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Eigentlich sah der TSV 1860 München schon wie der sichere Sieger aus, doch dann gaben die "Löwen" einen bereits sicher erscheinenden Sieg noch aus der Hand.

Nach 58 Minuten führten die Münchner bereits mit 3:0. Die drei Punkte hätten Platz 7 und den Anschluss an die Aufstiegsränge bedeutet. Doch in der 73. Minute lenkte Benjamin Schwarz den Ball ins eigene Netz und das Spiel drehte sich. Der bis dahin ungefährliche SV Wehen Wiesbaden schaffte durch zwei weitere Tore von Sanibal Orahovac und Benjamin Siegert noch den Ausgleich und entführte einen umjubelten Punkt aus der Allianz-Arena.

Im Gespräch mit bundesliga.de versucht "Löwen"-Trainer Marco Kurz, die "gefühlte Niederlage" zu erklären und blickt voraus auf das kommende Auswärtsspiel bei Alemannia Aachen.

bundesliga.de: Herr Kurz, nach einer 3:0-Führung nur 3:3 gespielt. Was ist aus Ihrer Sicht passiert?

Marco Kurz: Wir haben eine 3:0-Führung verspielt, was in dieser Art und Weise einer Mannschaft nicht passieren darf. Wir sind gut ins Spiel gekommen, es ist alles aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben auch in der Höhe verdient geführt, hätten vielleicht sogar noch deutlicher vorne sein können. Aber was die Mannschaft dann die letzten 20 Minuten geleistet hat, ist viel zu wenig und dann werden wir ganz hart bestraft. Der Ausgleich, ein wunderschöner Fernschuss, aber den macht (Benjamin) Siegert auch nicht alle Tage.

bundesliga.de: Wie kann das dann passieren? Das 4:0 für die "Löwen" lag eher in der Luft als das 1:3 der Wehener.

Kurz: Das ist Fußball. Aber das soll keine Entschuldigung sein. Das ist Pomadigkeit, du unterschätzt dann die Situation. Du fühlst dich einfach zu sicher und dann wirst du natürlich bestraft.

bundesliga.de: Sind da die "jungen, wilden Löwen" vielleicht noch ein bisschen zu jung?

Kurz: Nein. Wir haben ja nicht nur junge auf dem Spielfeld, sondern auch ältere Spieler. Aber das ist egal. So ein Spiel zu diesem Zeitpunkt, mit dieser Führung, mit dieser Dominanz, das darfst du nicht aus der Hand geben. Und ich sage bewusst 'aus der Hand geben', weil das nicht einfach nur ein Punktverlust ist, sondern eine gefühlte hohe Niederlage.

bundesliga.de: Die nächsten beiden Spiele sind zwei schwere Brocken. In Aachen und dann zum Abschluss der Hinrunde zuhause gegen Nürnberg. Wie beurteilen Sie diese Spiele?

Kurz: Wir schauen erstmal auf das nächste Spiel in Aachen. Es ist natürlich so, dass wir den Schwung, den wir heute durchaus hätten mitnehmen können, uns nun wieder erarbeiten müssen und das ist das bittere daran.

bundesliga.de: Auswärts läuft es für "Sechzig" ja sehr gut. Wie gehen Sie in das Spiel gegen Aachen?

Kurz: Wir müssen erstmal dieses Spiel aufarbeiten, weil der Stachel schon sehr tief sitzt. Die Mannschaft muss eine Reaktion zeigen und kann sicherlich nicht mit der breiten Brust hinfahren, die sie nach einem deutlichen 3:0-Sieg gehabt hätte. Von daher wird das schon eine harte Partie werden, aber wir freuen uns drauf. Tivoli macht Spaß - viele Zuschauer, guter Gegner. Aber wenn wir über 90 Minuten konzentriert sind können wir gegen jeden bestehen. Das waren wir heute halt leider nicht.

bundesliga.de: Wie wichtig wäre es mit sechs Punkten aus den letzten beiden Hinrunden-Spielen Anschluss an die Spitzenplätze zu halten?

Kurz: In der jetzigen Situation, also nach einem solchen Spiel, ist es verfehlt zu sagen, dass wir was mit den Spitzenplätzen zu tun hätten.

bundesliga.de: Sehen Sie also ein tiefer liegendes Problem?

Kurz: Nein. Ich will es uns jetzt auch nicht austreiben, aber wir sprechen über Spitzenplätze und wer so ein Spiel aus der Hand gibt, hat da oben nichts zu suchen. Das ist zwar eine sehr nüchterne Ansicht, aber um oben zu stehen braucht man eine Qualität, die wir heute nicht gezeigt haben.

Aus der Allianz Arena berichtet Gregor Nentwig