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Sandhausen - Manuel Stiefler hat in dieser Saison schon ein Tor mehr geschossen als in seiner ersten für den SV Sandhausen: nämlich 2. Im Interview mit bundesliga.de erklärt der Mittelfeldspieler, wie es sich anfühlt, außergewöhnliche Tore zu schießen, warum der SV Sandhausen einen Lauf hat und warum er sich im vergangenen Sommer einer Stammzellenoperation unterzogen hat, um einem an Leukämie erkrankten Menschen zu helfen.

bundesliga.de: Herr Stiefler, der SV Sandhausen spielt so erfolgreich wie noch nie seit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga im Sommer 2012: Fünf Spiele ohne Niederlage bedeuten Clubrekord.

Manuel Stiefler: Dass das Clubrekord ist, war uns nicht so wichtig. Es macht natürlich immer mehr Spaß, wenn man gewinnt, die Stimmung ist schon ziemlich gut im Moment. Wir haben jetzt vor allem mit den zwei Siegen gegen den VfR Aalen und bei 1860 München Riesenschritte gemacht.

"Wir haben richtig gute Charaktere im Team"

bundesliga.de: Immer wenn’s drauf ankommt, holt der SV Sandhausen die wichtigen Punkte gegen den Abstieg, das war in der vergangenen Saison auch schon so. Woran liegt das?

Stiefler: Ich muss die Mannschaft da richtig loben. Wir haben richtig gute Charaktere in der Mannschaft, die sich immer den Arsch aufreißen, das zeichnet diese Mannschaft insgesamt aus. Das erste Spiel nach der Winterpause gegen den FC St. Pauli lief nicht gut zuhause, da waren wir nervös, da hatten wir Glück, noch einen Punkt mitzunehmen. Aber danach waren wir immer auf den Punkt da, das war in der vergangenen Saison auch schon so.

bundesliga.de: Welchen Anteil hat Trainer Alois Schwartz an dieser Entwicklung?

Stiefler: Er stellt das Team immer top ein, und die Mannschaft setzt das super um. Wir haben hier in Sandhausen keine Stars, sondern Spieler, die auch in der kommenden Saison unbedingt noch 2. Bundesliga spielen wollen. Das ist die Motivation hier, das hat man in den jüngsten Spielen gemerkt.

"Wir waren alle nicht zufrieden mit der Vorrunde"

bundesliga.de: Habt ihr euch in der Winterpause noch einmal besonders motiviert, um die Wichtigkeit des Starts zu betonen?

Stiefler: Wir waren alle nicht so zufrieden mit der Vorrunde, wir haben einige Punkte liegen lassen und nur vier Punkte Abstand zur Abstiegszone gehabt. Uns war klar, dass wir uns steigern müssen, und dass viel von einem guten Start abhängt. In der Vorbereitung haben wir versucht, uns im Spiel nach vorne zu verbessern. Die Vorbereitung war gut, dann kam der Rückschlag gegen St. Pauli, und wir waren alle sehr enttäuscht. Aber dann haben wir noch konzentrierter gearbeitet, und der 3:1-Auswärtssieg in Ingolstadt beim Tabellenführer war dann sehr wichtig fürs Selbstvertrauen.

bundesliga.de: Und wie geht’s nach der Erfolgsserie weiter? Wenn ihr in der Bundesliga spielen würdet, würden die Kommentatoren fragen: Schielt ihr schon auf die Europapokalplätze?

Stiefler:(lacht) Ne, ne, 31 Punkte reichen trotzdem noch nicht, um die Klasse zu halten. Wir haben einen Riesenschritt gemacht, mehr aber auch nicht. Wir wollen die Punkte, die wir noch brauchen, so schnell wie möglich holen. Für den SV Sandhausen wäre das eine super Sache, wenn wir frühzeitig die Klasse halten könnten. Ich bin aber guter Dinge, dass wir das schaffen.

"Das war kein alltägliches Tor"

bundesliga.de: Auch bei Ihnen persönlich läuft es gut. Sie haben beim 3:2 in München ein wunderschönes Flugkopfballtor aus 14 Metern geköpft. War das Anfang März bereits das Tor des Monats?

