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Köln - Auch nach 28 Spieltagen steht der SV Darmstadt 98 als Underdog immer noch in den Top 3 der 2. Bundesliga. Die Lilien spielen eine überragende Saison, die sie sogar mit dem Aufstieg in die Bundesliga krönen können. Der Aufsteiger hat es selbst in der Hand. Bevor es zu den direkten Duellen gegen Leipzig, Kaiserslautern und Karlsruhe kommt, muss Darmstadt aber erst einmal den Mitaufsteiger aus Heidenheim aus dem Weg räumen. Vor dem ersten von sechs Endspielen spricht Darmstadts Mittelfeldstratege Marcel Heller im Interview mit bundesliga.de über die Ziele der Hessen.

bundesliga.de: Marcel Heller, mit welchen Gefühlen gucken Sie sich sechs Spieltage vor Saisonende die Tabelle an?

Marcel Heller: Mit positiven Gefühlen. Wir haben als Aufsteiger bis jetzt eine sehr gute Saison gespielt. Wir sind immer noch oben mit dabei. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man die Platzierung sieht.

bundesliga.de: Darmstadt 98 steht aktuell auf Platz 3. Das würde am Ende der Saison zwei Relegationsspiele gegen den Drittletzten der Bundesliga bedeuten.

Heller: Wir aber noch sechs schwere Spiele vor der Brust und spielen dabei auch noch gegen drei Mannschaften, die unmittelbar vor oder hinter uns stehen. Diese Mannschaften wollen unbedingt aufsteigen. Wir hatten nicht das Ziel aufzusteigen. Wir versuchen, die anderen größeren Teams zu ärgern, wollen uns nicht geschlagen geben und die Spiele positiv gestalten.

bundesliga.de: Die Konkurrenten haben aber auch mehr Druck als die Lilien.

Heller: Das kann schon so sein, weil sie aufsteigen müssen oder wollen. Aber wenn man von den finanziellen Mitteln oder den Kadern ausgeht, sind die Konkurrenten deutlich besser ausgestattet und besetzt. Es werden keine leichten Aufgaben. Wir müssen alles raushauen, um überhaupt bestehen zu können.

"Am Ende stehen wir auf dem Platz, auf den wir gehören"

bundesliga.de: Die Tabelle hat nach 28 Spieltagen aber schon Aussagekraft. Darmstadt hat erst drei Spiele verloren, über die ganze Saison konstant und ohne Einbruch gepunktet, mit 20 die wenigsten Gegentreffer der 2. Bundesliga kassiert. Es gibt also auch einige Argumente, die für Darmstadt sprechen.

Heller: Natürlich gibt es in den Statistiken Argumente, die für uns sprechen. Aber wir wissen, woher wir kommen. Wir sind gerade erst in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Unser Ziel war der Klassenerhalt, den haben wir geschafft. Was jetzt noch peu à peu dazukommt, nehmen wir gerne mit. Und am Ende der Saison stehen wir dann auch auf dem Platz, auf den wir hingehören.

bundesliga.de: Haben Sie in der Mannschaft auch ein bisschen das Gefühl, dass Sie jetzt eine einmalige Chance haben, die vielleicht nie wieder kommt?

Heller: Die Chance ist natürlich da, wenn man sechs Spieltage vor Ende auf Platz drei steht. Ob man die nochmal bekommt, weiß ich nicht. Aber wir verschwenden dennoch keinen Gedanken an den Aufstieg.

bundesliga.de: Kaum zu glauben ...

Heller: Doch, das ist wirklich so. Wir denken nur von Spiel zu Spiel und wollen noch so viele Punkte wie möglich holen.

bundesliga.de: Darmstadt hat ja wie man so schön sagt, alles in der eigenen Hand. Sie spielen noch u.a. gegen die Konkurrenten aus Leipzig (auswärts) und vor allem gegen Kaiserslautern daheim und in Karlsruhe. Darmstadt ist nicht auf die Hilfe anderer Vereine angewiesen.

Heller: Wir haben erst einmal Heidenheim vor der Brust. Das Spiel wird schwer genug. Die werden uns auch nicht die Punkte schenken und wollen bei uns etwas holen. Auf dieses Spiel müssen wir uns jetzt fokussieren, erst danach kommen die anderen Partien.

"Der Trainer ist sogar etwas lockerer"

bundesliga.de: Wie erleben Sie den Trainer Dirk Schuster in den letzten Wochen? Sind seine Teamansprachen wie immer oder ist er etwas angespannter?

Heller: Der Trainer verhält sich ganz normal, wie vorher auch. Er ist sogar etwas lockerer, weil wir den Klassenerhalt schon so früh geschafft haben. Das war unser großes Ziel. Das haben wir erreicht. Auch als Mannschaft sind wir lockerer, aber das heißt ganz und gar nicht, dass wir in den letzten Spielen Punkte verschenken werden. Wir sind voll motiviert.

bundesliga.de: Müssen Sie die Fans etwas bremsen oder ist Träumen erlaubt?

Heller: Die Fans dürfen natürlich  träumen. Das ist ja nicht verboten. So lange wir in der Mannschaft nicht träumen, ist alles in Ordnung.

bundesliga.de: Sie selbst haben schon für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga gespielt. Ist das noch Ihr großes Ziel, dort noch einmal aufzulaufen?

Heller: Selbstverständlich. Wenn ich das Ziel nicht mehr hätte und mit dem jetzigen Status für immer zufrieden wäre, dann bräuchte ich keinen Fußball mehr spielen. Jeder Spieler hat das Ziel, in der Bundesliga zu spielen. Ich natürlich auch.

"Heidenheim wird uns nichts schenken"

bundesliga.de: Sie wurden in Frechen vor den Toren Kölns geboren. War der FC nie ein Thema für Sie?

Heller: Ich habe mal in der Jugend ein Jahr dort gespielt. Aber dann wollte ich lieber mit meinen Freunden in Quadrath-Ichendorf kicken. Als ich bei der Eintracht Profi war, gab es später noch einmal Kontakt. Aber das hat sich zerschlagen.

bundesliga.de: Am Sonntag empfängt Darmstadt nun den 1. FC Heidenheim, der im letzten Jahr souverän aufgestiegen ist und besser war als Ihr Team. Inzwischen hat die Mannschaft in der Rückrunde viele Spiele verloren und ist in der Tabelle abgerutscht. Wie schwer wird die Aufgabe?

Heller: Heidenheim hat nicht nur letztes Jahr souverän den Aufstieg geschafft, sondern auch eine gute Hinrunde gespielt. Jetzt sind sie ein bisschen ins Straucheln gekommen. Sie brauchen sicher noch ein, zwei Siege zum Klassenerhalt. Sie werden uns nicht schenken. Wir müssen alles auf den Platz werfen und versuchen, das Spiel zu gewinnen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski