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Tränen der Wut, verbale Ausraster und Schiedsrichter Alfons Berg als Buhmann: Für den verhinderten Deutschen Meister Eintracht Frankfurt wurde der 16. Mai 1992 zu einem der bittersten Tage der Vereinsgeschichte.

"Da arbeitet man ein ganzes Jahr auf das eine Ziel hin und dann wirst du so beschissen. Hätte der Referee korrekt gepfiffen, dann wären wir Meister, jetzt sind wir deutscher Bademeister", echauffierte sich Frankfurts Urgestein und damaliger Co-Trainer Karl-Heinz Körbel nach der 1:2-Niederlage beim bereits als Absteiger festehenden Team von Hansa Rostock. Ein Sieg hätte für Frankfurt den zweiten Titel nach 1959 bedeutet.

"Eine fatale Entscheidung von mir"

Doch vor allen Dingen das vermeintlich elfmeterreife, aber nicht geahndete Foul von Rostocks Stefan Böger am durchgestarteten Ralf Weber beim Stande von 1:1 erhitzte die Eintracht-Gemüter. "Eine fatale Entscheidung von mir", musste selbst Schiri Berg (Konz) nach dem Studium der TV-Bilder eingestehen.

Nationalspieler Weber, der mit erhobenen Fäusten auf Berg losging und nur durch seinen Teamkollegen gestoppt werden konnte, erinnert sich auch viele Jahre später noch ungern an den "Skandal von Rostock". "Ich habe danach hemmungslos geweint. Ich bin froh, dass mich meine Mitspieler zurückgehalten haben. Wer weiß, was sonst passiert wäre", meinte Weber.

Buchwald, der schwäbische Held

Die Frage wird nie beantwortet werden. Doch fest steht, dass selbst ein 2:2 samt Foulelfmeter nicht zum Titel gereicht hätte. Vor dem letzten Spieltag führte die Eintracht die Tabelle nur aufgrund der besseren Tordifferenz vor dem VfB Stuttgart und Borussia Dortmund an.

Die beiden Frankfurter Verfolger ließen zum Saisonabschluss jedoch keine Federn. Dortmund siegte dank eines Treffers von Stephane Chapuisat mit 1:0 in Duisburg. Doch es reichte nicht zum Titel, da der VfB in Leverkusen triumphierte. Guido Buchwald schoss den entscheidenden 2:1-Siegtreffer in der 85. Minute und machte die Schwaben zum Meister.