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Köln – Mit Effizienz und Minimalismus hat sich der FC Ingolstadt 04 an die Tabellenspitze der 2.  Bundesliga gespielt. Die letzten vier Spiele wurden dank einer grundsoliden Defensive jeweils mit 1:0 gewonnen. Dass die Schanzer dabei immer ein Tor mehr erzielten als der Gegner, lag zuletzt meist an Lukas Hinterseer.

Fünf der letzten sechs Ingolstädter Tore gehen auf das Konto des Mittelstürmers, in den letzten drei Partien hat er jeweils zum 1:0-Endstand getroffen. So auch am vergangenen Wochenende gegen Heidenheim.

Dabei konnte mit der Verpflichtung des Neffen von Schlagersänger Hansi Hinterseer in diesem Sommer nicht jeder was anfangen. Die meisten Experten hatten im Sturmzentrum eher den tschechischen Nationalspieler Tomas Pekhart auf der Rechnung, der von Nürnberg an die Schanz gewechselt war.

"Unglaubliche Wege, die er zurücklegt"

FCI-Coach Ralph Hasenhüttl schenkte seinem österreichischen Landsmann das Vertrauen und stellte Hinterseer in allen elf Liga-Spielen von Beginn an auf. "Lukas hat sein Potenzial von Anfang an angedeutet und sich zu einem wichtigen Bestandteil der Truppe entwickelt", sagt der Trainer über seinen Shooting-Star. "Das sind unglaublichen Wege, die er für die Mannschaft zurücklegt."

Im Schnitt kommt Hinterseer auf 11,3 gelaufene Kilometer pro Spiel und macht binnen 90 Minuten beachtliche 34 Sprints bei einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 33 Kilometern pro Stunde. Dazu kommt seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor (alle Großchancen hat er verwertet).

Karriere kommt erst spät in Schwung

Die Karriere des 23-Jährigen nahm erst im letzten Jahr so richtig Schwung auf. Beim FC Wacker Innsbruck schaffte er den Durchbruch zum Stammspieler, erzielte 2013/14 13 Saisontore und wurde von Marcel Koller in die Nationalelf Österreichs berufen, schließlich kam der Wechsel nach Deutschland zustande. Ein Jahr zuvor galt er noch als ewiges Talent und wurde zum FC Lustenau 07 und First Vienna FC in die Niederungen der zweiten Liga verliehen.

Bei Ingolstadt ist Hinterseer inzwischen nicht nur zum Torgarant geworden, sondern auch zum Liebling der Fans. Nach den Spielen wird er von den Anhängern regelmäßig zum Singen auf dem  Zaun gefordert. Trotzdem gibt sich der Österreicher bescheiden:  "Jeder braucht ein bisschen Zeit, um sich bei einem neuen Verein einzugewöhnen, vor allem, wenn man in ein anderes Land wechselt. Deutschland ist jetzt nicht weit weg von Österreich, aber trotzdem ist es eine große Umstellung. Das hat bis jetzt ganz gut geklappt."

Bisher zumindest hat es so gut geklappt, dass Ingolstadt mit fünf Punkten Vorsprung die 2. Bundesliga anführt. Vom Aufstieg redet Hinterseer, genau wie alle Protagonisten in Ingolstadt, nur ungern, fügt aber schmunzelnd hinzu: "Wir würden uns sicher nicht wehren."

Karol Herrmann

Weitere Typen der 2. Bundesliga:

Dominik Stroh-Engel vom SV Darmstadt 98

Joel Pohjanpalo von Fortuna Düsseldorf