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Stuttgart - Die Freude war riesengroß. Bei Mannschaft, Verantwortlichen und den Fans – der VfB Stuttgart ist wieder erstklassig. Über all den Jubel aber sollte man eines nicht vergessen: In der Bundesliga muss manches noch besser werden.

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Dass der junge Trainer des VfB Stuttgart, Hannes Wolf, ein cooler Hund und nervenfester Krisenmanager ist, war den meisten im Umfeld der Schwaben mittlerweile klar. Bei der Pressekonferenz des VfB nach der feststehenden Bundesliga-Rückkehr am frühen Sonntagabend aber lieferte Wolf den allerletzten Beweis. Selbst die eiskalte Bierdusche seiner frenetisch feiernden Spieler ließ den 36-Jährigen ziemlich kalt. Fast ungerührt und konzentriert wie seit Monaten führte er seine Analyse zu Ende.

Außergewöhnliches Kribbeln

"Ich bedanke mich bei Mannschaft, Mitarbeitern und den Fans, was sie aus dieser Saison gemacht haben. Das 'Heimspiel‘ in Nürnberg, 0:3 zu Hause gegen Dynamo Dresden und keiner pfeift, die Fans haben uns einfach immer weiter nach vorne gepusht. Und dann dieses Kribbeln heute – das ist außergewöhnlich.“ Wolf zeigte sich extrem dankbar und erleichtert.

In der Tat war der Aufstieg des VfB Stuttgart in dieser Saison alles andere als ein Selbstläufer. Er glich vielmehr einer Berg-und-Talfahrt mit vielen Rückschlägen und engen Spielsituationen. Zahlreiche Last-Minute-Treffer retteten die Schwaben immer wieder, Tore die zum einen einer gewissen individuellen Qualität geschuldet waren, zum anderen aber auch ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl und einen enormen Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft widerspiegelten.

>>> Torschützenkönig Terodde

So sah man in den  Katakomben der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena dann auch einer enorm erleichterten – und natürlich nassen (Bierdusche!) – VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich. "Ich bin happy und glücklich und freue mich für uns alle. Der Verein ist wieder da, wo er eigentlich hingehört: in der ersten Liga.“ Trotz aller Euphorie aber richtete Dietrich den Blick bereits nach vorne: "Wir feiern jetzt einmal zwei Tage, dann aber geht es schon weiter. Wir wollen nicht, dass es sich hier um eine Eintagsfliege handelt, sondern wir wollen uns auf allen Gebieten weiterentwickeln.“

Einige Comebacks

So mischten sich inmitten der Feierlichkeiten im Stadion und vor dem Wasen-Besuch und anschließendem  Auto-Korso durch die Innenstadt dann doch ein paar Fragezeichen. Schließlich wissen die Verantwortlichen nur zu genau, wie eng es in manchen Partien war und welche Wackler der VfB auf dem grünen Rasen durchlebte. "Wir hatten einige Comebacks in dieser Saison, das wissen wir“, sagte Torwart Mitch Langerak, der eine erstklassige Spielzeit ablieferte und mit Sicherheit das Format nachgewiesen hat, auch in der kommenden Bundesliga-Saison im Tor des VfB zu stehen.

Und die anderen Mannschaftsteile? Viele junge Talente haben Trainer Wolf und Manager Jan Schindelmeiser in den letzten Wochen  im Kader etabliert. Josip Brekalo, Carlos Mane, Julian Green, Takuma Asano – sie alle sind jung, schnell, extrem talentiert. Abgesehen davon, dass unklar ist, ob alle bleiben, stellt sich aber auch die Frage nach deren Belastbarkeit und Nervenstärke in der Bundesliga. Das gilt abzuwarten.

Auf Terodde ist Verlass

Sicher ist, dass der VfB mit dem 25-Tore-Goalgetter Simon Terodde und dem endlich wiedergenesenen Daniel Ginczek über Top-Angreifer verfügt. "Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“, scherzte Leader und Kapitän Christian Gentner über Terodde. Lustig, aber die Wahrheit ist: Auf Terodde wird sich der VfB auch in der Bundesliga verlassen können.                 

Dennoch: Die Schwaben werden personell – in der Innenverteidigung, aber wohl auch in der Mittelfeld-Zentrale – nachbessern müssen. Dafür verantwortlich ist Schindelmeiser, der sich am Sonntagabend gewohnt zurückhaltend präsentierte, aber einer der Hauptgründe für den Aufstieg ist. Auch ihm ist es zu verdanken, dass für die Stuttgarter der Abstieg kein Fiasko war. Gereinigt kommt er daher, der VfB, und mit ein paar Verstärkungen ist ihm im kommenden Jahr vieles zuzutrauen.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer