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München - Solch ein Auftakt ist lange her: 1990 startete der SC Freiburg letztmals mit zwei Siegen in eine Saison - Uwe Spies, Charly Schulz oder Andreas Zeyer hießen die Helden von einst. Einer der heutigen Protagonisten war damals erst wenige Monate alt. Die Rede ist von Amir Abrashi, Neuzugang vom Grasshopper-Club Zürich und einer der neuen Typen im Freiburger Team.

"Zwei Spiele, sechs Punkte - das ist das Maximum, das ist top", sagte der 25-Jährige nach dem 1:0-Erfolg beim TSV 1860 München. Die Ausbeute stimmt, doch das eher glückliche Zustandekommen des zweiten Siegs in Folge in der 2. Bundesliga zeigt, dass dem Sport-Club noch ein weiter Weg bis zur ersehnten Rückkehr in die Bundesliga bevorsteht. "Wir werden uns in dieser Woche alles anschauen, was wir falsch gemacht haben", sagte Abrashi.

"Wir waren zu statisch"

Einige Schwachpunkte sprach Trainer Christian Streich bereits unmittelbar nach Spielschluss an. "Wir waren zu statisch und haben die Räume nicht gut genug angelaufen", analysierte der SC-Coach. Dennoch steht sein Team auch nach dem 2. Spieltag an der Tabellenspitze. "Wer glaubt, dass wir jetzt da oben sind und den anderen Mannschaften überlegen sind, der verkennt vollständig die Realität", warnte Streich. "Für uns geht es darum, einen großen Umbruch zu bewältigen, anzukommen und uns jede Woche zu beweisen."

Sechs Stammspieler haben den Verein nach dem Abstieg verlassen, sieben neue Spieler kamen. Einer davon ist Vincenzo Grifo, der in München mit einem Lattenknaller die frühe Führung verpasste. Der 22-Jährige ist beim Sport-Club der neue Mann für die Standards und der Antreiber auf der offensiven Außenbahn. Und der Deutsch-Italiener hat es auf Anhieb in die erste Elf geschafft.

Abrashi ist gut angekommen

Auch Neuzugang Abrashi spielte im defensiven Mittelfeld in beiden Saisonspielen über die vollen 90 Minuten. "Ich bin sehr zufrieden. Ich bin gut angekommen und gut im Spiel. Ich fühle mich sehr wohl", zog der gebürtige Schweizer mit albanischem Pass Bilanz. "In der Mannschaft stimmt es. Es sind gute Typen, die sind alle hungrig." Der Dauerläufer bringt mit seinem kämpferischen Einsatz eine neue Komponente ins Freiburger Spiel ein. In Zürich verlieh ihm das Schweizer Boulevardblatt "Blick" den Spitznamen "Terrier".

Und eine gewisse Bissigkeit wird in dieser Saison verlangt. Nach sechs Jahren Oberhaus ist die 2. Bundesliga für die Freiburger eine Umstellung. "In der zweiten Liga halten die Gegner, gerade was den Kampf angeht, noch mehr dagegen", weiß Mike Frantz. Dennoch wollen sich die Breisgauer treu bleiben. "Es geht darum, dagegenzuhalten, aber die eigene Spielphilosophie nicht zu vernachlässigen", betont Frantz.

Die spielerisch wenig überzeugende Vorstellung in München war im Vergleich zum furiosen 6:3-Auftaktsieg gegen den 1. FC Nürnberg jedoch eher ein Rückschritt. Dennoch konnte Trainer Streich auch einem solchen Auftritt etwas Positives abgewinnen. "Schön fand ich bei meiner Mannschaft, dass sie gelernt hat, es geht nicht über das Spielerische. Wir hatten nicht genug Ideen und kein gutes Passspiel. Aber wir haben gekämpft und sind zusammengeblieben. Und dann war es möglich, so ein Spiel zu gewinnen."

Petersen übernimmt Verantwortung

Matchwinner war einmal mehr Toptorjäger Nils Petersen mit seinem vierten Saisontor. Der 26-Jährige, der sich trotz des Abstiegs für den SC entschied, übernahm beim Elfmeter Verantwortung und unterstrich seine Rolle als Führungsspieler. "Man hat das Gefühl, dass sehr viele charakterstarke Spieler auf dem Platz stehen", sagte Frantz.

Dank dieser neuen Qualitäten bewahrten die Freiburger, die in der Vorsaison allein durch Gegentreffer in der Nachspielzeit zwölf Punkte verspielten, in den brenzligen Phasen der bisherigen beiden Partien einen kühlen Kopf. So gelang ein optimaler Start mit zwei Siegen inklusive Tabellenführung - zugleich ein Zeichen Richtung die Konkurrenz? "Weniger an die Konkurrenz, sondern mehr für uns", entgegnete Frantz. "Es war wichtig, nach dem Abstieg wieder da zu sein. Das haben wir mit den zwei Spielen geschafft, in denen uns viel abverlangt wurde." Und der 28-Jährige ergänzte: "Wir wissen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben."

Verfrühte Euphorie ist also fehl am Platz. Das zeigt auch der Blick in die Vergangenheit: Vor 25 Jahren folgten den zwei Siegen zum Start zwar noch drei weitere, doch am Saisonende landete der Sport-Club in der 2. Bundesliga nur auf Platz 9. Aber mit den neuen Typen im Team ist der SC Freiburg auf einem guten Weg.

Aus München berichtet Maximilian Lotz