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Karlsruhe - Jens Todts Gefühlswelt bewegte sich Montagnacht zwischen "großer Enttäuschung" und "Stolz" auf die Mannschaft. So wie dem Manager des Karlsruher Sport Clubs ging es wohl den meisten KSC-Fans nach dem 0:0 gegen RB Leipzig.

Eine Halbzeit lang brillierte der KSC mit großartigem Fußball und hätte nach 45 Minuten in Führung liegen müssen. Bei mindestens sechs klaren Chancen scheiterten aber Gulde (18.), Gordon (32.), Valentini (39.), Hennings (45.) und zwei Mal Yamada (45+1; 45+2) aber entweder am überragenden Leipziger Torwart Fabio Coltorti oder am eigenen Unvermögen. Besonders nach der Roten Karte von Leipzigs Abwehrspieler Marvin Compper nach einer Notbremse gegen Yamada (38.) spielten die Karlsruher RB bis zur Pause an die Wand - allerdings ohne Torerfolg.

"Riesiges Tempo, tolle Zweikämpfe"

Ohne einen Treffer tat sich der KSC dann in der zweiten Hälfte gegen defensiv viel besser organisierte Gäste lange viel schwerer, bevor in der Schlussphase der eingewechselte Micanski (80.) und wieder Hennings (90.+1) frei vor und an Coltorti scheiterten. Allerdings bewahrte KSC-Keeper Dirk Orlishausen die Badener mit einer starken Parade auch vor einem unverdienten K.o., als er den Ball nach einem Schuss von Emil Forsberg aus 15 Metern klasse hielt (86.). In der ersten Halbzeit habe er die beste Leistung des KSC in dieser Saison gesehen, schwärmte Todt: „Riesiger Einsatz, riesiges Tempo, tolle Zweikämpfe – es war alles dabei, nur keine Tore.“

"Müssen das Ding irgendwie reindrücken"

Den Sieg trotz einer über zwei Drittel des Spiels herausragenden Leistung nicht geschafft zu haben, nährte natürlich die Enttäuschung Todts. Wieder einmal belohnte sich der KSC wegen mangelnder Chancenauswertung nicht für eine starke Leistung und verpasste deshalb den Sprung auf Aufstiegsplatz zwei. „Sehr ärgerlich sei das Ergebnis“, klagte denn auch Rouwen Hennings: „Wir müssen das Ding halt irgendwie vorne reindrücken“, haderte der Stürmer. Aber ihm gebe Hoffnung, dass man überhaupt so viele Chancen habe: Irgendwann werde der Knoten platzen, ist sich Hennings sicher.

Der Ärger über die verpasste Chance in der Tabelle aufzusteigen und die verpassten Möglichkeiten im Spiel war zwar groß beim KSC, aber Todt erkannte im Vergleich zur 1:3-Hinspielpleite vor sechs Monaten gegen den gleichen Gegner auch eine „klare positive Entwicklung“.

In fünf Spielen nie mehr als ein Tor

Und dennoch: Die mangelnde Chancenverwertung ist der Hauptgrund, warum der KSC im Kalenderjahr 2015 noch kein Heimspiel gewinnen konnte: Rouwen Hennings monierte, gegen Bochum und Leipzig (Endstand jeweils 0:0) habe man kein Tor geschossen und gegen Düsseldorf (1:1) eines zu wenig. Es ist eine Tatsache, dass der KSC trotz einer erneuten spielerischen Steigerung in 2015 in fünf Begegnungen nie mehr als ein Tor erzielen konnte. „Es gehört eben auch dazu, dass man die Chancen besser nutzt“, betonte KSC-Trainer Markus Kauczinski. Und dennoch wollte der Trainer nicht „groß hadern“.

Die Entwicklung der Mannschaft unter diesem Trainer hat noch einmal Fahrt aufgenommen und Kauczinski konnte nach der starken Leistung gegen RB Leipzig zu Recht erklären: „Man hat gesehen, dass man mit uns rechnen muss.“ Gelingt es der Mannschaft künftig aus ihren Chancen Kapital zu schlagen, dann wird der KSC bis zum Saisonende um den Aufstieg spielen. Dabei könnte eine bessere Torausbaute schon in den nächsten beiden Wochen helfen: Es stehen die beiden Spitzenspiele beim Tabellenersten FC Ingolstadt und zuhause gegen den Dritten aus Kaiserslautern an.

Aus Karlsruhe berichtet Tobias Schächter