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Kaiserslautern - Achim Beierlorzer nannte das 1:1 zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und seinem RB Leipzig "einen Fight" und ein "überragendes Zweitligaspiel". Doch das ändert nichts daran, dass das Ergebnis für die Leipziger im Aufstiegsrennen unbefriedigend ist und die Mannschaft ihr Ziel verfehlt hat, dem saisonübergreifend seit 23 Spielen zuhause ungeschlagenen FCK die erste Heimniederlage der Saison beizubringen.

RB liegt als Fünfter der Tabelle fünf Spieltage vor Ende der Saison nun fünf Punkte hinter dem Vierten Karlsruhe, sechs hinter Darmstadt auf Relegationsplatz 3 und sieben hinter dem FCK auf Rang zwei – Ingolstadt thront mit 58 Zählern als Tabellenführer wiederum sieben Punkte vor den Pfälzern und dürfte sich den Aufstieg nicht mehr nehmen lassen. Keine Frage, beim Blick auf die Tabelle war die Enttäuschung dann doch da für die Leipziger, Kapitän Dominik Kaiser sagte: "Leider müssen wir mit diesem Punkt leben."

Hoffen auf die Minimalchance

Die Leipziger hoffen dennoch dank ihre zuletzt gezeigten Konstanz und dem Achtungserfolg in diesem Kampfspiel auf dem Betzenberg auf ihre Minimalchance im Aufstiegsrennen. Mit einem Sieg am kommenden Wochenende gegen Konkurrent Darmstadt, der noch gegen Lautern und Karlsruhe spielt, wollen die Leipziger eine Siegesserie im Saisonfinale starten. Gegen Darmstadt muss Trainer Beierlorzer aber auf den in Lautern starken Schweden Emil Forsberg verzichten, der kurz vor dem Abpfiff die Gelb-Rote Karte von Schiedsrichter Robert Hartmann gesehen hatte. "Er wird uns fehlen", ärgerte sich Beierlorzer.

Auch beim FCK fehlen im Endspurt möglicherweise wichtige Spieler. Torwart Tobias Sippel verletzte sich im Abschlusstraining vor dem Leipzig-Spiel an der Schulter, möglicherweise ein Muskelfaserriss. Gegen Leipzig hütete der 21-Jährige Marius Müller das Tor, in der ersten Halbzeit fiel dieser durch mehrere Ausrutscher ohne Gegenspieler auf und hatte Glück, dass Georg Teigl einmal den Ball dann anstatt ins Tor daran vorbei lupfte (32.) – es wäre das 2:1 für Leipzig gewesen. "Das darf nicht passieren", gab Müller hinterher zu. In der Halbzeit wechselte er sein Schuhwerk, fortan agierte Müller mit größeren Stollen und rutschte nicht mehr aus.

Runjaic mit viel Lob für die Youngster

Seine Leistung in Halbzeit zwei war dann deutlich souveräner als in Halbzeit eins, als Müller wie alle Spieler von der Brisanz der Begegnung doch beeindruckt schienen. FCK-Trainer Kosta Runjaic lobte Müller nach dem Abpfiff fast überschwänglich. Verständlich aus seiner Sicht, vielleicht muss der junge Torwart ja im Aufstiegsrennen unter Druck im Tor stehen. Ebenso lobte er den jungen Stürmer Sebastian Jacob, ebenfalls erst 21 Jahre. Jacob wurde kurz vor dem Pausenpfiff für den am Oberschenkel verletzten Torschützen Simon Zoller eingewechselt.

Zollers schneller Ausgleich (20.) nach dem Leipziger Führungstreffer durch Yussuf Poulsen (16.) war wichtig für den FCK, der dem Gegner spielerisch unterlegen war. Jacob  spielte zwar bemüht, laufstark und engagiert. Aber im Torabschluss agierte er frei vor Leipzigs Torwart Fabio Coltorti zu überhastet und schoss den Ball klar am Tor vorbei (64.). Insgesamt war der FCK in einem Spiel, in dem beide Mannschaften die Entscheidung suchten, dem Sieg näher. Kurz vor Schluss rettete Coltorti noch einmal gegen Alexander Ring.   

Es bleibt spannend

Durch das Unentschieden sprang Lautern auf Rang zwei, bleibt weiter zuhause unbesiegt und hat nun wie Runjaic sagt, den "Aufstieg selbst in der Hand".  Die Lobeshymnen auf Müller und Jacob sind verständlich, Runjaic will weiter vor allem das Positive herausstellen, denn auch seine Spieler waren nach dem Abpfiff enttäuscht. Mit einem Sieg hätten sich die Pfälzer ein bisschen von Darmstadt und Karlsruhe absetzen können. "Es bleibt bis zum Ende spannend", sagt Runjaic: "Und ja, wir wollen aufsteigen." Es wäre auch absurd, fünf Spieltage vor Ende der Saison als Tabellenzweiter etwas anderes zu behaupten. Ein Jahr nach dem Umbruch und dem Einbau vieler junger Spieler könnte der FCK die Rückkehr in die erste Liga schaffen. Für Leipzig  hingegen ist der Aufstieg nach diesem Ergebnis ein Stück weit unrealistischer geworden.

Aus Kaiserslautern berichtet Tobias Schächter