ANZEIGE

Köln - Keiner hat mehr Spiele in der 2. Bundesliga bestritten als Willi Landgraf. 508 Mal lief der Mittelfeldspieler für Rot-Weiss Essen, den FC Homburg, den FC Gütersloh und Alemannia Aachen auf, bis heute einsamer Rekord. Im Interview mit bundesliga.de spricht Willi Landgraf, der heute die C-Jugend von Schalke 04 trainiert, über seine Aufstiegsfavoriten, die zurückgekehrten Traditionsvereine aus Duisburg und Bielefeld sowie über sein Lieblingsstadion.

bundesliga.de: Herr Landgraf, am Freitagabend wird die 2. Bundesliga mit dem Topspiel MSV Duisburg gegen den 1. FC Kaiserslautern eröffnet. Wie sehr freuen Sie sich auf die erste Partie?

Willi Landgraf: Das ist auf jeden Fall ein würdiges Auftaktspiel. Die neue Saison fängt gleich mit einem tollen Spiel an. Ich freue mich, dass ein Traditionsverein wie der MSV Duisburg wieder mit dabei ist und direkt auf den FCK trifft. Es sind wieder einige gute Mannschaften in der 2. Bundesliga dabei.

bundesliga.de: Schätzen Sie die 2. Bundesliga wieder so ausgeglichen ein wie im letzten Jahr oder gibt es in dieser Saison mit RB Leipzig den großen Topfavoriten?

Landgraf: Leipzig hat sicher viel investiert und mit Ralf Rangnick einen erstklassigen Trainer. Aber Geld alleine schießt keine Tore. Man muss eine Mannschaft sein, geschlossen sein. Ich lass mich mal überraschen, wie Leipzig mit der Rolle des Gejagten zurecht kommt. Die Gegner werden doppelt motiviert sein, wenn es gegen Leipzig geht.

"Freiburg ist schwer einzuschätzen"

bundesliga.de: Wer gehört Ihrer Meinung nach noch zum erweiterten Favoritenkreis dazu?

Landgraf: Kaiserslautern muss man nennen, Braunschweig hat auf dem Transfermarkt einiges getan. Außerdem gibt es immer einen Verein, mit dem keiner rechnet. Ingolstadt hatte in der letzten Saison sicher niemand auf der Rechnung, Darmstadt genauso. Aber wenn eine Mannschaft wie eben Ingolstadt erst einmal einen richtigen Lauf hat, kann sie immer für eine Überraschung sorgen. Das macht die 2. Bundesliga so interessant und spannend.

bundesliga.de: In den letzten Jahren haben sich die Bundesliga-Absteiger eine Klasse tiefer sehr schwer getan, man denke nur an die Beispiele von Nürnberg, Braunschweig oder Düsseldorf. Erwarten Sie, dass auch der SC Freiburg und der SC Paderborn Anlaufschwierigkeiten haben werden?

Landgraf: Davon gehe ich aus. Paderborn hat zudem noch einen neuen Trainer. Die Mannschaft ist immerhin in großen Teilem zusammengeblieben bis auf den einen oder anderen Topspieler. Ich bin gespannt, wie Paderborn die Aufgabe angeht. Sie werden oben mit dabei sein, aber als Aufsteiger erwarte ich sie nicht. Freiburg ist schwer einzuschätzen, da findet ein großer Umbruch statt, viele Spieler sind weg. Die Frage ist dann, wie schnell sich die neue Mannschaft findet. Aber Freiburg muss man immer zu den Favoriten zählen. Grundsätzlich muss man die ersten sieben, acht Spieltage abwarten. Dann kann man erste Tendenzen erkennen.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass der Karlsruher SC diesen unglücklich verpassten Aufstieg verkraftet hat? Oder haben sie noch daran zu knabbern?

Landgraf: Wenn man sich das einredet, wird es so kommen. Aber ich glaube, dass der Trainer Markus Kauczinski das hinbekommen wird. Der KSC war eine geschlossene Mannschaft, die eine tolle Einheit war. Viele Abgänge müssen sie nicht verkraften. Auch beim KSC lasse ich mich überraschen.

"Am Millerntor hat es immer viel Spaß gemacht"

bundesliga.de: Wieder zurück in der 2. Bundesliga sind mit dem MSV Duisburg und Arminia Bielefeld zwei Traditionsvereine.

Landgraf: Solche Vereine tun der Liga gut, sie kommen mit viel Euphorie wieder zurück. Sie werden auch die Zuschauerzahlen erhöhen. Auf die Spiele in Duisburg oder auf der Alm freut man sich als Spieler. Ich glaube auch, dass beide Clubs eine gute Rolle spielen werden.

bundesliga.de: In welchen Stadien sind Sie persönlich am liebsten aufgelaufen?

Landgraf: Am Millerntor in St. Pauli. Da hat es immer sehr viel Spaß gemacht. Die Stimmung ist dort vor ausverkauftem Haus immer sehr gut. Ich habe auch mal am Betzenberg in Kaiserslautern gespielt, aber da wurde das Stadion gerade zur WM umgebaut. Daher bleibt das Millerntor mein Favorit.

bundesliga.de: In der 2. Bundesliga werden auch einige neue Gesichter zu bestaunen sein, von Spielern die aus der Bundesliga eine Klasse tiefer gewechselt sind, so wie Leipzig Davie Selke, Kaiserslauterns Daniel Halfar oder Düsseldorfs Didier Ya Konan. Wer könnte der Star der kommenden Saison werden?

Landgraf: Das ist ganz schwer vorherzusagen. Ein Davie Selke ist sicher ein guter Spieler. Aber er muss sich erst einmal an das andere Niveau in der 2. Bundesliga gewöhnen. Da geht es auch mal zur Sache. Und die Gegenspieler werden doppelt motiviert sein.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski