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Wäre es nach dem 1. FC Nürnberg gegangen, hätte es die Bundesliga nie gegeben. "Der Ruhmreiche", wie die Franken den "Club" heute etwas spöttisch noch immer nennen, wehrte sich vehement gegen die Abschaffung der vier Oberligen. Ein "bewährtes System"' sei das, sagte der damalige Präsident Ludwig Franz - wohl auch eingedenk der achten Meisterschaft 1961, als Max Morlock, einer der "Helden von Bern", seinen Verein zum Rekordmeister vor Schalke 04 machte.

Tatsächlich kam der "Club", dem in der ersten Saison mit dem Rauswurf von Herbert Widmayer gleich der zweifelhaften Ruhm für die erste Trainerentlassung zuteil wurde, in der Bundesliga zunächst gar nicht zurecht. In der vierten Spielzeit drohte sogar der Abstieg - Vorletzter war die Mannschaft nach der Hinrunde 1966/67.

Merkels Verpflichtung ein Glücksfall

Zum Glück für die Nürnberger warf dann aber im Dezember 1966 der amtierende Meister 1860 München seinen Trainer Max Merkel raus. Der "große Zampano" blieb nicht lange arbeitslos. Der damalige "Club"-Boss Walter Luther feuerte seinerseits den Ungarn Jenö Vincze und lockte Merkel für ein Monatsgehalt von damals unvorstellbaren 11.000 Mark an den Valznerweiher.

Unter dem Österreicher erreichten die Franken immerhin noch Rang 10. Und dann versprach Sprücheklopfer Merkel dem Nürnberger Schatzmeister Adam Winkler, er werde ihm den Tresor so füllen, dass er ihn nicht mehr zubringen würde.

Alles neu unterm neuen Trainer

Zu Beginn der Saison 1967/68 räumte Merkel allerdings erst mal auf. Elf Spieler mussten gehen, sechs neue kamen, darunter "Gustl" Starek (Rapid Wien) und Flügelstürmer Zvezdan "Zick-Zack" Cebinac (PSV Eindhoven). Dann zog der Zampano ein Trainingslager durch, an das sich die Spieler heute noch mit Grausen erinnern.

"Das war die härteste Vorbereitung, die ich je erlebt habe. Ich dachte manchmal, das halte ich nicht durch", erinnerte sich Stürmer Franz Brungs. An die Meisterschaft dachte deswegen keiner. Außer vielleicht Merkel.

Zwei legendäre Siege gegen Bayern

Und Tschik Cajkovski. Der Trainer von Bayern München warnte: "Meinem Freund Max ist alles zuzutrauen." In der Tat: Merkel mischte Jung und Alt, Kämpfer und Techniker, packte mal die Peitsche aus und reichte mal Zuckerbrot. "Er hat die richtige Mischung gefunden. Er wusste auch genau, was er tun musste, um uns bei Laune zu halten", berichtete Brungs.

"Von der Qualität her", meinte Mittelfeldspieler Ferdinand Wenauer, "waren wir sicher keine Spitzenmannschaft, aber der Merkel hat uns so hochgetrimmt, dass es reichte." Und wie es reichte. Am 2. September 1967 übernahmen die "Glubberer" zum ersten Mal überhaupt die Tabellenführung in der Bundesliga.

Zwei große Duelle gegen die Bayern

Nach Abschluss der Vorrunde hatten sie sieben Punkte Vorsprung, noch drei waren es am Ende vor Werder Bremen. Brungs erzielte 25 Tore. Mit dem neunten Deutschen Meistertitel, dem bislang einzigen des 1. FCN in der Bundesliga, sind zwei Siege verbunden, von denen sie in der Noris heute noch schwärmen.

Beide Male war, es mag kaum verwundern, der FC Bayern beteiligt. Erst besiegte der FCN am 2. Dezember in einem der legendärsten Spiele seiner Vereinsgeschichte die Münchner mit 7:3, und "Goldköpfchen" Brungs traf fünf Mal. "Da ist uns Hören und Sehen vergangen", sagte Gerd Müller.

Im Rückspiel am 18. Mai 1968, es war zugleich der vorletzte Spieltag, machte Merkel dann vorzeitig sein zweites Meisterstück in der Bundesliga perfekt. Mit einem 2:0 beim FC Bayern. Dann aber nahm der große Zampano den "Club" wieder komplett auseinander. Und der 1. FC Nürnberg ist bis heute auch der einzige Meister, der im Jahr darauf abstieg.

Hier lesen Sie die weiteren historischen Rückblicke:

1963/64

1964/65

1965/66

1966/67