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Berlin - Trotz grauen Herbstwetters herrscht an der Alten Försterei eitel Sonnenschein: Mit 28 Punkten aus 17 Partien haben die "Eisernen" die beste Zweitliga-Hinrunde ihrer Vereinsgeschichte gespielt. Durch den 1:0-Erfolg im Berlin-Brandenburg-Derby gegen den FC Energie Cottbus blieben die Köpenicker zudem erstmals in dieser Saison vier Spiele in Folge ohne Niederlage, holten zehn von zwölf Punkten.

"Dass wir mit dem Spiel Unions beste Zweitliga-Hinrunde aller Zeiten perfekt gemacht haben, ist natürlich ein Supergefühl", freute sich Union-Keeper Jan Glinker. "Auch, dass wir die beste Mannschaft im Osten sind - das nehmen wir gerne mit, aber für uns sind vor allem die Punkte wichtig." Erneut war der 27-Jährige einer der Besten auf dem Platz. Auch Gästetorwart Thorsten Kirschbaum lobte: "Mein Gegenüber hat überragend gehalten, er hat den Sieg für Union festgehalten."

Ganz starker Glinker

"Glinker hat zwei Mal gerettet. Zuerst vor der Pause gegen Alexander Ludwig, der frei vor dem Tor stand, dann im zweiten Durchgang auch den Schuss von Dimitar Rangelov", beschrieb Union-Coach Uwe Neuhaus diese "zwei Momente. Wenn da das 1:1 fällt, wäre das absolut verdient gewesen."

Das Köpenicker Eigengewächs, zu Saisonbeginn noch im Zweikampf mit Marcel Höttecke um den Platz im Tor der "Eisernen", hat jetzt vier Mal in Folge seinen Kasten sauber gehalten. Winkt als Lohn jetzt die Verlängerung seines zum Saisonende auslaufenden Vertrages? Der Keeper will zwar keine Details der Vertragsverhandlunge verraten, sagt aber: "Für mich gibt es nur einen Verein."

"Es war das erwartete schwere Spiel mit zwei Gegnern auf Augenhöhe", analysierte Glinker das Spiel gegen die Lausitzer. "Nach unserem Tor haben wir uns den Cottbuser Angriffsbemühungen entgegengestemmt und letztendlich auch mit ein wenig Glück den Sieg nach Hause gebracht."

Silvio trifft endlich wieder

Neuhaus hingegen fand, dass "der Sieg verdient" war, "weil wir alles dafür getan haben." Auch für Silvio, den Schützen des einzigen Treffers, hatte der Trainer ein Sonderlob in petto: "Er hat zuletzt sehr viel gearbeitet, auch wenn er dabei einige Chancen liegengelassen hat." Durch das Tor, hofft der FCU-Coach, werde der brasilianische Stürmer weiter Auftrieb bekommen.

Der im Sommer aus Lausanne gekommene Angreifer hatte nach seinem gegen den FC Ingolstadt erzielten "Tor des Monats" sieben Spiele Ladehemmung gehabt. Der 26-Jährige selbst gab sich bescheiden: "Wichtig ist, dass jeder im Spiel 100 Prozent für die Mannschaft gibt." Der Stürmer ist mit fünf Treffern in der Hinrunde auf dem Weg zum selbstgesteckten Ziel, zweistellig zu treffen, noch im Soll. Seine Mannschaftsdienlichkeit ist ohnehin unbestritten.

Mattuschka: "Stehen gut da"

Unions Kapitän Torsten Mattuschka zog derweil eine Zwischenbilanz: "Unser Ziel ist ja ein einstelliger Tabellenplatz. Auf diesem Weg stehen wir im Moment ganz gut da", und rechnete vor: "Wenn wir in der Rückrunde nochmal 28 Punkte holen, haben wir in der Endabrechnung 56 Zähler - ob wir damit dann am Ende Sechster oder Siebter sind, ist egal. Wir wollen einfach versuchen, unseren Fußball zu spielen." Dadurch habe man inzwischen die Sicherheit, "so ein Spiel eben auch mal mit 1:0 zu gewinnen."

Tatsächlich demonstrierten die Köpenicker innerhalb einer Woche, dass sie inzwischen sowohl zu wahren Fußballfesten (wie beim 5:2 in Rostock), als auch zu dreckigen Arbeitssiegen (wie gegen Cottbus) in der Lage sind. 2003/2004 sind übrigens mit 56 bzw. 54 Zählern gleich zwei Teams ins Oberhaus aufgestiegen. Das dürfte diesmal allerdings nicht reichen.

"Im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt wollen wir natürlich gleich die nächsten Punkte hier einfahren", blickte Jan Glinker auf den Rückrundenauftakt voraus, der für die "Eisernen" bereits am kommenden Sonnabend ansteht. "Das müsste machbar sein, wenn wir an die Leistung gegen Cottbus anknüpfen können - wir peilen drei Punkte an."

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo