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Hansa Rostock hat die Notbremse gezogen. Nach fünf sieglosen Spielen in Folge und einem Absturz auf Platz 14 trennte sich der Verein von Frank Pagelsdorf. Jetzt soll Dieter Eilts die "Hansa-Kogge" wieder in ruhigere Gewässer führen.

Zwar ging auch das Debüt des ehemaligen U-21-Nationaltrainers unglücklich verloren, doch an der Ostsee keimt neue Hoffnung. "Man hat gesehen, dass wir bereits auf einem guten Weg sind", erklärt Enrico Kern im Gespräch mit bundesliga.de.

Der Stürmer ist einer der erfahreneren Spieler im Kader der Rostocker und hat in seiner Karriere bereits viele Höhen und Tiefen erlebt. Im Interview spricht er über den neuen Trainer, dessen Debüt, das Potenzial der Hanseaten und die erhoffte Trendwende.

bundesliga.de: Herr Kern, das Debüt unter dem neuen Trainer Dieter Eilts ging unglücklich mit 0:1 verloren. Gab es dennoch Dinge, die Ihnen am Auftreten Ihrer Mannschaft gefallen haben. Dinge, die vielleicht vorher noch nicht funktioniert haben?

Enrico Kern: In der kurzen Zeit, in der der Trainer bei uns war, hat er versucht, mit jedem einzelnen Spieler zu reden und uns wieder Spaß am Fußball einzuhauchen. Ich denke, dass wir besser aufgetreten sind als in den Spielen zuvor. Wir haben relativ gut nach vorn gespielt und uns Chancen erarbeitet. Auf der anderen Seite haben wir aber auch die eine oder andere Möglichkeit von 1860 zugelassen. Zu Beginn der 2. Halbzeit hätten wir ein Tor machen müssen und verlieren dann das Spiel durch einen Sonntagsschuss. Aber das sind halt die Dinge, die passieren, wenn man da unten drin steht. Wir müssen weiter hart arbeiten, um uns das Glück zurückzuholen, solch ein Spiel auch einmal zu gewinnen.

bundesliga.de: Sie selbst sind Stürmer. Auch wenn der Treffer den Unterschied machte, war das Tor von Benjamin Lauth ein Traumtor?

Kern: Solch ein Treffer kommt unter Garantie nicht alle Tage vor, zeigt aber auch das Können und die Fähigkeiten eines Stürmers. Für uns war das jedoch ein kleiner Genickschlag.

bundesliga.de: Wie ist Ihr erster Eindruck vom neuen Trainer?

Kern: Ich denke, dass wir in unserer Situation genau einen Trainer wie Dieter Eilts brauchen. Er hat selbst jahrelang gespielt, national wie international, und er hat erfolgreich als DFB-Trainer gearbeitet. Jetzt geht es darum, wieder in die Erfolgsspur zu gelangen. Das ist sicherlich keine leichte Situation - weder für den Trainer noch für die Mannschaft. Doch wir kommen nur gemeinsam aus der Misere raus. Im ersten Spiel unter Eilts Leitung hat man gesehen, dass wir auf einem guten Weg sind.

bundesliga.de: Nach dem historischen 9:0-Sieg gegen Koblenz erzielte Hansa nur noch drei Tore in sechs Spielen. Sicher hat Hansa nicht das komplette Pulver gegen die TuS verschossen, aber woran haperte es in den vergangenen Wochen?

Kern: Da kommen viele Dinge zusammen. Wenn wir überhaupt mal Chancen hatten, dann haben wir daraus einfach zu wenig Tore gemacht. Auf der anderen Seite haben wir zuletzt mehr Tore als nötig zugelassen. Jeder in der Mannschaft ruft sein Potenzial nicht vollständig ab. Da fängt man dann an zu zweifeln und vergisst, sich auf seine eigenen Stärken zu besinnen. Wir haben mehrmals bewiesen, welches Potenzial in uns steckt. Doch es mangelt an der Konstanz. Wir müssen konsequenter und willensstärker auftreten.

bundesliga.de: Rostock ist solide in die Saison gestartet, doch so richtig konnte der Schalter nie umgelegt werden. Worin sehen Sie die Ursache dafür?

Kern: Die Erwartungen - auch bei uns - waren ziemlich hoch. Das ausgegebene Saisonziel war der sofortige Wiederaufstieg. Das ist als Absteiger nicht ungewöhnlich. Doch viele haben das als Selbstläufer angesehen. Wir sind zudem eine ziemlich junge Mannschaft. In der Abwehr konnten wir dazu feste Größen wie Tim Sebastian und Marc Stein nicht halten. Somit hatte sich die Mannschaft zu Saisonbeginn auch noch nicht so richtig gefunden. Deshalb war das manchmal eine Berg- und Talfahrt. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir bis zur Winterpause noch eine kleine Serie starten.

bundesliga.de: Es ist ja auch immer die Rede von der stärksten 2. Bundesliga aller Zeiten. Hat Rostock die Konkurrenz vielleicht ein wenig unterschätzt?

Kern: Wir sind von unserer eigenen Stärke und unserem eigenen Potenzial ausgegangen und waren sicher: Wir gehören oben dazu und wir wollen wieder aufsteigen. Also unterschätzt haben wir die Konkurrenz keineswegs. Momentan läuft es sicher nicht gut, doch das kann auch wieder anders aussehen. In der 2. Bundesliga kann jeder jeden schlagen. Und daran müssen wir glauben. Es ist egal, ob der Erste beim Sechzehnten oder der Achtzehnte beim Fünften spielt, jeder gewinnt mal gegen einen Favoriten oder lässt überraschend Punkte liegen. Wir müssen jetzt die restlichen drei Spiele bis zur Winterpause nutzen, um uns aus der unteren Tabellenregion zu entfernen.

bundesliga.de: Auswärts hat Rostock noch nicht gewonnen in dieser Saison. Nun geht es zum FC Augsburg und anschließend nach Nürnberg. Was kann Hansa auf dieser Bayern-Reise und bis zur Winterpause noch erreichen?

Kern: Unsere ganze Konzentration gilt momentan der Vorbereitung auf das Spiel in Augsburg. Die Mannschaft braucht so schnell wie möglich ein Erfolgserlebnis. Das wollen wir uns am kommenden Sonntag holen.

Das Gespräch führte Sven Becker