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Köln - Nein, der 1. FC Union Berlin hat am Freitag, den 23. Dezember kein Heimspiel in der 2. Bundesliga! Und trotzdem werden sich wohl 15.000 - vielleicht auch 18.000 Zuschauer - am Nachmittag in voller rot-weißer Fan-Montur auf den Weg ins Stadion An der Alten Försterei begeben. Sie alle kommen, um zu singen.

Genauer gesagt, wird es an diesem 23. Dezember die neunte Auflage des Weihnachtssingens sein. Dass der Gesang mal durch ein volles Stadion klingen würde, konnte 2003 natürlich noch keiner ahnen.

Mit 89 Leuten fing es an

"Beim ersten Mal waren wir 89 Leute. Wir hatten damals kurz vor Weihnachten festgestellt, dass wir uns nach dem letzten Hinrundenspiel gar nicht richtig voneinander verabschiedet hatten. Das haben wir dann spontan am Tag vor Heiligabend nachgeholt", sagt Torsten Eisenbeiser.

Sein Fanclub, die Alt-Unioner, fand sich damals auf der Gegengerade der Alten Försterei ein, und alle stimmten mit "Dirigent" Torsten Eisenbeiser die ersten weihnachtlichen Lieder an. "Das war noch nicht mit dem Verein abgestimmt. Wir sind durch eine offene Tür ins Stadion und los ging's", erinnert sich Eisenbeiser.

Kerzen und Liedtexte werden verteilt

Die Aktion sprach sich rum und riss immer mehr Begeisterte mit sich. 2004 kamen etwa 500 Stimmen zusammen, bis 2007 verdoppelten sich die Zahlen praktisch von Jahr zu Jahr. Union-Geschäftsführer Oskar Kosche wurde ebenso wie Präsident Dirk Zingler zum Stammgast, auch Union-Profis fanden sich nach und nach zum Singen ein, das nun gemeinsam von Union Berlin und den Alt-Unionern organisiert wird.

Inzwischen läuft diese besondere Köpenicker Weihnachtsgeschichte nach lieb gewonnenen Regeln ab. Die Stadiontore öffnen gegen 17:30 Uhr, an den Aufgängen werden Kerzen und Liedtexte verteilt. Sponsoren übernehmen die rund fünfstelligen Kosten. Der Eintritt ist frei, Fans mit Sammelbüchsen freuen sich über Spenden für den Förderverein der Jugend & Nachwuchsabteilung des 1. FC Union Berlin e.V. Ab 19 Uhr erlischt das Flutlicht und das Licht Tausender Kerzen flackert durch die Alte Försterei.

Pastor Müller liest die Weihnachtsgeschichte vor

Unions Pressesprecher Christian Arbeit wird die Veranstaltung wieder moderieren. Der Chor des Köpenicker Emmi-Noether-Gymnasiums wird den "Union-Chor" wieder unterstützen und Pastor Müller wird wieder die Weihnachtsgeschichte vorlesen. "Es ist jetzt immer der gleiche Ablauf", sagt Eisenbeiser.

Statt üblicher Fan-Gesänge wird "O Tannenbaum", "Ihr Kinderlein kommet" und "Stille Nacht, heilige Nacht" von den drei Stehtribünen der Alten Försterei zu hören sein. Diese besondere Stimmung rührt selbst eisernste Unioner zu Tränen. "Inzwischen kommen Fans aus ganz Deutschland zum Singen. Sogar Leute, die mit Fußball gar nichts zu tun haben. Im letzten Jahr sind zwei Frauen aus Aachen nur für das Weihnachtssingen mit dem Zug angereist."

Für Eisenbeiser sind alle Besucher willkommen und gerne gesehen, und keiner soll vor verschlossenen Stadiontüren stehen. Ein volles Stadion ohne Fußball? Das gibt s wohl nur zur Weihnachtszeit bei Union Berlin.