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Zum letzten Saison-Heimspiel gegen Hansa Rostock am 24. Mai 2003 waren sie alle eingeladen. Von Uli Stein bis Lars Bastrup. Die Europacup-Helden des Hamburger SV sollten sich noch einmal im Stadion feiern lassen und wollten anschließend selbst feiern. Die beste Mannschaft, die je die roten Hosen und weißen Hemden des Traditionsclubs getragen hat, kam 20 Jahre nach ihrem Triumph noch einmal zusammen.

Alle bis auf einen: Ausgerechnet Felix Magath, der in der 8. Minute am 25. Mai 1983 den Siegtreffer gegen Juventus Turin erzielte und damit den Europapokal der Landesmeister zum ersten und einzigen Mal nach Hamburg holte, war verhindert. Er saß beim VfB Stuttgart als Trainer auf der Bank. "Die Saison 1982/83 war der Höhepunkt meiner Karriere", erinnert sich Magath, "beim HSV trug ich Verantwortung und konnte viel mehr Einfluss nehmen als in der Nationalmannschaft."

Triumphzug nach dem Saisonfinale

Obwohl der HSV mit den Meisterschaften 1979, 1982 und 1983 die weitaus beste deutsche Mannschaft dieser Jahre stellte, war er in der Nationalmannschaft nur schwach vertreten. Lediglich Manfred Kaltz hatte einen absoluten Stammplatz.

Zehn Tage im Mai 1983 lag ganz Hamburg im kollektiven Jubelrausch. Nach einem 5:0 gegen Borussia Dortmund am 33. Spieltag war das Feld fürs gloriose Finale bereitet. Am 4. Juni stand selbst "St.-Pauli-Willi", das Fanoriginal vom Lokalrivalen, auf der Moorweide mitten in der Stadt, als die Mannschaft vom letzten Meisterschaftsspiel bei Schalke 04 in die Heimat zurückkehrte.

Mit einem 2:1-Sieg wurde Verfolger Werder Bremen wegen der um acht Treffer besseren Tordifferenz auf Distanz gehalten. "Ich habe Euch den Deckel auf den Europacup versprochen", rief Torjäger Horst Hrubesch den 60.000 Fans zu, "und hier ist er."

36 Partien ohne Niederlage am Stück

36 Partien in Folge blieb der HSV zwischen dem 23. Januar 1982 und dem 28. Januar 1983 ungeschlagen. Eine Rekordserie, die bis heute Bestand hat. Alles passte im System. Der geniale Trainer Ernst Happel hatte in seiner zweiten Saison sein Pressing weiter perfektioniert, Manager Günter Netzer hielt ihm den Rücken frei und Präsident Wolfgang Klein war klug genug, sich aus der sportlichen Alltagsarbeit herauszuhalten, sondern die Rahmenbedingungen zu schaffen.

Doch der Triumph vom Mai 1983 war auch schon der Anfang vom Ende. Hrubesch ging im Herbst seiner Karriere nach Lüttich, Lars Bastrup hörte auf. Die Europacup-Millionen wurden für die aufstrebenden Sturmtalente Wolfram Wuttke und Dieter Schatzschneider ausgegeben. Beide konnten sich nie durchsetzen. Es waren die ersten Anzeichen einiger schwerer Jahre an der Elbe.