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Düsseldorf - Das verflixte zweite Jahr nach dem Aufstieg meisterte Fortuna Düsseldorf trotz eines schwachen Saisonstarts letztlich souverän. Am Ende belegten die Rheinländer Platz 7 und stellten die beste Heimmannschaft der 2. Bundesliga.

Mit welchen Erwartungen Fortuna-Chefcoach Norbert Meier in die neue Spielzeit geht, verriet der 52-Jährige bundesliga.de im exklusiven Gespräch.

bundesliga.de: Herr Meier, im vergangenen Jahr formulierten Sie das Ziel, die Fortuna wieder in der 2. Bundesliga etablieren zu wollen. Ist das Ihrer Meinung nach gelungen?

Norbert Meier: Wir sind in den beiden Jahren Vierter und Siebter geworden und haben unsere Aufgaben gut gelöst. Man darf nicht vergessen, dass wir vor zwei Jahren erst am letzten Spieltag aufgestiegen und dann in der 2. Bundesliga nach einer starken Saison direkt so weit vorne gelandet sind. Und im verflixten zweiten Jahr konnten wir den 7. Platz erreichen. Das ist doch ein mehr als respektables Ergebnis.

bundesliga.de: Im Vergleich zu anderen Vereinen hat sich die Fortuna auf dem Transfermarkt zurückgehalten. Warum?

Meier: Wir haben den Großteil der Mannschaft zusammenhalten können. Bei uns ist die Fluktuation wahrscheinlich nicht so hoch wie bei anderen Clubs. Wobei ich das bei anderen Vereinen gar nicht einmal kritisieren möchte. Manchmal sind größere Veränderungen unumgänglich. Wenn es machbar ist, sollte man jedoch darauf verzichten.

bundesliga.de: Fünf neue Gesichter präsentiert die Fortuna in der neuen Saison. Was versprechen Sie sich von den Neuzugängen?

Meier: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und setzen bis auf den Torhüter bei den Neuverpflichtungen auf junge, entwicklungsfähige Spieler. Wir haben jetzt noch Jules Schwadorf von Bayer Leverkusen mit Blick auf die Zukunft ausgeliehen. Von ihm erhoffen wir uns, dass er eine ähnliche Entwicklung durchmachen wird wie beispielsweise Maximilian Beister. Hinzu kommt Adriano Grimaldi, der als robuster Spieler von Mainz 05 II zu uns gewechselt ist. Er wird sich bestimmt ebenfalls umstellen müssen und sehen, was es konkret bedeutet, Profi zu sein. Und natürlich hoffe ich, dass er sich schnell einfügen kann. Der Australier Robbie Kruse muss auch kämpfen, nachdem die Saison in Australien schon lange vorbei ist und er zuletzt nur ein paar Länderspieleinsätze hatte. Er wird bei uns eine andere Art der Belastung kennenlernen und sich nicht nur umstellen müssen, in Deutschland nicht mehr auf der linken Seite fahren zu dürfen. Karim Aouadhi ist bislang noch nicht zu uns gestoßen. Durch die Unruhen in Tunesien hat es einige Probleme hinsichtlich der Wechselmodalitäten gegeben. Und für die Torwartposition haben wir den Österreicher Robert Almer von Austria Wien geholt, der auch eine lange Saison gespielt hat und nach dem Länderspiel gegen Deutschland noch eine Woche Urlaub erhalten hat. Er wird sicher um die Nummer 1 kämpfen wollen.

bundesliga.de: Bedeutet das, dass einer der beiden etablierten Keeper den Verein verlassen wird?

Meier: Wir haben entschieden, dass wir Michael Melka, wenn er sich verändern möchte, ziehen lassen werden. Dies gilt im Übrigen auch für Sandor Torghelle.

bundesliga.de: Mit Marco Christ und Claus Costa verliert die Fortuna neben Marcel Gaus und Patrick Zoundi zwei ihrer Aufstiegshelden. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, sie ziehen zu lassen?

