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München - Am kommenden Sonntag kommt es in Dresden zum Sachsenderby zwischen Gastgeber Dynamo und dem FC Erzgebirge Aue. Im exklusiven Interview mit bundesliga.de spricht Dresdens Torhüter Wolfgang Hesl über die Bedeutung des Spiels und die positive sportliche Entwicklung von Dynamo.

bundesliga.de: Wolfgang Hesl, 14 Spieltage sind der 2. Bundesliga bereits gespielt. Wie hat sich Dynamo Dresden Ihrer Meinung nach bislang als Aufsteiger geschlagen?

Wolfgang Hesl: Mit der Punkteausbeute können wir zufrieden sein. Wir liegen im Soll und wollen so weitermachen. Unser Ziel ist der Klassenerhalt, den haben wir noch nicht geschafft. Wir müssen weiter fleißig Punkte sammeln.

bundesliga.de: Der Saisonstart verlief etwas holprig, zuletzt lief es viel besser. Warum tat sich Dynamo am Anfang so schwer?

Hesl: Wir hatten anfangs der Saison ein paar Probleme, weil der Kader sehr kurzfristig neu zusammengestellt wurde. Wir mussten uns erst einmal richtig kennen lernen. Da war es ganz normal, dass es einige Zeit brauchte, damit sich die Mannschaft findet und die Automatismen greifen. Seit Oktober sind wir eingespielt und haben es ja auch zuletzt bei Fortuna Düsseldorf sehr gut gemacht und beinahe einen Punkt geholt. Das späte Gegentor war ärgerlich. Aber so etwas passiert. Drei Spiele vorher ist uns selbst gegen Aachen der Ausgleich erst in der Nachspielzeit gelungen.

bundesliga.de: Was hat die Mannschaft zuletzt besser gemacht?

Hesl: Das Zusammenspiel in der Defensive läuft in den letzten Wochen deutlich besser. Wir stehen kompakter und setzen immer wieder Nadelstiche. Und vorne haben wir einen Robert Koch, der mit seinen Qualitäten ein Spiel alleine entscheiden kann.

bundesliga.de: Sie selbst sind zu Saisonbeginn nach Dresden gewechselt und stehen seit dem 10. Spieltag im Tor. Was waren bislang Ihre persönlichen Highlights?

Hesl: Ich durfte mein erstes Spiel in München absolvieren, was für mich als gebürtigen Bayer eine tolle Sache war. Auch das DFB-Pokalspiel in Dortmund war wegen der Atmosphäre ein absolutes Highlight. Das konnte ich richtig genießen.

bundesliga.de: Fühlen Sie sich als Nummer 1?

Hesl: Ich habe mir jetzt den Platz im Tor erkämpft und will ihn selbstverständlich verteidigen. Ich gebe jede Woche im Training Gas und versuche im Spiel meine Leistung zu bringen. Ich glaube, dass meine Leistung stimmt. Vom Trainer habe ich jedenfalls nichts Anderes gehört.

bundesliga.de: Wie schwer ist Ihnen die Eingewöhnung in der neuen Umgebung gefallen?

Hesl: Ich habe mit Florian Jungwirth, der wie ich aus Bayern stammt, ja einen "Landsmann" bei Dynamo angetroffen. Er ist mein bayrischer Freund in der Mannschaft. Und dadurch, dass vor der Saison so viele neue Spieler gekommen waren, kannte jeder die Probleme und Sorgen der anderen aus eigener Erfahrung. Wir haben uns gegenseitig geholfen.

bundesliga.de: Bevor Sie nach Dresden gingen, spielten Sie ein Jahr lang für den SV Ried in Österreich, nachdem Sie beim HSV den Durchbruch nicht geschafft haben. Wie wichtig waren die Erfahrungen, die Sie in Österreich gemacht haben?

Hesl: Das Jahr in Österreich war für mich immens wichtig. Es war für mich im Profibereich das erste Jahr, in dem ich wirklich gespielt habe. Ich wurde sogar so etwas wie ein Führungsspieler und konnte mich in Ried sehr gut weiterentwickeln. Mir hätte nichts Besseres passieren können. Ich musste mich damals, als die Anfrage am 31. August gegen 14 Uhr eintraf, innerhalb von zwei, drei Stunden entscheiden. Ich habe mich kurz mit meiner Frau beraten und dann den Schritt gewagt. Es war eine gute Entscheidung.

bundesliga.de: Zurück zu Dynamo. Was ist drin in dieser Saison?

Hesl: Wir sollten bei Dynamo kleine Brötchen backen und erst einmal den Klassenerhalt sichern. Wenn wir den geschafft haben, können wir vielleicht einen einstelligen Tabellenplatz in Angriff nehmen. Dagegen würden wir uns nicht wehren. Aber es geht zunächst nur um den Klassenerhalt.

bundesliga.de: Zuletzt haben die Dynamo-Fans für einige negative Schlagzeilen gesorgt. Was kann der Verein gegen diese Krawallmacher unternehmen?

Hesl: Das Thema betrifft nur ganz wenige Leute, die Schlagzeilen machen wollen und die große Mehrheit der friedlichen Fans verunglimpfen. Das ist sehr schade. Es ist aber auch kein Problem, dass nur Dynamo Dresden betrifft, sondern viele Vereine. Der Verein ist da relativ machtlos. Bei unseren Heimspielen haben wir eine tolle Atmosphäre, unser Stadion ist meistens ausverkauft. Hier wird es für jeden Gegner unangenehm.

bundesliga.de: Am kommenden Sonntag kommt es in Dresden zum Sachsenderby gegen Erzgebirge Aue. Wie sehr fiebert Dresden dem Spiel entgegen?

Hesl: Man merkt schon, dass ein Derby ansteht. Das Medieninteresse ist größer. Es ist ja das erste Derby seit geraumer Zeit und für die Menschen etwas Besonderes. Wir wollen das Derby auf keinen Fall verlieren, weil man dann in der Woche danach immer darauf angesprochen würde. Das wollen wir uns ersparen. Aue ist ein unangenehmer Gegner, der relativ einfachen Fußball spielt, das aber sehr erfolgreich macht. Vorne haben sie mit Ronny König, einen Stürmer, der die Bälle gut sichert. Den müssen wir ausschalten und uns dann die drei Punkte sichern.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski