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Köln - Andre Breitenreiter tritt die Nachfolge von Roberto Di Matteo an und ist der neue Cheftrainer vom FC Schalke 04. Wer ist der junge Trainer, der erstmals einen großen Bundesligisten trainiert? bundesliga.de präsentiert wissenswerte Informationen und Fakten über den Coach.

1. Alles beginnt in Hannover

Geboren 1973 im niedersächsischen Langenhagen, erlernt Andre Breitenreiter das Fußballhandwerk bei diversen Clubs in Hannover, ehe er als 13-Jähriger schließlich beim regionalen Branchenprimus Hannover 96 landet. Im zarten Alter von 17 Jahren debütiert der Offensivspieler bereits in der Zweitligamannschaft von 96 im DFB-Pokal.

2. Der große Titel

Die Premieren-Saison endet für den jungen Breitenreiter gleich mit einem Titel: Hannover 96 gewinnt in der Saison 1991/92 als Zweitligist überraschend den DFB-Pokal. Breitenreiter kommt in drei Spielen zum Einsatz, schießt mit einem Tor in der 3. Runde sogar die favorisierten Dortmunder um Michael Zorc, Stephane Chapuisat und Trainer Ottmar Hitzfeld aus dem Wettbewerb. Im Finale gegen Mönchengladbach muss er jedoch zuschauen. Es wird sein einziger Titel in der aktiven Karriere bleiben.

3. Ein Riesen-Talent

Aber nicht nur durch den Pokalsieg werden diverse Vereine auf Breitenreiter aufmerksam. Anfang der 90er-Jahre gilt er als größtes Sturm-Talent der Bundesrepublik, durchläuft von der U16 an alle Jugend-Nationalmannschaften. 1994 folgt schließlich der logische Wechsel zum Hamburger SV in die Bundesliga.

4. Der Bayern-Schreck

Das Bundesliga-Debüt von Breitenreiter im HSV-Dress wird gleich hoch spektakulär: Nach 15 Minuten im Spiel gegen den FC Bayern München setzt der junge Stürmer zum Sprint an, tunnelt FCB-Libero Lothar Matthäus, was zur damaligen Zeit schon beinahe als Majestäts-Beleidigung gilt, und versenkt die Kugel vorbei an Oliver Kahn im Netz.

5. Rückschläge

So verheißungsvoll die Karriere beginnt, so durchwachsen geht sie weiter. Nur wenige Tage nach seinem starken Bundesliga-Debüt bricht sich Breitenreiter im Training den Kiefer und fällt monatelang aus. Wirklich in Schwung kommt seine Laufbahn anschließend nicht mehr, vor allem, weil er sich in entscheidenden Phasen immer wieder verletzt. 1997 führt sein Weg schließlich zum VfL Wolfsburg, zwei Jahre später zieht es ihn zum Bundesliga-Aufsteiger SpVgg Unterhaching.

6. Ein Teil der Schalker Geschichte

Mit 15 Treffern in insgesamt 49 Spielen ist Breitenreiter noch heute der Bundesliga-Rekordtorschütze der SpVgg Unterhaching. Am 34. Spieltag der Saison 2000/01 steht er übrigens für die Hachinger auf dem Platz, als Schalke für wenige Minuten die Deutsche Meisterschaft feiert und anschließend in großer Trauer versinkt. Breitenreiter erzielt gegen Königsblau an diesem legendären Nachmittag sogar den 1:0-Führungstreffer für die Spielvereinigung.

7. Unterklassiges Karriereende

Nach der Zeit in Unterhaching lässt Breitenreiter seine Karriere bei unterklassigen Clubs wie dem SC Langenhagen, Hessen Kassel, oder dem BV Cloppenburg ausklingen. Die meiste Zeit verbringt er jedoch in der Regionalliga Nord bei Holstein Kiel. 2010 hängt er den Kickschuh beim Oberligisten TSV Havelse schließlich an den Nagel.

8. Die Anfänge als Scout

Zunächst arbeitet Breitenreiter nach der aktiven Karriere als Scout für den 1. FC Kaiserslautern und analysiert sämtliche Gegner der Roten Teufel. Dann kommt 2011 die Cheftrainer-Anfrage vom TSV Havelse. Ohne lange zu zögern übernimmt er den Posten, coacht nun seine ehemaligen Mitspieler in der Regionalliga. Die Fußballlehrer-Lizenz schließt er im Jahr 2013 als drittbester seines Jahrgangs ab.

9. Die Pokal-Sensation

Ähnlich verheißungsvoll wie die Spielerkarriere startet auch die Trainerlaufbahn des heute 41-Jährigen. Als Breitenreiter den TSV Havelse übernimmt, steht die Mannschaft mit sieben Punkten Rückstand auf dem letzten Tabellenplatz der Regionalliga Nord. Der junge Coach schafft den Klassenerhalt, wird in der Folgesaison fünfter, gewinnt den Niedersachsenpokal und qualifiziert sich damit für den DFB-Pokal 2012/13. Spätestens als Havelse in der 1. Runde den Bundesligisten 1. FC Nürnberg aus dem Wettbewerb schießt, verankert sich der Name Breitenreiter auch als Trainer im Gedächtnis von so manchem Profi-Club.

10. Mit Paderborn in der Bundesliga

Weil die Strukturen bei Havelse nicht für den Profifußball ausreichen, geht Breitenreiter den nächsten Schritt und wechselt zum SC Paderborn in die 2. Bundesliga. Gleich im ersten Jahr gelingt die Sensation und er führt die Ostwestfalen völlig überraschend in die Bundesliga. Den Spielstil seiner Mannschaft beschreibt er als „variabel im System mit hoher Ballzirkulation und Effektivität im Spiel in die Spitze.“ Mit dem mit Abstand kleinsten Budget mischt der Aufsteiger die deutsche Eliteliga auf, steht zwischenzeitlich sogar an der Tabellenspitze. Am Ende scheitert der SCP nur denkbar knapp am Klassenerhalt. Doch der junge Trainer bleibt der Bundesliga weiter erhalten erhalten und unterschreibt einen Vertrag als Cheftrainer beim FC Schalke 04.

Von Karol Herrmann