Meier: Es war uns ja allen klar, dass wir nicht zehn Jahre lang mit der Aufstiegsmannschaft spielen können. Im Fußball geht es immer weiter. Claus Costa hat den Verein auf eigenen Wunsch verlassen. Wir wollten ihn eigentlich nicht abgeben. Aber er sucht eine neue Herausforderung. Bei uns ist die Konkurrenz größer, er hat zuletzt auch weniger gespielt. Bei den anderen Abgängen war es ähnlich.

bundesliga.de: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die neue Saison?

Meier: Wir wollen uns zunächst vernünftig auf die neue Spielzeit vorbereiten und einen besseren Start hinlegen als vor Jahresfrist.

bundesliga.de: Sie sprechen es an. Im vergangenen Jahr startete die Fortuna mit sechs Niederlagen sehr schlecht in die Saison. Trotzdem durften Sie weitermachen. Hat Sie diese Wertschätzung gefreut?

Meier: Die Verantwortlichen im Verein haben in der Tat Ruhe bewahrt. Das hat sich ausgezahlt. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Wir haben bekanntlich schon in der Hinrunde bis zur Winterpause 22 Punkte geholt und konnten dann in der Rückrunde viel befreiter aufspielen. Dabei möchte ich anmerken, dass wir auch in den ersten Saisonspielen gar nicht schlecht gespielt haben. Da kam einfach alles zusammen - viel lief gegen uns, und urplötzlich steckten wir unten drin. Dabei wussten wir trotz aller Widrigkeiten, dass wir mit unserer Arbeit auf einem guten Weg waren.

bundesliga.de: Wie stark schätzen Sie die 2. Bundesliga insgesamt ein?

Meier: Ich glaube, dass Verhältnisse unter den Vereinen sich noch etwas ausgeglichener darstellen als im vergangenen Jahr. Es sind einige Traditionsvereine dazugekommen. Das Zuschaueraufkommen dürfte dadurch steigen. Die 2. Bundesliga in Deutschland dürfte sicher zu den stärksten ihrer Art in ganz Europa zählen.

bundesliga.de: Die Fans träumen vom baldigen Aufstieg in die Bundesliga. Sie auch?

Meier: Jeder hat den Wunsch, irgendwann wieder erstklassig zu spielen.

bundesliga.de: Was fehlt noch?

Meier: Wir sind strukturell noch nicht da, wo wir hinwollen. Aber das kann auch nicht so schnell gehen. Wir haben jetzt unser Nachwuchsleistungszentrum und sind in der Lage, selbst Spieler herauszubringen, die den Sprung in die 1. Mannschaft schaffen.

bundesliga.de: Was trauen Sie Ihrer Mannschaft zu?

Meier: Wir wollen besser abschneiden als in 2010/2011. Aber es gibt viele Unwägbarkeiten. Wie fällt der Saisonstart aus? Inwieweit bleibt man von Verletzungen verschont? Wir haben nach wie vor einen relativ kleinen Kader, blieben im vergangenen Jahr glücklicherweise weitgehend von Ausfällen verschont und mussten nur einmal - kurz vor Saisonende - beim Spiel in Karlsruhe mit nur 17 Spielern anreisen. Viele Dinge spielen eine Rolle. Wir können keine ganz großen Ansprüche stellen. Denn einige andere Vereine haben ganz andere Möglichkeiten.

bundesliga.de: An welche Vereine denken Sie da? Welche Clubs erwarten Sie in der Tabelle vorne?

Meier: Die beiden Absteiger Frankfurt und St. Pauli sind in erster Linie zu nennen. Auch Greuther Fürth zählt dazu, denn dort wurde seine die Mannschaft weitgehend zusammengehalten und noch verstärkt. Was auch für den MSV Duisburg gilt, denn mit den bisherigen Zugängen ist der Verein beinahe verpflichtet, oben mitzuspielen. Nicht zu vergessen auch der VfL Bochum, der in der Relegation nur ganz knapp gescheitert ist. Und dann wird es bei den Aufsteigern sicher wieder einen Club geben, der bislang noch nicht "gesetzt" ist.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski