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Es war ein Jahr wie im Rausch in München. Für den FC Bayern, der sich in einem Herzschlagfinale gegen Schalke 04 zum dritten Mal die Deutsche Meisterschaft sicherte; für die "Weltstadt mit Herz", die im Sommer die Olympischen Spiele ausrichten durfte; vor allem aber für jenen Mann, den alle nur den "Bomber der Nation" nannten, und der in der Saison 1971/72 alle Rekorde brach. Mit 40 Treffern stellte Gerd Müller in der Bundesliga damals wohl eine Bestleistung für die Ewigkeit auf.

Es "müllerte" kräftig, und wohin der Ball auch rollte oder gegen wen es auch ging - "kleines, dickes Müller" war schon da und stand goldrichtig. Der Ball und der Bomber schienen wie mit zwei Magneten verbunden.

Bayern Herzstück des DFB-Teams

Zur Einweihung des Olympiastadions gegen die damalige UdSSR (4:1) traf Müller gleich vier Mal ins Netz, nur 23 Tage später schoss er schon wieder zwei Tore zum 3:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft im Endspiel der Europameisterschaft in Brüssel gegen den selben Gegner.

Die Bayern waren das Herzstück jener unvergesslichen EM-Elf 1972, die viele für das Beste halten, was es im deutschen Fußball jemals gab. Mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Hans-Georg Schwarzenbeck, Paul Breitner, Uli Hoeneß und Gerd Müller stellten die Münchner den Großteil der Mannschaft.

Über 100 Bayern-Tore, 40 von Müller

Auch den FC Bayern trieb Müller in einsame Höhen. Fast die Hälfte steuerte er zum stürmischen Rekord der Münchner (101:38 Tore) bei - über 100 Tore gab es davor und danach in der Bundesliga nie wieder.

Dennoch sicherten sich die Bayern erst am letzten Spieltag vor der Rekordkulisse von 80.000 Zuschauern im Olympiastadion mit einem 5:1 gegen den nur einen Punkt zurückliegenden Verfolger Schalke 04 den Titel. Es war der Beginn einer goldenen Ära, die zu drei Triumphen im Europapokal der Landesmeister (1974 bis 1976) führte.

Der "Kaiser" zieht seine Krone

Selbst Franz Beckenbauer blieb da nur noch neidlose Anerkennung. "Alles, was der FC Bayern geworden ist, verdankt er Gerd Müller", sagte der "Kaiser" ein paar Jahrzehnte später - und traf damit durchaus den Punkt. 365 Tore in 427 Bundesliga-Spielen für den FC Bayern, 68 Tore in 62 Länderspielen, darunter der entscheidende Treffer zum 2:1 im WM-Finale 1974 gegen die Niederlande - kein Mittelstürmer der Welt brachte es auf eine solche Erfolgsquote.

Im Sommer 1965 war Gerd Müller zu den Bayern gekommen. Ein stämmiger Bursche aus der schwäbischen Kreisstadt Nördlingen, ein bisschen schüchtern, aber mit strammen Haxen - und Babyspeck um die Hüften.

Immer noch bei Bayern

14 Jahre später flüchtete der selbe Müller aus München. Als ihn Trainer Pal Csernai am 14. Februar 1979 erstmals in seiner Karriere auf die Bank setzte, war der "Bomber" so bedient, dass er spontan zu den Ford Lauderdale Strikers nach Florida wechselte.

1985 kehrte Müller nach Deutschland zurück. Fast schon vergessen, ohne Aufgabe, ohne neue Herausforderung. Manager Uli Hoeneß holte seinen Spezl zurück an die Säbener Straße. Heute arbeitet Müller als Amateur-Ausbilder unter Hermann Gerland wieder für den FC Bayern. Still und leise im Hintergrund, aber zufrieden.

Hier lesen Sie die weiteren historischen Rückblicke:

1963/64

1964/65

1965/66

1966/67

1967/68

1968/69

1969/70

1970/71