn wir ohne Titel dastehen. Die Saison war ein Imagegewinn wie noch nie für den Verein und den Konzern. Was uns keiner nehmen kann, und das sagen alle, ist die Tatsache, dass wir den schönsten Fußball von allen gespielt haben."

Toppmöller: 'Fußball mit Herzblut'

Am Ende nahmen die Bayer-Verantwortlichen die Rolle als 'ewiger' Verlierer sogar mit Humor. 'Wir legen eine Platte auf', sagte 'Calli', 'auf der ersten Seite lautet der Song: Ihr werdet nie deutscher Meister! Und auf der Rückseite gibt es: In Europa kennt Euch keine Sau!'

Auch Toppmöller sah in seinem Team dennoch eine Sieger-Elf: "Es ist schade, dass hierzulande nur Titel und Orden etwas zählen und ein 2. Platz nichts wert ist. Aber was wir abgeliefert haben, war Fußball mit Herzblut von der ersten bis zur letzten Minute in der besten Saison aller Zeiten. Jeder Arbeitstag war hart, aber schön."