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Seine bloße Anwesenheit sorgte bei den gegnerischen Abwehrreihen für Unruhe. Wenn Horst Hrubesch zum Kopfball hochstieg, wurde er zum "Ungeheuer". 27 Mal wuchtete der bullige Westfale den Ball in der Spielzeit 1981/82 ins gegnerische Netz. Hrubesch wurde Torschützenkönig, "sein" Hamburger SV zum fünften Mal Deutscher Meister.

Das Konzept war so einfach wie effektiv: "Manni Flanke, ich Kopf - Tor", fasste der Mittelstürmer die Erfolgsformel einmal zusammen und überschrieb Vorlagengeber Manfred Kaltz 50 Prozent an seinen Treffern. Spaßvogel Sepp Maier traute Hrubesch sogar das Unmögliche zu und scherzte: "Er wird der Erste sein, der einen Freistoß direkt mit dem Kopf verwandelt."

Netzer machte sich für Hrubesch stark

Vor allem Manager Günter Netzer machte sich 1978 für eine Verpflichtung des damals bereits 27-Jährigen stark. Die Rekordzahl von 41 Toren hatte der gelernte Dachdecker für das damals in der 2. Bundesliga spielende Rot-Weiss Essen erzielt, in der Bundesliga sollten für den HSV bis zu seinem Abschied 1983 stolze 96 Treffer folgen. Im Trikot der Nationalmannschaft entschied der Stürmer das Finale der EURO 1980 in Italien gegen Belgien im Alleingang. Beim 2:1-Erfolg erzielte der Angreifer beide Treffer.

Im HSV-Meisterjahr 1982 war Hrubesch nicht nur bester Torschütze. Als Mannschaftskapitän konnten sich seine Mitspieler um Franz Beckenbauer, der seine Karierre mit Abschluss der Saison beendete, in schwierigen Phasen immer wieder an dem kumpelhaften Kämpfertypen aufrichten. Ob auf oder abseits des Spielfeldes: Wurde es eng, griff Hrubesch ein.

Legendärer HSV-Sieg in München

Bester Beweis war der fast legendäre 4:3-Erfolg bei Bayern München am 24. April 1982. Beide Teams hatten noch sieben Partien zu spielen. Die Hamburger reisten als Spitzenreiter mit einem Punkt Vorsprung zu den zweitplatzierten Münchenern. 26 Minuten vor Schluss führte Bayern 3:1. Nach einem Anschlusstreffer von Thomas von Heesen sorgte Hrubesch für den Ausgleich und in der Nachspielzeit sogar noch für das Siegtor - zumindest psychologisch war eine Vorentscheidung im Titelkampf gefallen.

"Mit drei Punkten Vorsprung scheint der Wechsel der 'Salatschüssel' von der Isar an die Alster beschlossene Sache", schrieb der Sport-Informations-Dienst damals. Dabei standen die Zeichen beim HSV vor Saisonbeginn nicht unbedingt auf Erfolg.

Das Verhältnis Arbeit/Schnaps stimmte...

Trainer Branko Zebec hatte im Dezember 1980 trotz des Gewinns der Herbstmeisterschaft auf Grund von Alkoholproblemen seinen Hut nehmen müssen, Interimscoach Aleksandar Ristic in der Rückrunde dann den Titel verpasst. Als neuer Mann an der Seitenlinie wurde schließlich der ewig grantelnde Wiener Ernst Happel verpflichtet - er erwies sich als absoluter Glücksgriff.

Dem Titelgewinn in seiner Premierensaison folgten bis 1987 eine weitere Meisterschaft, der Sieg im Europapokal der Landesmeister (beide 1983) und ein DFB-Pokaltriumph (1987). "Er war der beste Trainer der Welt. Bei ihm stimmte das Verhältnis Arbeit/Schnaps", meinte Hrubesch, der heute im Jugendbereich des DFB tätig ist.