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In der Vereinschronik von Borussia Dortmund wird Manfred Burgsmüller mit seinen 135 Tore immer noch als erfolgreichster Torjäger der Bundesliga geführt. Mit Werder Bremen gewann er 1988 im stolzen Alter von 38 Jahren seine erste Deutsche Meisterschaft. Kein Wunder, dass seine Sympathien beiden Vereinen gehören, die am Freitagabend die 50. Bundesliga-Saison eröffnen. Was "Manni" Burgsmüller über den BVB, die Bayern und Werder denkt, verriet er im Gespräch mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Herr Burgsmüller, am Freitagabend startet die Bundesliga mit der Paarung Ihrer beiden Ex-Vereine Borussia Dortmund gegen Werder Bremen in ihre 50. Spielzeit. Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Manfred Burgsmüller: Ich freue mich, dass die Bundesliga nach der langen Pause wieder losgeht und es endlich wieder Fußball gibt. Besonders schön für mich ist, dass die Jubiläumssaison direkt mit einem Duell meiner beiden Ex-Vereine Borussia Dortmund gegen Werder Bremen startet. Mit beiden Vereinen verbinde ich positive Erinnerungen, ich drücke beiden die Daumen und tippe auf ein 2:2.

bundesliga.de: Sie haben also keinen Favoriten bei diesem Spiel? An welche Partie der beiden erinnern Sie sich gerne zurück?

Burgsmüller: Beim BVB habe ich länger gespielt, die Zeit in Bremen war sportlich etwas erfolgreicher. Bei Bundesliga-Spielen zwischen der Borussia und Werder war ich oft mit von der Partie, aber am meisten erinnere ich mich an das Pokalfinale von 1989, bei dem ich mit den Bremern leider gegen Dortmund verlor.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass Borussia Dortmund wieder um den Titel mitspielen wird?

Burgsmüller: Ja. In diesem Jahr erwarte ich wieder eine spannende Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft. Borussia Dortmund wird auf jeden Fall wieder oben mitspielen. Sie haben eine enorme Qualität im Kader. Leider hat Shinji Kagawa den BVB verlassen, doch dafür spielt nun Marco Reus für die Borussia. Ich hätte die beiden gerne einmal zusammen spielen sehen. Reus kann Kagawa bestimmt ersetzen, auch wenn er ein anderer Spieler ist als der Japaner. Kagawa halte ich für den etwas besseren Techniker, dafür hat Reus mehr Zug zum Tor. Ich sehe die Borussia nicht geschwächt, zumal auch Mario Götze wieder fit ist, nachdem er fast die gesamte Rückrunde ausgefallen war. Eine Vorteil für den BVB ist auch, dass er auf eine eingespielte Mannschaft bauen kann.

bundesliga.de: Erwarten Sie einen Zweikampf zwischen dem BVB und dem FC Bayern oder können auch andere Clubs ins Meisterschaftsrennen eingreifen?

Burgsmüller: Die Bayern sind auch wieder ein Titelfavorit. Sie werden alles versuchen, um nicht das dritte Jahr hintereinander ohne Titel dazustehen. Sie haben viele neue Spieler geholt. Ich bin gespannt, wie sie sich schlagen werden. Ich glaube, dass Borussia Dortmund und der FC Bayern die größten Chancen auf die Meisterschaft haben und sehe die Borussia noch einen Tick vorne. Auch Mannschaften wie Leverkusen oder Mönchengladbach werden oben mitspielen, aber eher nicht in den Titelkampf eingreifen. Das gilt auch für Schalke 04, das viel Qualität im Kader hat, auch wenn Raul den Verein verlassen hat. Immerhin haben sie noch einen Klaas-Jan Huntelaar, der wieder Torschützenkönig werden kann.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Entwicklung bei Werder Bremen?

Burgsmüller: Bei Werder findet derzeit ein Umbruch statt, der von Nöten war. Ich sehe Werder grundsätzlich auf einem guten Weg, auch nach der überraschenden Pokalniederlage. Die war für mich kein Maßstab. Thomas Schaaf und Klaus Allofs arbeiten dort vernünftig, sie haben alles im Griff. Ich erkenne da eine Handschrift bei den Transfers und finde es gut, dass jetzt auf junge, hungrige Spieler gesetzt wird. Ich traue Werder zu, dass es wieder um die Europa-League-Plätze kämpft und besser abschneidet als in der vergangenen Saison.

bundesliga.de: Noch ein Wort zu den Aufsteigern. Trauen Sie Fürth, Frankfurt oder Düsseldorf eine größere Überraschung zu?

Burgsmüller: Nein, ich glaube, dass es für alle drei Vereine nur um den Klassenerhalt geht und um nichts anderes. Seit meiner Footballer-Zeit bei Rheinfire gehören meine Sympathien auch der Fortuna. Es wird eine große Herausforderung für Norbert Meier, 18 neue Spieler zu integrieren. Es wird dauern, bis die Maschinerie läuft. Die Fortuna kann wie die anderen Aufsteiger Fürth und Frankfurt auch einige schöne Resultate erzielen. Aber mehr als der Klassenerhalt wird nicht drin sein.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski