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Keine Punkte, keine Torchancen, aber auch keine Zweifel - noch auf dem Rasen schwor sich der FC St. Pauli nach dem bitteren 0:1 (0:0) beim Verfolger Fortuna Düsseldorf auf sein "Aufstiegs-Endspiel" in der 2. Bundesliga ein.

"Schaut auf die Tabelle! Wie wir spielen, ist fantastisch! Jetzt kommt Augsburg, da gilt es", sagte ein sichtlich angefressener Torhüter Mathias Hain: "Das würde mich in das tiefste Tal stürzen, wenn diese unglaubliche Mannschaft nächstes Jahr nicht in der Bundesliga spielen würde."

"Wir sind nicht Bayern München"

Und wer sich in den Katakomben der Düsseldorfer ESPRIT arena erdreistete, von einem Rückschlag zu sprechen, bekam die Leviten gelesen. "Wir sind nicht das Bayern München der 2. Bundesliga. Niemand erwartet, dass wir jedes Spiel dominieren", sagte Sportchef Helmut Schulte. Hain legte nach: "Abgerechnet wird am Ende. Und da stehen wir oben."

Doch am Montagabend bewiesen allein die 7.000 mitgereisten Anhänger Bundesliga-Reife. St. Pauli brachte sich unnötig in Zugzwang und machte die Fortuna stark. Der zweimalige DFB-Pokal-Sieger hat nur noch fünf Punkte Rückstand auf Augsburg und bläst zur großen Aufholjagd. "Man sollte uns definitiv nicht abschreiben. Letztes Jahr waren wir auch schon mausetot - und sind noch aufgestiegen", sagte Mittelfeldspieler Marco Christ.

Angriffslustige Fortunen

Auch Trainer Norbert Meier glaubt wieder an den zweiten Durchmarsch nach dem letzten Bundesliga-Aufstieg 1995. "Das ist eine wunderbare Geschichte. Es gibt den Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans. Wir können in dieser Saison ja nur gewinnen", sagte er. Noch forscher waren seine Spieler: "Ein Sieg in Cottbus ist jetzt Pflicht, sonst war der Sieg umsonst. Wenn wir jetzt gewinnen, sind wir sowas von im Rennen...", sagte Kapitän Andreas Lambertz.

Die Chancen sind vor allem dank der Heimstärke gestiegen. Fortuna ist weiterhin der einzige Club im deutschen Profifußball ohne Heimniederlage in dieser Saison. Michael Ratajczak hat seit 658 Minuten kein Gegentor in der heimischen Arena kassiert.

"Haben alles in der eigenen Hand"

Und was Abwehrchef Jens Langeneke für das Cottbus-Spiel forderte ("Irgendwie gewinnen, auch dreckig"), gilt am kommenden Montag auch für St. Pauli. Ein Sieg gegen Augsburg, und der Kiezclub wäre vier Punkte vor Platz 3. Eine Niederlage, und selbst die Relegation geriete in Gefahr. "Wir haben weiter alles in der eigenen Hand", sagte Schulte: "Das wird ein wunderbares Spiel."

Zweifel an der Leistungsfähigkeit sind tabu. "Du darfst einfach nicht wackeln", sagte Stanislawski: "Wir freuen uns auf dieses Spiel am ausverkauften Millerntor."

Dort, fordert der Trainer, dürfen sich die Piraten mit der Totenkopf-Flagge nicht so einfach den Wind aus den Segeln nehmen lassen. "Das war schade und ärgerlich. Wir haben uns mit einfachen Mitteln knacken lassen. Das müssen wir unbedingt verhindern."