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Karlsruhe - Dank einer Leistungssteigerung im zweiten Durchgang rettet RB Leipzig einen Punkt in Karlsruhe. Derweil äußert sich Sportdirektor Ralf Rangnick deutlich zu den vermeintlichen Aufstiegsambitionen seiner Elf.

Pure Erleichterung sprach aus den Gesichtern der Leipziger Spieler, als sie nach dem Abpfiff in die Kabine gingen: Sie hatten zu zehnt den starken Karlsruhern Stand gehalten und sowohl  den Platzverweis für Marvin Compper (37.) also auch eine ganze Reihe von Karlsruher Großchancen schadlos überstanden.

Allein im ersten Durchgang hatten die Badner sieben, acht allerbeste Gelegenheiten, um den Platz als Sieger zu verlassen.
Wenn es anders kam, lag das an der fehlenden Cleverness vor dem Tor - aber eben auch an Fabio Coltorti. Der Leipziger Schlussmann vereitelte eine Karlsruher Großchance nach der nächsten, war im Strafraum und auf der Linie gleichermaßen souverän und hielt in der dritten Minute der Nachspielzeit das Remis endgültig fest, als er zuerst gegen Ilian Micanski und dann gegen Rouven Hennings zur Stelle war.

"Müssen uns bei Fabio bedanken"

"Wir müssen uns heute bei Fabio bedanken", sagte Mittelfeldspieler Dominik Kaiser. "Er hat uns im Spiel gehalten, weil er heute mehr als einen Unhaltbaren gehalten hat." Auch ansonsten war der ehemalige Hoffenheimer guter Dinge: "Aufgrund des Spielverlaufs müssen wir mit dem einen Punkt zufrieden sein - auch wenn wir uns vor dem Spiel eigentlich einen Dreier vorgenommen hatten."

Auch Kaisers Trainer präsentierte sich gut gelaunt auf der Pressekonferenz. Hatte Achim Beierlorzer ("Der Platzverweis erfolgte zurecht, das hat jeder gesehen") seinem Abwehrchef Marvin Compper noch recht deutlich zu verstehen gegeben, was er von dessen Notbremse (37.) hielt, war er nach dem Spiel erleichtert, dass er letztlich ohne Folgen blieb: "Das war ein recht emotionales, sehr kampfbetontes Spiel", bilanzierte der gebürtige Franke. "Der KSC hat hervorragend gespielt, er hatte auch die größeren Chancen. Aber aufgrund der kämpferischen Leistung war das dennoch ein verdienter Punktgewinn für uns."

Taktische Umstellung greift

Mit dem Platzverweis war auch die taktische Marschroute der Sachsen über den Haufen geworfen. Nach der Pause agierte RB deshalb mit einem 4-4-1-System - mit dem eingewechselten Yussuf Poulsen als einziger Spitze. Und siehe da: Während man im ersten Durchgang dem Karlsruher Angriffsschwung doch recht machtlos gegenüberstand, konnte RB die Partie nun offener gestalten. Was nicht nur Sportdirektor Ralf Rangnick wunderte: "Warum das so war, müssen wir aufarbeiten. In der ersten Halbzeit waren wir zu sehr auf Kunststückchen aus. Es ist ja nicht zwangsläufig logisch, dass man zu zehnt besser spielt als zu elft und mehr Ordnung im Spiel hat."

Aufstieg intern kein Thema

Was die weiteren Ambitionen angeht, äußerte sich Rangnick klar und deutlich: "Es geht nur um Weiterentwicklung, das habe ich schon immer gesagt. Ich kann ihnen noch mal sagen: Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass wir aufsteigen und ich halte es auch nicht glücklich darüber zu spekulieren." Priorität hätten nun sowieso die kommenden Partien: "Es wäre doch schön, wenn wir gegen Düsseldorf mal zwei gute Halbzeiten hinbekommen." Das interessiere ihn derzeit weit mehr als irgendwelche Rechenspiele: "Sie können sich ja ausrechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass man in zehn Spielen neun Mal gewinnt..."

Aus Karlsruhe berichtet Christoph Ruf