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Duisburg/München - Vom Pokalfinalisten zum Abstiegskandidaten: Der MSV Duisburg hat eine bittere Entwicklung hinter sich. Für den Traditionsclub geht es zehn Spieltage vor Saisonenende ums Überleben in der 2. Bundesliga. Ein Punkt beträgt der Rückstand auf Platz 15. Mittelfeldspieler Daniel Brosinski glaubt dennoch an die Wende.

Im bundesliga.de-Interview spricht der Mittelfeldspieler der "Zebras" über die prekäre Situation, das Duell mit Union Berlin am Freitagabend und Spaßübungen im Abstiegskampf.

bundesliga.de: Herr Brosinski, Sie warten mit dem MSV 2012 noch immer auf den ersten Sieg. Wie ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft?

Daniel Brosinski: Natürlich angespannt. Wir sind aber nicht verkrampft oder haben Angst vor der Situation. Wir wissen, was uns in den nächsten Wochen erwartet. Gegen Fürth haben wir zumindest ansatzweise gezeigt, dass wir die Situation angenommen haben. Jetzt geht es nur noch über den Kampf, das Spielerische ist zweitrangig. Kratzen, beißen, kämpfen ist das Motto.

bundesliga.de: Überwintert hat Duisburg auf dem 12. Rang, mit dem Abstieg wollte der Verein eigentlich nichts zu tun haben. Wie erklären Sie sich den Absturz auf den Relegationsplatz?

Brosinski: Das zu erklären ist schwierig. Die einen sagen, wir treffen das Tor nicht. Die anderen meinen, in der Defensive passt es nicht. Meiner Meinung nach gibt in allen Bereichen in der Rückrunde Probleme. Vorne erzielen wir keine Tore, hinten leisten wir uns Fehler, im Mittelfeld verlieren wir die entscheidenden Zweikämpfe.

bundesliga.de: Sie kamen bis auf eine Ausnahme in jedem Ligaspiel zum Einsatz, wurden aber auch häufig ausgewechselt. Wie beurteilen Sie Ihren persönlichen Saisonverlauf?

Brosinski: Anfangs unter Milan Sasic hatte ich meine Probleme. Das eine Spiel hätte ich auch noch gemacht, wenn ich damals keine Denkpause vom Coach bekommen hätte. Dass ich fast alle Spiele gemacht habe, damit bin ich zufrieden. Mit meinem Spiel an sich nicht ganz.

bundesliga.de: In welchen Bereichen sehen Sie noch Luft nach oben?

Brosinski: Zum Ende der Hinrunde habe ich gezeigt, was ich kann. Jetzt in der Rückrunde habe ich doch manchmal mit mir selbst gehadert - beispielsweise nach dem Spiel gegen Frankfurt, in dem ich eine hundertprozentige Möglichkeit liegengelassen habe. Gegen Fürth lief es aber schon wieder besser und ich hoffe, dass meine Formkurve in den kommenden Wochen weiter ansteigt.

bundesliga.de: In der vergangenen Woche hat die Mannschaft ein Kurz-Trainingslager bezogen - ohne Erfolg. Zu welchen Maßnahmen greift Trainer Oliver Reck sonst in diesen Tagen?

Brosinski: Er führt viele Einzelgespräche, macht Spaßübungen, um die Stimmung aufzulockern. Das hilft. Wir als Mannschaft wissen aber, dass wir in der Pflicht stehen - nicht nur das Trainerteam.

bundesliga.de: Was müssen Sie und Ihre Kollegen konkret ändern?

Brosinski: Wir müssen uns als Team festigen und wieder auftreten wie am Ende der Hinrunde. Alle müssen noch mal enger zusammenrücken, damit wir wieder Konstanz reinbringen.

bundesliga.de: Am Freitag gastieren Sie bei Union Berlin, wie lautet die Vorgabe gegen die Hauptstädter?

Brosinski: Das wird schwerer als gegen Fürth. Aber wenn wir so energisch und kämpferisch wie gegen die Spielvereinigung auftreten, dann bin ich zuversichtlich, dass wir etwas holen - und das ist in unserer Situation Pflicht.

bundesliga.de: Abschließend bitte Ihre Einschätzung: Warum schafft der MSV trotz der aktuellen Talfahrt den Klassenerhalt?

Brosinski: Weil wir viel Qualität in der Mannschaft haben - und das werden wir an den kommenden zehn Spieltagen auch zeigen. Und weil wir ein tolles Publikum im Rücken haben.

Das Gespräch führte Andreas Messmer