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304 Tage nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten war auch die deutsche Fußball-Einheit perfekt. Am 2. August 1991 spielte die Bundesliga in ihrer 29. Saison zum ersten und bisher einzigen Mal mit 20 Teams, als "Aufsteiger" kamen zu den 18 westdeutschen Teams die beiden besten Ost-Clubs hinzu.

Als Qualifikation galt die 42. und letzte Saison der DDR-Oberliga. Als diese am 25. Mai 1991 abgeschlossen und das Kapitel der Ost-Eliteklasse nach 8046 Spielen und 24.200 Toren beendet war, stand neben Dynamo Dresden überraschend Hansa Rostock als der strahlender Sieger da und schrieb in seiner ersten Saison gleich ein ungewöhnliches Stück Bundesliga-Geschichte.

Mit Uwe Reinders, dem ersten "Wessi" als Trainer im Osten, startete der letzte DDR-Meister und -Pokalsieger mit drei Paukenschlägen. Nach einem 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg, einem 2:1-Sensationssieg bei Bayern München und einem 5:1-Coup gegen den späteren Vizemeister Borussia Dortmund waren die Mecklenburger am 3. Spieltag Tabellenführer. Am Ende stiegen sie, zwar als Meistermacher des VfB Stuttgart, aber doch sang- und klanglos ab.

"Alle waren einfach stolz"

"Nach dem Start haben wir gedacht, wir wären in einer Wunderwelt. Das Einzige, wo es so schien, als könne der Osten sofort mithalten, waren der Fußball und Hansa", erinnert sich Reinders. "Wir hatten uns am Anfang in einen Rausch gespielt, aber die Qualität holte uns dann doch ein. Obwohl keiner ernsthaft glauben konnte, dass wir die Liga gleich beherrschen. Alle waren einfach stolz, mit Bayern und Dortmund in einer Liga spielen zu dürfen."

Der kapitale Absturz Hansas war nach Meinung des damals erst 36 Jahre alten Trainers aber vermeidbar. "Wenn alle an einem Strang gezogen hätte, wären wir sicher nicht abgestiegen", meinte der Reinders.

Rutemöllers Umkehr

Der Trainer war jedoch nicht unumstritten. Vor allem mit der Vereinsführung kam es immer wieder zu Reibereien. So wurde offensichtlich versucht, Reinders zu entmachten: "Im Dezember war Erich Rutemöller auf der Autobahn nach Rostock, als wir unglücklicherweise auch das Rückspiel gegen Bayern gewannen und er wieder umdrehen musste."

Vier Monate später wurde Rutemöller aber dann doch Reinders Nachfolger. Den Abstieg konnte er nicht mehr verhindern, für positive Schlagzeilen sorgte Hansa nur noch am letzten Spieltag, als sie Eintracht Frankfurt mit einem 2:1-Heimsieg den scheinbar sicheren Titel entrissen.

Cottbus der dritte Ost-Club

So blieb dem Osten nach der Premieren-Saison nur noch Dresden als Aushängeschild. Der DDR-Meister von 1989 und 1990 schaffte drei Mal den Klassenerhalt, in der Saison 1993/94 gar trotz der Hypothek eines Vier-Punkte-Abzugs. Dem Abstieg folgte ein Niedergang bis in die Oberliga, inzwischen ist Dynamo aber wieder auf einem guten Weg.

Während Hansa 1995 den Wiederaufstieg schaffte, gelang 2000 in Energie Cottbus einem dritten Club aus der ehemaligen DDR der Sprung in die Bundesliga. Beide Clubs - sowohl Rostock als auch Cottbus - pendeln seither zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga.