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Lothar Matthäus ist ein Mensch, der heute noch die Schlagzeilen liebt, und er hat Zeit seiner Karriere dafür gesorgt, dass er welche liefert. Premiere im Rampenlicht hatte er schon 1980, als er bei seinem ersten Länderspiel während der EURO in Italien beim Spiel gegen die Niederlande kurz nach seiner Einwechslung für Kapitän Bernard Dietz einen Elfmeter verursachte.

Nach 3:0-Führung durch drei Treffer von Klaus Allofs wurde noch mit Ach und Krach 3:2 gewonnen. Erstmals richtig heftig aber wurde es, als er am 21. März 1984 - an seinem Geburtstag - im "Aktuellen Sportstudio", das einen Ü-Wagen zur Molzmühle geschickt hatte, wo gefeiert wurde, seinen Wechsel zum FC Bayern bekanntgab.

Verbrannte Erde

Die Fans am Bökelberg, wo er vom Jungspund zum Nationalspieler geworden war, verziehen ihm das nicht. Noch jahrelang wurde Matthäus bei seinen Gastspielen am Bökelberg als "Judas" verunglimpft.

Der Transfer war ein Zeitzeichen. Die Borussia konnte den Wettlauf mit den Bayern, der in den 1970er Jahren ganz Europa elektrisiert hatte, nicht mehr ausgeglichen gestalten. Die Bayern begannen nicht nur, bei ihrem einst ernsthaftesten Konkurrenten zu wildern (Transfer von Calle del'Haye 1980), nein, sie begannen, die "Fohlen"-Elf regelrecht auszuplündern. Jupp Heynckes als Trainer und Stefan Effenberg sollten folgen.

"Schwarze Liste" scheiterte

Geschäftsführer Helmut Grashoff hatte noch versucht, Matthäus auf eine "schwarze Liste" zu setzen, bei der die Vereine sich verpflichten sollten, in Form eines Kartells diesen Spielern kein Angebot zu machen, um so den kleinen Clubs zu ermöglichen, Stars zu halten. Uli Hoeneß blieb hart: Zustimmung der Bayern zur "Schwarzen Liste" nur, falls die Gladbacher Matthäus nicht darauf setzen.

Doch die Emotionen wurden noch höher gepuscht. Das Pokalfinale 1984 lautete ausgerechnet Bayern - Borussia. Im Frankfurter Waldstadion stand es nach Verlängerung 1:1. Elfmeterschießen. Und Lothar Matthäus, der später immer versicherte, er habe Borussia zum Abschied den Pokal schenken wollen, verschoss.

Fans unterstellten "Loddar" Absicht

Da half es wenig, dass später auch noch Klaus Augenthaler vergab und der entscheidende Elfmeter, der Gladbachs 6:7-Niederlage besiegelte, von einem heute nur noch Fachleuten bekannten Norbert Ringels verballert wurde: Die verbitterten Fans unterstellten Matthäus Absicht.

Letztendlich war seine Entscheidung sportlich richtig. Unter Trainer Udo Lattek absolvierte der Franke in seiner ersten Saison beim Pokalsieger Bayern München 33 von 34 Spielen, erzielte 16 Tore und war im Sommer 1985 Deutscher Meister. Insgesamt absolvierte der Rekord-Nationalspieler (150 Länderspiele) in der Bundesliga 464 Einsätze, schoss dabei 121 Tore.

Damit gehört der 1961 geborene Matthäus zum Urgestein der Bundesliga, und hätte er nicht von 1988 bis 1992 für Inter Mailand die Fußballstiefel geschnürt, hätte er sich - rein theoretisch - auf den 2. Platz der Rekordspieler-Liste hinter Karl-Heinz Körbel (602 Bundesliga-Einsätze) vorarbeiten können.