Stiefler: (lacht) Mittlerweile hoffe ich schon, dass ich damit in die Auswahl komme. Es werden bestimmt noch ein paar schöne Tore fallen in diesem Monat. Aber das war kein alltägliches Tor, deswegen hoffe ich, dass ich schon eine Chance habe.

bundesliga.de: Sie spielen nicht mehr auf der Außenbahn, sondern im zentralen Mittelfeld hinter den Spitzen. Haben Sie sich vorgenommen, auf dieser Position mehr Tore zu schießen?

Stiefler: Ja, klar, das habe ich mir auch schon vergangenes Jahr vorgenommen. Ich habe in der Jugend immer in der Mitte gespielt, das liegt mir, dort kommt man auch häufiger zum Abschluss. Der Trainer weiß, dass ich das spielen kann. Ich bin dabei, noch mehr an mir zu arbeiten, damit ich noch torgefährlicher werde. Es war aber vergangene Saison auch so, dass wir aufgrund unserer Spielweise nicht in jedem Spiel zehn Torchancen gehabt hätten.

"In Sandhausen hat sich viel getan"

bundesliga.de: Der SV Sandhausen ist ein richtiger Dorfverein. Ist es besonders spannend, bei einem Club zu spielen, der gerade wächst und neue Strukturen aufbauen muss?

Stiefler: Ja, das ist schon speziell. Ich habe mit dem 1. FC Saarbrücken in der 3. Liga in Sandhausen gespielt, da stand hier eine Tribüne und massig Wald außenherum. Seither hat sich wahnsinnig viel getan, am Stadion und von den Trainingsmöglichkeiten her. Aber es braucht natürlich ein bisschen länger als bei einem großen Verein, oder bei einem Club, hinter dem ein großer Geldgeber steht. Es muss ja nicht immer alles perfekt sein, ich bin deshalb schon manchmal ein bisschen stolz, wenn man sieht, was hier geht, im Vergleich zu Clubs mit viel höheren Etats. Der Verein ist auf einem guten Weg. Das Wichtigste ist, dass die Mannschaft die 2. Bundesliga hält, dann kann der Club weiter wachsen.

bundesliga.de: In Saarbrücken haben Sie angefangen, Sportmanagement zu studieren neben dem Fußball. Machen Sie das immer noch?

Stiefler: Ich muss zugeben, das liegt ein bisschen auf Eis derzeit. Ich will aber in den nächsten Jahren wieder verstärkt einsteigen. Man muss schon vorsorgen für die Zeit nach dem Fußball.

"Ich hoffe, ich konnte dem Menschen helfen"

bundesliga.de: Sie haben im vergangenen Sommer Stammzellen für einen an Leukämie erkrankten Menschen gespendet. Wie ist es dazu gekommen?

Stiefler: Zu meiner Zeit in Saarbrücken ist ein Spieler des SV Elversberg an Leukämie erkrankt. Deshalb kam die Stefan-Morsch-Stiftung auf uns Spieler in Saarbrücken zu, danach haben wir uns alle in deren Datei registrieren lassen. Anfang März 2014 kam dann ein Anruf, dass mein Profil mit einem Erkrankten übereinstimmt.

bundesliga.de: Wie ging’s dann weiter?

Stiefler: Ich habe dann im Juni in Birkenfeld in der Pfalz diese Spende gemacht. Der Zeitpunkt war ganz gut in der Sommerpause, weil man sich danach doch ein paar Tage schlapp fühlt. Für mich war es keine Frage, wenn ich damit ein Leben retten kann, zu helfen. Ich musste das alles mit dem Mannschaftsarzt abstimmen, damit ich keine Probleme zum Beispiel wegen Doping bekomme – denn fünf Tage vor der Spende bekommt man Spritzen, die suggerieren, man sei krank, damit der Körper Stammzellen produziert. Ich war dann zwei Tage in Birkenfeld. Ich hoffe, dass meine Spende geholfen hat.

bundesliga.de: Das heißt, der Spender weiß nicht, für wen er spendet?

Stiefler: Nein, aber nach ungefähr einem halben Jahr kann man dann fragen, wer der Empfänger ist und wie es ihm geht. Ich weiß nur, dass die Spende nach Tschechien gegangen ist. Das werde ich demnächst auch machen und hoffe, dass ich dem Menschen helfen konnte.

Das Interview führte Tobias Schächter