ANZEIGE

Hoffenheim/München - Boris Vukcevic gilt als Allzweckwaffe im Mittelfeld, das macht ihn für Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick so sowertvoll. "Dass ich flexibel einsetzbar bin, ist sicherlich eine meiner Stärken", sagt der 20-Jährige gegenüber bundesliga.de.

Im Interview spricht der Mittelfeld-Allrounder über die Hoffenheimer Schwäche in Schlussphasen, seine Wunschposition und das Gespräch, mit dem ihn Ralf Rangnick zum Wechsel vom VfB zu 1899 überzeugt hat.

bundesliga.de: Herr Vukcevic, 1899 tritt bislang sehr unberechenbar auf. Nach einem 4:0 gegen Hannover am 10. Spieltag setzte es zwei Pleiten in Folge, am vergangenen Wochenende haben Sie und Ihr Team dann wieder deutlich in Frankfurt gewonnen. Wie schätzen Sie die Saison bislang ein, einmal auf 1899, einmal auf Sie persönlich bezogen?

Boris Vukcevic: Es ging nicht so steil bergauf, wie in der ersten Bundesligasaison der Hoffenheimer vor zwei Jahren. Wir haben auch negative Erfahrungen gesammelt. Nach Niederlagen haben wir aber Reaktion gezeigt und wieder gute Spiele gemacht. Inzwischen hat sich das Team gefangen und wir stehen auf einem guten Tabellenplatz. Meine persönliche Entwicklung sehe ich positiv, ich bin sehr zufrieden.

bundesliga.de: Woran liegt es, dass 1899 bereits mehrmals in den Schlussminuten Gegentore kassiert hat?

Vukcevic: Es ist zum Teil Kopfsache, zum Teil Einstellungssache, da kamen viele Gründe zusammen. Wir haben uns als Mannschaft damit auseinandergesetzt und uns vorgenommen, hinten gut zu stehen, damit das nicht noch öfter passiert. In Frankfurt ist uns das gelungen.

bundesliga.de: Der Punkteabstand auf die Champions-League-Plätze beträgt nur vier Punkte. Muss die "Königsklasse" für 1899 mittlerweile nicht das erklärte Ziel sein, gerade auch weil viele andere Topteams wie der FC Bayern, Bremen oder Schalke schwächeln?

Vukcevic: Nein, wir haben uns in dieser Hinsicht kein Ziel gesetzt. Wir denken nur kurzfristig und als nächstes wollen wir gegen Leverkusen drei Punkte mitnehmen.

bundesliga.de: Muss nicht zumindest ein Europapokalplatz der Anspruch sein?

Vukcevic: Mit einer Zielsetzung würden wir uns nur unnötig Druck machen. Wir spielen drauf los und schauen, was am Ende herausspringt.

bundesliga.de: Am 9. Spieltag standen Sie gegen Dortmund erstmals in der Startelf. Ralf Rangnick hat danach von Ihrer Kondition geschwärmt. Er sagte, sie seien über 13 Kilometer gelaufen, davon 1000 Meter im Sprint. In welchen Bereichen sehen Sie selbst Ihre Stärken?

Vukcevic: Es ehrt mich, wenn der Trainer so etwas sagt. Dieses Jahr bin ich topfit und bislang ohne Verletzungen ausgekommen. Stärken sind sicherlich, dass ich mehrere Positionen spielen kann und dass ich beidfüßig bin. Ein weiteres Plus ist meine Schnelligkeit, kombiniert mit meiner Technik. Wo ich mich noch verbessern muss, ist der Abschluss. Daran will ich arbeiten und meine Stärken weiter ausbauen.

bundesliga.de: Sie spielen momentan auf dem rechten Flügel, gelten aber als flexibel einsetzbar auf allen Positionen im Mittelfeld. Welche ist Ihre Wunschposition?

Vukcevic: Am liebsten spiele ich im offensiven Bereich: links, rechts oder hinter den Spitzen. Auf jeden Fall mit dem Drang nach vorne, das liegt mir.

bundesliga.de: Sie haben früher neben Fußball noch Turnen, Leichtathletik, Tischtennis, Handball und Tauchen im Verein betrieben. Profitieren Sie heute als Fußballprofi davon?

Vukcevic: Das kommt mir auf jeden Fall zugute. Es gibt viele Dinge, die man aus anderen Sportarten mitnimmt wie beispielsweise Sprungkraft, einen guten Körperschwerpunkt oder Stabilität.

bundesliga.de: Sie haben in der Jugend beim VfB Stuttgart gespielt und sind dann zu nahegelegenen Konkurrenten gewechselt. Bei Tobias Weis, Andreas Beck und zuletzt Sebastian Rudy war es ähnlich. Was macht 1899 für junge Spieler so attraktiv?

Vukcevic: Wir wussten alle nicht, ob wir in Stuttgart den Sprung schaffen, obwohl wir überzeugt von unseren Fähigkeiten waren. Dann kam Hoffenheim und hat uns einen Plan aufgezeigt, wie sie mit uns arbeiten wollen. Sie haben uns ein Konzept gezeigt und gesagt: 'In so und so vielen Jahren haben wir das und das mit dir vor'. Das hat sich überzeugend angehört, deshalb haben wir diesen Schritt gemacht - und ich denke alle nicht bereut.

bundesliga.de: Beim VfB wurde Ihnen so ein Plan nicht aufgezeigt?

Vukcevic: Das ist nichts gegen den VfB. Es war schlicht so, dass uns Ralf Rangnick angesprochen und gesagt hat, was er von uns hält. Er hat uns unsere Stärken aufgezählt und seine Spielphilosophie erklärt. Wenn man so ein Angebot bekommt, lehnt man ungern ab. Zumindest bei mir war es so, dass ich damals beim VfB noch nicht bei den Profis war. Ralf Rangnick ist nun einmal Profitrainer und er hat mir eine Perspektive als Profi geboten. Da konnte ich nicht nein sagen.

bundesliga.de: Sie spielen für die deutsche U21, haben neben der deutschen aber auch die kroatische Staatsangehörigkeit. Wie würden Sie sich entscheiden, wenn einmal die Frage aufkommt, für welches Land sie in der A-Nationalelf spielen wollen?

Vukcevic: Die Frage hat sich bislang noch nicht gestellt, deshalb warte ich erst einmal ab. Aber es ist so, dass ich in Deutschland aufgewachsen bin, mein Vater ist Deutscher und ich fühle mich auch als Deutscher, deswegen würde ich schon gerne für Deutschland spielen.

Das Gespräch führte Andreas Messmer