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Nürnberg - Der Mann des Tages war am Montag Abend schnell ermittelt: Zwei Tore hatte Alessandro Schöpf selbst erzielt (41./53.), ein weiteres (Daniel Candeias/24.) vorbereitet. Da lag es nahe, dass der Mittelfeldregisseur die Ehrenrunde anführte, die nach dem Schlusspfiff die Ovationen des Publikums entgegennahm.

3:2 hatte der "Club" gegen eine Lauterer Mannschaft gewonnen (Spielbericht), die erst nach dem Seitenwechsel und einem 0:2-Rückstand aufdrehte - zu spät um eine Mannschaft noch zu gefährden, die "das Spiel zu 90 Prozent im ersten Durchgang gewonnen" hatte, wie Schöpf zu Recht betonte. "Am Schluss sind uns ein wenig die Kräfte geschwunden und wir standen nicht mehr ganz so kompakt wie in der ersten Hälfte."

Erfolgreiche taktische Umstellung

Tatsächlich hatten die Nürnberger im ersten Durchgang auch dadurch überrascht, dass sie die Lauterer Spieler hoch anliefen und früh deren Spieleröffnung störten. In den Spielen zuvor hatten sich die Franken hingegen bei gegnerischem Ballbesitz weit zurückgezogen. "Diesmal hatten wir mehr Räume für unser Spiel", sagte Schöpf, der im Sommer aus der U23 des FC Bayern nach Nürnberg gewechselt war. "Vielleicht liegt uns das mehr."

Der FCN, der bis dato fünf seiner sieben Saisonspiele verloren hatte und gegen Heidenheim und den KSC jeweils 0:3 untergegangen war, nahm diesmal von Beginn an die Zweikämpfe an, zeigte Laufbereitschaft und den unbedingten Willen das Spiel zu gewinnen. "Die Leidenschaft war heute der Schlüssel zum Erfolg", wusste Trainer Valerien Ismael, der den letztlich erfolgreichen Taktikwechsel angeordnet hatte.

Ismael bedankt sich bei den Fans

25.130 Zuschauer waren an diesem milden Montagabend ins Grundig-Stadion gekommen. Für die meisten Zweitligisten wäre das ein erfreulich hoher Zuspruch. Für den "Club", der bislang über 30.000 Zuschauer im Schnitt hatte, gilt das als schwacher Besuch, zumal bei einem attraktiven Gegner wie dem 1. FC Kaiserslautern.

Als umso tröstlicher empfanden es da die Verantwortlichen, dass der Lärmpegel nach dem Schlusspfiff dennoch beachtlich hoch war. So frustriert viele "Club"-Fans nach der unglückseligen vergangenen Bundesliga-Rückrunde und dem schwachen Saisonstart waren, so begeisterungsfähig sind sie offenbar, wenn sich ihre Mannschaft reinhängt und von Beginn an Siegeswillen ausstrahlt. "Ich kann mich nur bei den Fans bedanken", sagte Ismael nach dem Spiel. "Ihre Unterstützung hat den Jungs Kraft gegeben."

"Eine junge, hungrige Mannschaft formen"

Ismael hat nach den jüngsten Negativerlebnissen in den vergangenen Tagen offenbar alles versucht, um an die verunsicherten Spieler heranzukommen. "Wir haben den Ergebnisdruck rausgenommen und versucht, die Mannschaft zu emotionalisieren." Es scheint, als habe die Vorgabe des sofortigen Wiederaufstiegs die Mannschaft eher gehemmt als motiviert. Da scheint es nur logisch, sich realistischere Nahziele zu setzen. "Wir wollen eine junge, hungrige Mannschaft formen, das allein ist jetzt wichtig", wiederholte der Coach mehrfach.

Ein Opfer der neuen Marschroute ist derweil Raphael Schäfer, der am Montag von Patrick Rakovsky abgelöst wurde. Schäfer, der mit einem Jahr Unterbrechung seit 2000 im "Club"-Tor steht, passt einstweilen offenbar nicht mehr ins Konzept von Ismael, der vor dem Spiel betonte, er werde nur noch Spieler nominieren, die "mitziehen" und sich "emotionalisieren lassen".

Aus Nürnberg berichtet Christoph Ruf