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Am Aschermittwoch war für Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher alles vorbei. Am 4. März 1987 einigten sich der damals 32 Jahre alte zweimalige Vize-Weltmeister und der 1. FC Köln nach mehrstündigen Beratungen im Geißbockheim darauf, den eigentlich bis zum 30. Juni 1989 laufenden Vertrag vorzeitig zu lösen.

Abrupt war damit die Karriere der langjährigen Nummer eins beim Geißbock-Club beendet. Schumacher sollte später bei Schalke 04, Bayern München und Borussia Dortmund noch Bundesliga-Luft schnuppern.

"Wir haben uns auch über die Modalitäten eines etwaigen Transfers geeinigt. Für die Zukunft des Vereins und die sportliche Zukunft Toni Schumachers ist dies die sinnvollste Lösung"', erklärte an jenem Aschermittwoch 1987 Kölns damaliger Vereins-Präsident Peter Weiand.

Abpfiff nach "Anpfiff"-Buch

Schumachers "Anpfiff"-Buch bedeutete den Abpfiff für sein Köln-Engagement. Die angeblichen Doping-Enthüllungen hatten 'Toni Nationale' innerhalb kurzer Zeit zur persona non grata im deutschen Profi-Fußball werden lassen. Denn auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) beendete die internationale Karriere Schumachers kurzerhand.

Fast noch schlimmer traf den "kölschen Tünn" allerdings das Aus zwei Tage vor Vollendung seines 33. Lebensjahres bei seinem Leib- und Magen-Club, bei dem er einst sogar das Präsidenten-Amt angestrebt hatte.

Um 13:35 Uhr verließ Schumacher, seit 1972 Lizenzspieler und eine feste Institution bei dem rheinischen Renommierverein, mit seinem Manager Rüdiger Schmitz das Geißbockheim. "Ihr habt gehört, was der Präsident gesagt hat. Mehr möchte ich dazu nicht sagen", beschied der Star den wartenden Journalisten und Kamerateams auf dem kurzen Weg zu seinem Auto.

Daum diplomatisch

Der damalige Kölner Chefcoach Christoph Daum kommentierte: "Man soll die Entscheidung ohne Emotionen werten. Der Vorstand hat seine bestmögliche Lösung getroffen."

Kölns damaliger Geschäftsführer Michael Meier ergänzte: "Die Tatsache, dass Toni Schumacher weiter mittrainieren kann, spricht dafür, dass wir ihm seine sportliche Zukunft nicht verbauen wollen." Allerdings ließ Meier keinen Zweifel, dass die Uhr Schumachers in Köln abgelaufen war: "Die sportliche Perspektive beim 1. FC Köln hat Bodo Illgner."

Illgner ergreift Chance beim Schopf

Der Mann aus dem eigenen Nachwuchs sollte die Chance beim Schopf packen. Der 19-jährige Illgner wurde nicht nur der neue Stammkeeper bei den Kölnern, sondern avancierte auch zum Nachfolger Schumachers in der Nationalmannschaft. Franz Beckenbauer vertraute dem jungen FC-Zerberus, der 1990 auch im deutschen Weltmeister-Team in Rom stehen sollte.

Köln, das im September 1986 Trainer Georg Keßler entließ und dafür dessen Assistenten Daum zum neuen "Chef" beförderte, landete am Saisonende auf Platz 10. Meister wurde überlegen Bayern München, doch der Abonnement-Champion verlor das Finale im Europapokal der Landesmeister gegen den FC Porto in Wien überraschend mit 1:2.

Faustschlag von Uli Stein

Zu den Besonderheiten jener Saison zählte auch der Faustschlag von Torwart Uli Stein (Hamburger SV) gegen Jürgen "Kobra" Wegmann (Bayern München) im Supercupspiel gegen den Meister FC Bayern. Stein musste den HSV verlassen und wechselte nach Frankfurt.