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Hamburg – Im November 2013 löste Roland Vrabec seinen Chef Michael Frontzeck auf der Bank des FC St. Pauli ab. Zunächst mit Erfolg: Der bei Amtsantritt Tabellen-Achte war bis zur Last-Minute-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern am 29. Spieltag in Schlagweite zu Relegationsrang drei.

Danach war die Luft raus, die Hamburger stürzten auf Rang acht ab und verfehlten das Minimalziel, zu den Top 25 in Deutschland zu gehören. Entäuschend war vor allem das Auftreten vor eigenem Publikum. Nur fünf Siege konnten die Fans in der ehemaligen Festung am Millerntor bejubeln.

Warum das so war, wie es besser werden soll und warum der 40-Jährige die Kiezkicker nicht als Aufstiegsfavoriten sieht, verrät Vrabec im Gespräch mit bundesliga.de und verspricht den Fans „eine Mannschaft, die fußballerische Qualität hat und mit Leidenschaft und Herz spielt“.

bundesliga.de: Herr Vrabec, Sie haben den Verein nach dem 13. Spieltag auf Platz 8 von ihrem damaligen Trainer Michael Frontzeck übernommen. Am Ende steht ebenfalls Platz 8. Wie beurteilen Sie ihr erstes halbes Jahr als Cheftrainer?

Roland Vrabec: Wir haben einen sehr guten Start hingelegt, konnten diese Leistungen aber nicht bis zum Ende der Saison zeigen. Obwohl wir lange Zeit oben mitspielen konnten, sind wir am Ende auf Platz acht gelandet. Das war für uns alle enttäuschend und damit waren wir auch nicht zufrieden.

bundesliga.de: Bis zum 29. Spieltag war der Relegationsplatz in greifbarer Nähe (drei Punkte Rückstand; die Red.). Dann gab es die späte Heimniederlage gegen den Mit-Konkurrenten 1. FC Kaiserslautern. War danach die Luft raus oder wie erklären Sie den Einbruch zum Ende der Saison?

Vrabec: Das späte Gegentor gegen Kaiserslautern in der siebten Minute der Nachspielzeit und der späte Ausgleich beim Spiel in Cottbus haben der Mannschaft zwei erhebliche Schläge versetzt. Davon hat sie sich leider nicht erholt und so war dann der Einbruch am Ende der Saison zu erklären.

bundesliga.de: Platz drei in der Auswärtstabelle ist für den FC St. Pauli ein überragendes Ergebnis. In der Heimtabelle allerdings nur Rang 14 mit nur fünf Heimsiegen. Haben Sie eine Erklärung, warum die ehemalige "Festung Millerntor“ nach Platz sechs 2012 und Platz acht 2013 erneut an Schrecken eingebüßt hat?

Vrabec: Wir haben es nicht verstanden, gegen tief stehende Gegner Lösungen zu finden und die Spiele erfolgreich zu gestalten. Allerdings waren wir damit in der Liga nicht alleine, weil es für fast alle Mannschaften auswärts ein probates Mittel war, tief zu stehen und ausschließlich auf Konter zu spielen.

bundesliga.de: Wie wollen Sie zur alten Heimstärke zurückfinden?

Vrabec: Wir müssen in unserem Spiel Lösungen finden, kompakt stehende Mannschaft zu knacken. Wir müssen neben unseren fußballerischen Qualitäten die Leidenschaft und das Herzblut auf den Platz bringen, den FC St. Pauli immer ausgemacht haben. Wenn uns das gelingt, wird das Millerntor auch wieder eine Festung werden.

bundesliga.de: Erklärtes Ziel des Vereins ist es, sich auf Dauer in den Top 25, also schlechtestenfalls Rang sieben in der Zweiten Liga, zu etablieren. Was ist Ihr Ziel für die kommende Saison?

Vrabec: Wir haben die Top 25 in der letzten Saison verfehlt. Das wollen wir in jedem Fall besser machen. Wir waren in der letzten Spielzeit lange oben dran. Vielleicht kann uns das in dieser Saison auch wieder gelingen.

bundesliga.de: Gleich sieben Teams werden neben dem FC St. Pauli Aufstiegsambitionen nachgesagt. Ist der Kader stark genug, Platz drei oder besser anzugreifen?

