ANZEIGE

Bochum - Nach drei sieglosen Spielen hat sich Energie Cottbus mit dem 1:0-Erfolg beim VfL Bochum zurückgemeldet. Der Schlüssel zum Auswärtssieg lag dabei in einer kompakten Defensivleistung, meint Marc-Andre Kruska.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Energie-Kapitän über Arbeit und Willen, Selbstvertrauen und Aktionismus. Außerdem hat Kruska einen guten Rat an seine Mannschaft, wie man die nächsten Aufgaben angehen sollte.

bundesliga.de: Marc Andre Kruska, nach drei sieglosen Spielen dürfte die Erleichterung diesmal bei Ihnen groß sein.

Marc-Andre Kruska: Mit dem Sieg sind einige Steine von uns abgefallen! Es war in dieser Phase ganz wichtig, die drei Punkte mitzunehmen. Wir haben uns am Anfang etwas schwer getan mit der Spielweise der Bochumer, weil sie sehr gut nach vorne gespielt haben. Aber im Verlauf der Partie haben wir uns den Sieg verdient. Vor allem erarbeitet.

bundesliga.de: In den letzten Wochen ist Cottbus oft punktlos geblieben, weil man zu viele Fehler gemacht hat. Diesmal hat man den Fehler des Gegners eiskalt genutzt.

Kruska: Das stimmt, wir haben endlich defensiv sehr gut gestanden und keinen einzigen individuellen Fehler gemacht. Darauf haben wir dann aufgebaut und mit zunehmender Dauer auch gut nach vorne gespielt. Wir hatten auch am Ende noch ein, zwei gute Konterchancen.

bundesliga.de: War es die Vorgabe, zunächst vor allem hinten sicher zu stehen?

Kruska: Natürlich, gerade auswärts geht es darum, dass wir zunächst vor allem kompakt stehen. Ich denke, das haben wir in Bochum schon sehr gut gemacht, auch wenn es natürlich immer noch etwas besser geht. Nach dem Tor hat Bochum noch einmal richtig Druck gemacht. Da war es besonders wichtig, dass wir dagegen halten und unsere Kompaktheit und Sicherheit nicht verlieren. Da hat der Wille eine große Rolle gespielt. Letztlich war die Defensive sicher der Schlüssel, um in Bochum erfolgreich zu sein. Auswärts haben wir nun zum vierten Mal zu Null gespielt.

bundesliga.de: Es war trotz der Negativserie kaum Verunsicherung in der Mannschaft zu spüren.

Kruska: Wir haben die Länderspielpause genutzt und in dieser Phase sehr gut und sehr intensiv trainiert. Das war wichtig, weil wir uns so auch etwas von dem Selbstvertrauen zurückgeholt haben, das verloren gegangen war. Das hat uns auch die nötige Überzeugung gegeben, um das Spiel in Bochum positiv anzugehen.

bundesliga.de: Hat die Mannschaft auch Aktionen abseits des Fußballs unternommen, um wieder auf Kurs zu kommen?

Kruska: Von Alibi-Maßnahmen und Aktionismus halte ich nichts. Aber ich denke, jeder hat sich damit befasst, dass wir in der jetzigen Situation gelassen bleiben müssen. Das ist wichtig, um den Kopf frei zu haben. Wenn man sich zu sehr unter Druck setzt, verkrampft man im Spiel. Du musst locker ins Spiel gehen, wenn auch mit der nötigen Konzentration. Das haben wir in Bochum gezeigt. Und dann sieht man auch, was wir für eine Qualität im Spiel nach vorne haben. Vor allem weil enorm wichtige Spieler wie Rangelov, Bittencourt und Ziebig sogar noch gefehlt haben.

bundesliga.de: Das klingt nach einer Menge Potenzial. Was ist denn in der Tabelle noch möglich für Energie?

Kruska: Auf die Tabelle schaue ich zurzeit gar nicht. Wir stehen noch immer im Mittelfeld und es bringt uns auf jeden Fall mehr, wenn wir von Spiel zu Spiel schauen. Wichtig ist, dass wir jedes Spiel positiv angehen. Und wir müssen an uns glauben! Das Spiel in Bochum war sicher ein Schritt nach vorne. In den letzten Wochen hatten wir sehr viele Schritte zurück gemacht und waren ohne Zweifel in einer sehr schwierigen Phase. Aber es ist auch nicht leicht für uns, immer wieder Verletzungen und Ausfälle kompensieren zu müssen. Auf der anderen Seite sieht man auch immer wieder, dass wir wirklich jeden Spieler brauchen.

bundesliga.de: Torschütze Mustafa Kucukovic ist dafür ein gutes Beispiel: Er hatte auch persönlich bislang keine gute Saison.

Kruska: Es ist für jeden Spieler schwierig, wenn man nicht regelmäßig spielt und wenn man eine zeitlang abgeschrieben ist. Die Gründe dafür sind oft ganz unterschiedliche. Aber gerade in solchen Situationen musst du an dich glauben und weiter Gas geben. Dann musst du auch im Training mal mehr machen als die anderen - dann wirst du auch belohnt. Für Mucki freut es mich, dass gerade er jetzt für uns in Bochum den Siegtreffer erzielt hat.

bundesliga.de: Am nächsten Sonntag kommt Ingolstadt. Es gibt zurzeit sicher schwerere Gegner?

Kruska: Stopp! Es gibt in der 2. Bundesliga keine einfachen Gegner, das haben wir bisher in jedem Spiel gesehen. Ingolstadt ist besser als der Tabellenstand und kommt mit neuem Trainer. Und zuhause haben wir uns in den letzten Wochen eh  sehr schwer getan. Es wird wichtig sein, auch gegen Ingolstadt aus einer ganz kompakten Defensive heraus das Spiel zu machen. Das gibt uns Sicherheit - und dann sieht man auch, dass wir richtig gut Fußball spielen können.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte