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Kaiserslautern - Chris Löwe sagt, es sei eine Riesenehre für ihn beim Saisonstart am Freitagabend in Duisburg den 1. FC Kaiserslautern als Kapitän auf den Platz zu führen. Zwei Tage vor Saisonstart gab Trainer Kosta Runjaic den Nachfolger vom nach Leipzig gewechselten Willi Orban bekannt.

"Chris war und ist nachweislich einer unserer Leistungsträger", begründete Runjaic die Wahl des Linksverteidigers, der vor drei Jahren aus Dortmund nach Lautern gekommen war. Nun kann sich Löwe auch eine Verlängerung seines nächsten Sommer auslaufenden Vertrages vorstellen. Doch zunächst steht eine schwere Saison vor der Tür, in der der FCK noch nicht so richtig weiß, wo er steht.

Potenzielles Aufstiegsteam ist gefordert

"115 Jahre FCK – Tradition und Leidenschaft" steht als Motto auf den Trikots der Lauterer am Freitag in Duisburg. Der FCK ist die Heimat von deutschen Fußballlegenden wie den Weltmeistern der Walter-Elf, vier Deutsche Meisterschaften durften die Pfälzer bejubeln – mehr Tradition geht kaum. Aber die Gegenwart hält mit der ruhmreichen Vergangenheit nicht mehr Schritt, "uffm Betze" gehen sie bereits in die vierte Zweitligasaison in Serie. Noch hat der Klub keinen neuen Hauptsponsor, nachdem der alte nach nur einem Jahr wieder kündigte. Allerdings sagt Vorstandschef Stefan Kuntz, Vermarkter Sportfive, der mit einer Ausfallgarantie im Wort steht, sei in weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem Unternehmen.

Der im Schlussspurt der vergangenen Runde kläglich verspielte Aufstieg schmerzt deshalb umso mehr. Mit jedem Jahr wird die Herausforderung größer, den Erwartungen der Fans und dem eigenen Selbstverständnis gerecht zu werden. Dem Klub muss der Spagat gelingen, so zu wirtschaften, dass auch in den nächsten Jahren Zweitligafußball stabil gewährleistet werden kann -  gleichzeitig aber auch immer eine potenziellen Aufstiegsmannschaft auf dem Rasen steht.

FCK ist kein Topfavorit

Erstmals seit dem Abstieg vor drei Jahren wird der FCK nicht mehr zu den Topfavoriten gezählt, RB Leipzig und Absteiger Freiburg nennt auch Kuntz als die ersten Aufstiegsanwärter. Der FCK hat viel Talent verloren. Die beiden hoffnungsvollen Innenverteidiger Willi Orban (Leipzig) und Dominique Heintz (Köln) zum Beispiel. Künftig wird das Innenverteidiger-Duo Tim Heubach und Stipe Vucur (kam aus Aue) heißen - vor dem jungen Torwart Marius Müller, der den erfahrenen Tobias Sippel (Gladbach) ersetzen soll. Zudem verlor der FCK die geliehenen Talente Demirbay (HSV), Stöger (Stuttgart), Younes (von Gladbach zu Ajax) und Zoller (Köln). In Daniel Halfar kam vom 1. FC Köln ein gestandener Profi, der einst in Lautern das Kicken lernte und eine Führungsposition in der Offensive übernehmen soll. Gepokert wird noch um die sofortige Verpflichtung des Stürmers Jon Bödvarsson von Viking Stavanger. Die gelingt vielleicht schnell, da der Transfer von Philipp Hofmann nach England am Donnerstag vollzogen wurde. Ob beim MSV neben dem von Fürth gekommenen Kacper Przybylko auch Stefan Mugosa (zurück aus Aue) im Angriff spielen wird, will Trainer Runjaic kurzfristig entscheiden. Fakt ist: Die Mannschaft braucht dringend einen kontinuierlich treffenden Angreifer. Im vergangenen Jahr war das Fehlen eines treffsicheren Torjägers neben der Auswärtsschwäche und den schlotternden Knie der jungen Elf im Saisonfinale ein Hauptgrund für den verpassten Aufstieg.

"Beweisen, dass wir gelernt haben"

Natürlich wollen die Pfälzer aufsteigen, sie wissen aber, dass es nicht leichter geworden ist. Seriös lässt sich die Stärke des Kaders noch nicht einschätzen, Transfers in beide Richtungen sind noch möglich. Kuntz sagt: "Es wäre doch ein Saisonziel zu sagen, wir wollen uns wieder bis zum 30. Spieltag jene gute Ausgangsposition erarbeiten wie in der letzten Saison – und dann beweisen, dass wir gelernt haben." 

Mit jedem Jahr in Liga zwei, läuft der FCK Gefahr, ein Stückchen weiter abgehängt zu werden. Am hilfreichsten wäre ein Aufstieg, Stefan Kuntz gibt sich kämpferisch, er sagt: „Wir werden allen in der zweiten Liga auf den Geist gehen, die denken, sie könnten den FCK überholen.“ Von denen gibt es aber nicht wenige.

Tobias Schächter