Vrabec: Wir gehören sicherlich nicht zu den Aufstiegsfavoriten in der Liga. Da gibt es sechs, sieben Verein, die den Anspruch haben ganz oben dabei zu sein wie 1860 München, die Absteiger Nürnberg und Braunschweig, Fürth, Kaiserslautern oder Düsseldorf. Auch die Aufsteiger Heidenheim und Leipzig sind nicht zu unterschätzen. Die Leistungsdichte in der Liga hat noch einmal zugenommen.

bundesliga.de: 2014/15 ist die erste Saison, die Sie als Cheftrainer angehen, und natürlich kann der Club finanziell nicht jeden Wunsch erfüllen, den ein Trainer hat, aber Sie waren am Aufbau des Kaders beteiligt. Würden Sie sagen, dass das jetzt mehr Ihre Mannschaft ist als in der Vor-Saison (zur Transferbörse)?

Vrabec: Das kann man so nicht sagen, schließlich halten sich die Veränderungen bei fünf Abgängen und drei Zugängen in Grenzen.

bundesliga.de: Mit Fabian Boll hört ein so genannter Leitwolf auf. Wer kann die Rolle ausfüllen? Wer wird Kapitän?

Vrabec: Kapitän ist Sören Gonther, Philipp Tschauner sein Stellvertreter. Neben diesen beiden Spielern sehe ich unter anderem Sebastian Schachten als Führungsspieler.

bundesliga.de: Mit Fin Bartels verließ der torgefährlichste Stürmer den Verein. Wie werden Sie ihn ersetzen?

Vrabec: Wir haben volles Vertrauen in unsere Stürmer, die sich in der Vorbereitung gut präsentiert haben und erwarten zudem von den offensiven Mittelfeldspielern wie Marc Rzatkowski, Michael Görlitz oder Sebastian Maier, dass sie in der neuen Saison noch mehr Zug zum Tor entwickeln und Treffer erzielen.

bundesliga.de: Auf welches System bauen Sie in der kommenden Saison?

Vrabec: Wir werden in erster Linie in einem 4-4-2-flach spielen, haben aber die Möglichkeit je nach Gegner oder auch mal situativ das System zu ändern.

bundesliga.de: Lassen Sie uns auf die Neuen eingehen: Was erwarten Sie von Michael Görlitz...

Vrabec: Michael verfügt über viel Erfahrung, auch durch seine Zeit in Schweden. Er soll unsere Stürmer noch besser einsetzen. Gleichzeitig erwarten wir von ihm auch den ein oder anderen Treffer.

bundesliga.de:Daniel Buballa...

Vrabec: Daniel kenne ich aus der U23 von Mainz. Uns war es wichtig, dass wir einen schnellen, dynamischen Außenverteidiger verpflichten, dem es gelingt, sich auf den Außenbahnen durchzusetzen. Daniel verkörpert Siegeswillen und hat eine sehr gute Mentalität.

bundesliga.de:Lasse Sobiech...

Vrabec: Lasse ist zwar mit 23 Jahren noch jung, aber er hat bei seinen letzten Stationen bereits viel Erfahrung sammeln können. Aufgrund seiner Größe kann er bei uns in der Defensive ein wichtiger Faktor gerade bei Standards werden.

bundesliga.de: Und wie weit sind Kyoung Rok Choi und Dennis Rosin aus dem eigenen Nachwuchs?

Vrabec: Beide sind talentierte Jungs, haben offensive Qualitäten. Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, sich bei den Profis zu zeigen und sich Schritt für Schritt zu entwickeln. Wir wollen sie in Ruhe aufbauen und an den Profibereich heranführen.

bundesliga.de: Was dürfen die Fans 2014/15 von ihrer Mannschaft erwarten?

Vrabec: Eine Mannschaft, die fußballerische Qualität hat und mit Leidenschaft und Herz spielt.

Das Interview führte Jürgen Blöhs

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