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Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hängte Hans-Hubert Vogts, den alle nur Berti nennen, die Fußballschuhe an den Nagel. Erst UEFA-Pokalsieger mit Borussia Mönchengladbach, dann im Alter von knapp 33 Jahren nochmal zum "Fußballer des Jahres" gewählt - einen schöneren Abschied hätte sich der Weltklasse-Verteidiger im Sommer 1979 kaum bereiten können.

Eine beispiellose Karriere war nach 14 Jahren zu Ende gegangen, die geprägt war von Erfolgen: Weltmeister (1974), Vize-Europameister (1976), fünf Mal Deutscher Meister (1970, 1971, 1975, 1976, 1977), DFB-Pokalsieger (1973) und zwei Mal UEFA-Cup-Sieger (1975, 1979).

Mit Fleiß viel erreicht

Vogts hatte so ziemlich alles erreicht als Spieler. Erfolge, die er sich durch Fleiß und eisernen Willen erarbeitet hat. Diese Eigenschaften verhalfen ihm auch zum Spitznamen "Terrier". Vogts konnte mit seiner kompromisslosen und bissigen Art die gegnerischen Stürmer zur Weißglut treiben - 90 Minuten lang in 419 Bundesliga-Partien (allesamt für Gladbach) und 96 Länderspielen.

Talent hat der gelernte Werkzeugmacher nicht viel mitgebracht, als er 1965 von Trainer-Legende Hennes Weisweiler zum Bökelberg geholt wurde. Doch Vogts war immer ein Kämpfer, der es nie leicht hatte. Aufgewachsen in Büttgen bei Neuss verlor er im Alter von 13 Jahren seine Mutter und ein Jahr später auch seinen Vater. Fußball war sein Halt, doch auch da blieben ihm zunächst viele Türen versperrt.

Mit einer Körpergröße von 1,68 m als zu klein befunden, nahm Vogts erst als B-Jugendlicher an einem Lehrgang teil. Von da an ging alles ganz schnell. Weisweiler entdeckte Vogts und formte seinen Ziehsohn zu einem Musterprofi, der seines Gleichen suchte.

Europameister-Trainer 1996

Fleiß und Willen prägten Vogts anschließend auch in seiner Trainerkarriere. 1979 wechselte er bereits zum DFB in den Nachwuchsbereich und ebnete mit viel Akribie zahlreichen Spielern den Weg in die Nationalmannschaft. So war es kein Wunder, dass Vogts 1990 auch das Amt des Bundestrainers übernahm. Lange Zeit im Schatten von Vorgänger Franz Beckenbauer gelang ihm schließlich 1996 der Titelgewinn bei der EURO.

Bei WM-Turnieren scheiterte er sowohl 1994 in den USA (gegen Bulgarien) als auch 1998 in Frankreich (gegen Kroatien) jeweils im Viertelfinale. Gut zwei Monate nach dem 0:3 gegen die Kroaten in Lyon trat Vogts als Bundestrainer zurück.

Danach trainierte er Bayer Leverkusen in der Bundesliga (2000/01), gab ein kurzes Intermezzo in Kuwait (2001) und war zwischen 2002 und 2004 Nationalcoach von Schottland. Später trainierte er für rund ein Jahr die Nationalmannschaft Nigerias (2007-2008), ehe er am 4. April 2008 das Amt des Nationaltrainers Aserbaidschans übernahm.