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Es sollte am Ende eine der knappsten Entscheidung im Bundesliga-Titelkampf aller Zeiten werden. Die rheinischen Erzrivalen 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen an der Spitze und lagen am letzten Spieltag nur durch die Tordifferenz getrennt punktgleich vorn.

Allerdings sprach vor dem Auswärtsspiel der "Geißböcke" am 29. April 1978 beim Tabellenletzten FC St. Pauli im Volksparkstadion eine um zehn Treffer bessere Tordifferenz eindeutig für die Truppe von Trainer Hennes Weisweiler.

Dessen Ex-Team Borussia Mönchengladbach hatte es dagegen im Heimspiel im Düsseldorfer Rheinstadion im Westschlager mit Borussia Dortmund unter Coach Otto Rehhagel zu tun. Erst durch eine 0:1-Heimniederlage am 31. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt hatten sich die Kölner wieder in Schwierigkeiten gebracht und die Bökelberg-Elf herankommen lassen.

Fernduell am letzten Spieltag

So kam es zum atemberaubenden Fernduell zwischen den beiden Spitzenteams zur 34. Runde. Und es sah lange Zeit nach einer faustdicken Überraschung aus. Während die von Udo Lattek gecoachten Gladbacher zu einer Tor-Gala gegen den Namensvetter aus Westfalen ansetzten und schon nach 27 Sekunden durch Jupp Heynckes in Führung gingen, stand es an der Alster lange Zeit immer noch 0:0. 26 Minuten waren die Gladbacher Deutscher Meister, ehe Kölns Mittelfeld-Ass Heinz Flohe das 1:0 für den FC erzielte und die Fangemeinde der "Geißböcke" aufatmen ließ.

Doch die Gladbacher ließen nicht locker. Horst Wohlers ließ nur wenige Minuten später das 5:0 in Düsseldorf folgen. Bei Halbzeit hatten die Lattek-Schützlinge das halbe Dutzend voll gemacht, während der Tabellenführer mit einem mageren 1:0 im Rücken in die Pause ging. Die Tordifferenz zwischen den rheinischen Kontrahenten war auf fünf Treffer zusammengeschmolzen. Und die Borussia vom Bökelberg ließ gegen den bemitleidenswerten BVB-Keeper Peter Endrulat nicht locker.

12:0 reichte Gladbach nicht

Bis zum Abpfiff musste der Schlussmann noch weitere sechs Mal hinter sich greifen. 12:0 lautete am Ende der Kantersieg der Gladbacher, dennoch reichte es nicht zum vierten Titel in Folge; allerdings wurde BVB-Coach Rehhagel einen Tag nach dem Debakel entlassen. Denn auch die Kölner ließen sich im zweiten Durchgang nicht lumpen und schossen einen 5:0-Erfolg heraus. Ganze drei Tore trennten Köln und Mönchengladbach im Schlussklassement.

Die "Geißböcke" holten mit Weisweiler in jener Saison sogar das "Double", denn auch im Endspiel des DFB-Pokals hielten sich Flohe, Schumacher, Müller, Cullmann und Co. zwei Wochen vor dem "finale furioso" in der Bundesliga gegen Fortuna Düsseldorf in Gelsenkirchen mit 2:0 schadlos.

Breitner kehrt in die Bundesliga zurück

Es gab allerdings auch weitere interessante Details in jener Saison. Die Bundesliga erlebte die Premierenspielzeit von Englands Superstar Kevin Keegan, der im Dress des Hamburger SV allerdings noch nicht so auftrumpfen konnte wie man es sich beim HSV erhofft hatte.

In Paul Breitner kehrte damals ein 74er-Weltmeister von Real Madrid zurück in die Bundesliga. Allerdings nicht sein Ex-Club Bayern München, sondern die "kleine" Eintracht aus Braunschweig durfte sich über die Künste von "Mao-Paule" freuen. Doch Breitner konnte als Platzhirsch beim Jägermeister-Team keine Wunderdinge vollbringen. Am Ende landeten die Niedersachsen auf Tabellenposition 13.

Sechs auf einen Streich

Die Überraschungsmannschaft der Saison war dafür zweifelsohne der VfB Stuttgart. Der Aufsteiger belegte unter "Trainer-Wundermann" Jürgen Sundermann den 4. Platz und lockte über 900.000 Fans ins Neckarstadion (im Schnitt über 53.000 Zuschauer).

Für das Glanzstück der Spielzeit sorgte dann aber doch ein Spieler der Meistermannschaft. Kölns Dieter Müller gelangen am 17. August 1977 beim 7:2 gegen Werder Bremen sechs Treffer. Ein Rekord, der noch heute Bestand hat.