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Ingolstadt - Der FC Ingolstadt 04 kämpft auch vor dem diesjährigen Saisonstart in die 2. Liga mit hohen Erwartungen. Nicht wenige träumen vom Bundesliga-Aufstieg der Schanzer.

Trainer Ralph Hasenhüttl tritt im Interview mit bundesliga.de auf die Bremse. Man sei zwar gut aufgestellt, entscheidend sei aber eine "Politik der kleinen Schritte", so Hasenhüttl.

bundesliga.de: Herr Hasenhüttl, zum Einstieg eine Frage, die die Nation bewegt hat: Wie konnte es passieren, dass Deutschland am Ende wirklich und tatsächlich Weltmeister wird?

Ralph Hasenhüttl: Am Ende hat sich die Mannschaft, die den besten Fußball gespielt hat, verdient durchgesetzt. Damit ist auch endlich, die von den sogenannten Experten aufgestellte These widerlegt worden, dass diese goldene Generation zwar schön spielt und fast alles gewinnt, nur eben keine Titel. An dieser Stelle nochmals herzlichen Glückwunsch von Seiten des FCI. Wir haben das Finale im Trainingslager in Österreich verfolgt, mitgelitten, und dann gefeiert.

bundesliga.de: Sie gelten als gewiefter Taktiker: Was waren Ihre Erkenntnisse der WM? Ballbesitz scheint out zu sein, Konterfußball wieder in. Eine Kehrtwende? Überrascht Sie diese Entwicklung?“

Hasenhüttl: Keines der beiden Extreme alleine würde zum Erfolg führen. Mehr denn je zeigt sich, dass man den Fußball spielen muss, der für den Gegner unangenehm ist. Mal ist das Pressing, mal Ballbesitz, mal Umschaltspiel. Wichtig ist, dass man alles beherrscht. Dann wird man mit einem Quäntchen Glück auch Weltmeister.

bundesliga.de: Zum FC Ingolstadt: Zwei Personalien haben zuletzt für Aufregung gesorgt: Zum einen die Verletzung von Konstantin Engel, zum anderen der Weggang von Caiuby. Wie bewerten Sie diese Nachrichten?

Hasenhüttl: „Die Verletzung von Koka war ein Schreck für uns alle, glücklicherweise ist er auf einem sehr guten Weg und bald wieder im Kreise der Mannschaft. Noch schlimmer wirkt die Verletzung von Almog Cohen, für den die Hinrunde bereits gelaufen ist. Der Abgang von Caiuby kam ja nicht völlig überraschend, insofern waren wir auf das Szenario vorbereitet.“

bundesliga.de: Während der Ingolstädter Vorbereitung ließ Ihre Mannschaft mit guten Ergebnissen aufhorchen: Wie lautet Ihre Analyse der vergangenen Wochen?

Hasenhüttl: Die Ergebnisse sind mir nicht wichtig, da sie in der Vorbereitungsphase wenig Aussagekraft haben. Mir ist wichtig, dass die Mannschaft gut und hart mitarbeitet, dabei Spaß an der Sache hat und wir uns für die Saison 14/15 rüsten. Wir müssen in dieser Zeit zu einer richtigen Einheit werden und uns finden. All das ist bisher der Fall.

bundesliga.de: Wo liegen Ihrer Meinung nach in der kommenden Saison die Stärken der Schanzer? Und wo sehen Sie noch Defizite?

Hasenhüttl: Unsere Stärken werden auch in dieser Saison in der Arbeit gegen den Ball liegen. Wir wollen wieder sehr schwer zu schlagen sein. Dazu taktisch ähnlich flexibel wie in der Rückrunde. Ich denke, dass wir für unser schnelles Umschaltspiel auch in der neuen Saison wieder gutes Personal zur Verfügung haben. Insgesamt sehe ich uns sehr gut aufgestellt, was unsere Qualität betrifft.

bundesliga.de:  Sie haben mit Benjamin Hübner und Lukas Hinterseer zwei neue Stützen geholt. Was erwarten Sie von den Beiden? Sollen Sie die Mannschaft führen?

Hasenhüttl: Lukas für eine Führungsrolle vorzusehen, wäre doch etwas viel des Guten. Der Junge ist 23, wechselt erstmals nach Deutschland und will Fuß fassen bei uns. In der Vorbereitung hat er das bisher sehr ordentlich gemacht und wir sind überzeugt davon, dass er uns offensiv bereichern wird. Benni ist ein Spieler, auf den man sich absolut verlassen kann und der unserer Innenverteidigung Stabilität verleiht. Wie alle anderen hat aber auch er Konkurrenz seiner Position, gegen die er sich zu behaupten hat. Im Übrigen haben wir mit Mathew Leckie ebenfalls noch eine nennenswerte Personalie für unser Offensivspiel geholt, auch Robert Bauer, der vom KSC gekommen ist, macht seine Sache richtig gut und bringt frischen Wind.

bundesliga.de: Nach Ihnen haben auch Ihr Assistent Michael Henke und Sportdirektor Thomas Linke die Verträge verlängert. Wie wichtig sind diese Unterschriften, um in eine stabile und ruhige Zukunft zu gehen?

Hasenhüttl: Sehr wichtig! Schließlich funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut und wir wollen die Profimannschaft auch künftig gemeinsam weiterbringen.

bundesliga.de: In Ingolstadt sind die Erwartungen vor einer neuen Saison fast schon traditionell hoch. Was machen Sie, um die Erwartungen im Vorfeld zu dämpfen?

Hasenhüttl: Die Fans und Leute, die uns in Ingolstadt und der Region verfolgen, wissen, wie bei uns gearbeitet wird und kennen auch unsere Politik der kleinen Schritte. Im Übrigen: Ich glaube, dafür schätzt man uns auch. Insofern werden Erwartungen eher überregional geschürt. Das soll für uns keine Rolle spielen, da wir uns überhaupt nicht davon beeinflussen lassen.

bundesliga.de: Wie lauten Ihre Saisonziele - die 2. Bundesliga ist auch nach den Abstieg von Nürnberg und Braunschweig beinahe stark wie nie...

Hasenhüttl: Wir wollen uns spielerisch weiterentwickeln - das soll sich dann auch durch eine erneut verbesserte Tabellenposition dokumentieren.

bundesliga.de: Ihre Prognose zum Schluss: Welche Mannschaften spielen um den Aufstieg? Wie lauten Ihre Favoriten?

Hasenhüttl: 1860 München, der VfR Aalen und Leipzig.

Das Gespräch führte Jens Fischer

Die Vorschau-Interviews der anderen Zweitligisten:

1. FC Nürnberg | Eintracht Braunschweig | Greuther Fürth | 1. FC Kaiserslautern | Karlsruher SC | Fortuna Düsseldorf | TSV 1860 München | FC St. Pauli | 1. FC Union Berlin | VfR Aalen | FC Ingolstadt | SV Sandhausen | Erzgebirge Aue | FSV Frankfurt | VfL Bochum | RB Leipzig | 1. FC Heidenheim | SV Darmstadt 98