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Berlin - Rein formal betrachtet war es ein Rückschritt für den 1. FC Union Berlin: Durch das 0:0 zuhause gegen Fortuna Düsseldorf ging es für die Hauptstädter in der Tabelle von Platz 7 auf Rang 8 hinunter.

Doch tatsächlich bot die Nullnummer gleich aus mehreren Gründen Anlass für Optimismus. Da war zum einen die Tatsache, dass mit den Fortunen nicht irgendjemand zu Gast war. Die Rheinländer sind immerhin seit acht Monaten in Pflichtspielen unbesiegt und waren vor der Partie im Stadion an der Alten Försterei der Tabellenführer der 2. Bundesliga.

"Remis ist schon okay"

Dennoch konnten die "Eisernen" den Düsseldorfern erfolgreich Paroli bieten. "In der ersten Halbzeit waren wir ganz gut im Spiel", analysierte Union-Kapitän Torsten Mattuschka den Umstand, dass die Gäste vor der Pause kaum einmal zu ihrem Offensivspiel fanden. "Nach dem Wechsel stellte Düsseldorf die Räume gut zu", musste aber auch Publikumsliebling Mattuschka einräumen, "das Remis ist schon okay". Linksverteidiger Patrick Kohlmann fand am Ende das Unentschieden ebenfalls "wohl gerecht".

Das läßt sich auch an der Spielstatistik ablesen: Zwar gewann die Elf von Norbert Meier etwas mehr Zweikämpfe (53:47 Prozent), dafür verbuchten die Schützlinge von Uwe Neuhaus mehr Ballbesitz (56:44 Prozent). Dem leichten Düsseldorfer Plus an Torschüssen (13:10) stehen mehr erkämpfte Eckbälle für die Köpenicker gegenüber (7:2).

Erster Punkt gegen ein Top-Team

Durch das Unentschieden punktete Union erstmals in dieser Saison gegen einen der "Großen Vier", nachdem es zuvor gegen Greuter Fürth (0:4), Eintracht Frankfurt (1:3) und den FC St. Pauli (0:2) Niederlagen gesetzt hatte. Schon jetzt haben die "Eisernen" drei Punkte mehr auf dem Konto als nach dem Ende der gesamten Hinrunde 2010/11. Beim Unternehmen "einstelliger Tabellenplatz", den die Köpenicker erstmals seit 2002/03 wieder im Blick haben, ist also alles mehr als im Soll.

Hinzu kommt die Euphorie rund um den für nächste Saison geplanten Neubau der Haupttribüne. Nicht nur, dass die Anteilsscheine an der neuen Stadion-AG bei den Fans offenbar großen Anklang finden. Auch die Tatsache, dass die schon jetzt höchst stimmungsvolle Arena gegen Düsseldorf zum zweiten Mal in Folge ausverkauft war, unterstreicht, dass der FCU derzeit "in" ist.

Leistungsträger Karl fehlt in Rostock"

Einziger echter Wermutstropfen des Fortuna-Spiels: Neuzugang Markus Karl sah die fünfte Gelbe Karte. Der defensive Mittelfeldspieler, der im Sommer vom FC Ingolstadt in die Hauptstadt gewechselt war, verpasste keines der bisherigen 16 Pflichtspiele und stand dabei 15 Mal in der Startelf. Er wird den "Eisernen" am kommenden Freitag fehlen, wenn es nach Rostock zum Ostderby beim FC Hansa geht.

Rechnet man die Vorgängervereine BSG Motor Oberschöneweide und Empor Lauter hinzu, trafen die beiden Ostclubs schon 30 Mal aufeinander. Beide gewannen je zehn Partien, zehn Mal trennte man sich unentschieden. Der letzte Union-Sieg an der Ostsee liegt aber schon fast vier Jahrzehnte zurück: Im März 1972 gewannen die Köpenicker letztmals in Rostock (1:0). Seitdem setzte es sieben Niederlagen, nur zweimal fuhr man zumindest mit einem Punkt nach Hause.

Jetzt wäre die perfekte Gelegenheit, diese Negativserie zu beenden. Denn nicht nur, dass Union generell gut drauf ist: Beim letzten Auswärtsspiel in Braunschweig gelang der Neuhaus-Elf erstmals in dieser Saison ein "Dreier" auf fremdem Platz. Zudem befindet sich die gegnerische Hansa-"Kogge" in rauen Gewässern. Seit vier Partien ist die Elf von Peter Vollmann sieglos, steht mit elf Punkten und nur einem Sieg auf dem Relegationsplatz 16.

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo