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München - Beim TSV 1860 München soll alles anders werden. Mal wieder. Denn in der Vorsaison haben die „Löwen“ mit Platz 7 wie schon häufig zuvor die Rückkehr in die Bundesliga verpasst. Zwar schnupperten die 60er kurz vor der Winterpause an den Aufstiegsplätzen, doch erneut machte eine längere Schwächephase alle Hoffnungen auf den großen Coup zunichte.

Der Verein reagierte und trennte sich frühzeitig von wichtigen Entscheidungsträgern. Gerhard Poschner wurde als neuer Sportchef geholt und hatte nach der Vertragsauflösung mit Trainer Alexander Schmidt gleich die Aufgabe, sich um einen neuen Coach zu kümmern. Mit der Verpflichtung ließ sich Poschner viel Zeit und überraschte dann mit der Vorstellung von Ricardo Moniz.

Doch Poschner verfolgt ein klares Ziel. Der „ambitionierte Riese“, so Poschner, soll wieder zurück in die Beletage des deutschen Fußballs. Und das mit wohlüberlegten Schritten. Ob der Umbruch im Kader dazu passt, wird sich zeigen. Viele Fans sind noch skeptisch, doch spätestens mit Saisonbeginn wird die Euphorie unter den „Löwen-Anhängern wieder entfacht sein.

"Löwen" auf der Achterbahn

Noch immer schwelgen die älteren Löwen-Fans in Erinnerung. Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1966 (Video) und des DFB-Pokals 1964 mit Trainer Max Merkel -  was waren das für Zeiten. Leider waren die erfolgreichen Jahre für den TSV wie so oft in der Vereinsgeschichte immer nur von kurzer Dauer. Wieder und wieder stolperte das Gründungsmitglied der Bundesliga und fiel mehrmals tief bis in die Bayern- oder Regionalliga.

Doch die Münchner standen bislang immer wieder auf. Wenn auch langsam. Einer starken Jugendarbeit sei dank kehrten sie in die Bundesliga zurück. Richtig etablieren konnten sie sich dort trotz Teilnahmen an der Qualifikation zur Champions League und am UEFA-Cup nie. Seit dem erneuten Abstieg 2003/04 peilt der TSV den Wiederaufstieg an. Bislang ohne Erfolg. (Statistik)

Der Einstieg des Investors Hasan Ismaik verhinderte 2011 die Insolvenz des Clubs. Das Zusammenspiel der Vereinsführung mit dem Jordanier war vielleicht zu Beginn noch nicht sehr harmonisch, doch mittlerweile scheint es so, als zögen alle Parteien am gleichen Strang.

Ein Sextett weckt Hoffnungen

Dem Fußball-Fan wird ein Blick auf den Löwen-Kader ein Stirnrunzeln entlocken. Denn nach vielen Jahren fehlen in der Auflistung die Urgesteine Benjamin Lauth und Daniel Bierofka. Zudem verließen Leistungsträger wie Moritz Stoppelkamp und Yuya Osako den Club. Der Umbruch ist da. Und Sportchef Poschner treibt diesen in den vergangenen Wochen mit Trainer Moniz eifrig voran.

Poschner, der lange Jahre in Spanien als Spieler und Berater aktiv war, nutzte seine Kontakte und lotste die talentierten - und viel beachteten - Ilie Sanchez (23 Jahre) und Edu Bedia (25) aus der Reserve des FC Barcelona nach Giesing. Ruben Okotie (27, Austria Wien) und Daylon Claasen (24, Lech Posen) sind von den Namen zwar nicht wirklich hochkarätige Transfers, doch sie passen genau in das Anforderungsprofil Moniz’.

Ein kleiner Coup war die Verpflichtung des Innenverteidigers Gary Kagelmacher (26) vom AS Monaco, der auch von vielen anderen Vereinen umworben war. "Gary ist die Verstärkung für die Abwehr, die wir uns vorgestellt haben. Er ist der Typ Abwehrchef“, freute sich auch Poschner. Mit Leonardo verstärkt zudem ein international erfahrener Akteur die Offensivabteilung der Münchner.

Aus Barcelonas Reserve in die Verantwortung

Wenn ein Spieler aus der zweiten spanischen Liga in die 2. Bundesliga wechselt, darf nicht unbedingt von einem Sensationstransfer gesprochen werden. Wenn es sich bei diesem Spieler aber um Ilie Sanchez, den Kapitän der Reserve des FC Barcelona, handelt, dann stellt sich sofort die Frage nach dem Warum.

Ilie, wie er in Spanien nur genannt wird, hatte wie viele andere Spieler aus der Talentschmiede La Masia den Traum einer Karriere bei Barca. Zu mehr als einer Hand voll Einsätzen in Freundschaftsspielen, auch unter Trainer Pep Guardiola, hat es aber nie gereicht. Natürlich gab es andere Angebote, doch wer Ilie kennt, der weiß, dass er all seine Schritte durchdenkt. Und so war auch sein Wechsel nach München wohl überlegt: „Wie sie sich um mich bemüht haben, und was vor allem Gerhard Poschner alles über mich wusste, hat mir gezeigt, dass sie mich wirklich wollen“, erklärte der Defensivallrounder.

Die Löwen dürfen sich auf einen aufrichtigen, ehrlichen, überall beliebten Strategen freuen, den Poschner als Spielertyp Sergio Busquets einstuft. Wenn Sanchez den Vorschusslorbeeren gerecht wird, dürfte und sollte er sofort eine tragende Rolle beim neuen TSV 1860 München übernehmen.

Schussgewaltige Dauerbrenner

Die Löwen gehen in ihr elftes Zweitligajahr in Folge und sind damit unter den aktuellen Teams der Dauerbrenner.

Die Mittelfeldspieler von 1860 München gaben in der letzten Saison die meisten Torschüsse ligaweit ab (313).

1860 München stellte 13/14 die harmlosesten Stürmer der Liga, nur zehn Stürmertore standen zu Buche.

Kein Team erzielte in der letzten Saison weniger Kontertore als 1860 München (drei).

1860 München blieb 13/14 nach Eckbällen ohne Gegentor.