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Düsseldorf - Der SC Paderborn 07 hat sich in der 2. Bundesliga zurückgemeldet. Der Auftaktniederlage gegen Bochum folgte am Sonntag ein verdienter 2:1-Auswärtssieg bei Fortuna Düsseldorf. Damit haben die Ostwestfalen eindrucksvoll den drohenden Fehlstart verhindert und selbst ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Nach der Partie zeigte sich SCP-Kapitän Uwe Hünemeier im Interview mit bundesliga.de hochzufrieden über die Fortschritte der letzten Tage.

bundesliga.de: Uwe Hünemeier, der SC Paderborn 07 hat das Spiel in Düsseldorf nach Rückstand noch gedreht und 2:1 gewonnen. Wie hat die Mannschaft das angestellt?

Uwe Hünemeier: Wir haben die Ruhe bewahrt und an unsere Stärken geglaubt. Gerade nach vorne haben wir fußballerisch überzeugt. Schon in der ersten Halbzeit hatten wir den Gegner insbesondere über unsere starke linke Seite vor große Probleme gestellt. Idir Ouali hat ein sehr gutes Spiel gemacht, wir konnten ihn immer gut in Szene setzen. In der ersten Halbzeit haben wir es noch öfter verpasst, den entscheidenden Pass zu spielen. Nach der Pause haben wir das besser gemacht und über 90 Minuten gesehen verdient gewonnen. Wir haben den Kampf angenommen und uns in alles reingeschmissen, was geht. So muss man in der 2. Bundesliga auftreten. Wir haben vieles besser gemacht als in der vergangenen Woche.

"Das macht Mut für die nächsten Spiele"

bundesliga.de: Der Trainer hat das System im Vergleich zum Bochum-Spiel umgestellt und mit zwei Sechsern und Marcel Ndjeng auf der Außenposition spielen lassen. Ist das ein Model für die Zukunft?

Hünemeier: Ich glaube, das Marcel Ndjeng sich auf der Außenbahn wohler fühlt, sowohl hinten als auch vorne. Uns fehlten vorher auch die Alternativen. Jetzt haben wir Dominik Wydra dazu bekommen. Er hat das sehr gut gemacht, genauso Sebastian Schonlau, der später reingekommen ist und in einer so hitzigen Partie sein erstes Spiel absolviert hat. In diesem System fühlen wir uns wohl. In der letzten Woche haben wir es nicht so gut hingekriegt. Einige Spieler haben auch nicht auf ihren eigentlichen Positionen spielen können, was der Integration der neuen Spieler geschuldet war. In Düsseldorf haben wir gesehen, welche Möglichkeiten wir haben. Wir haben uns unglaublich viele Torchancen erarbeitet. Das muss uns Mut machen für die nächsten Spiele.

bundesliga.de: Sie sprechen Dominik Wydra, den Neuzugang von Rapid Wien an. Er ist Österreicher und macht das, was unsere Nachbarn am besten können: einen Slalomlauf im gegnerischen Strafraum, der zum Siegtreffer führt. Da hatte er doch in dieser Phase eigentlich nichts zu suchen oder?

Hünemeier: Am Ende der Szene hatte er etwas Glück. Aber wenn man den Willen hat, die Chance sieht und daran glaubt, dann kommt auch das Glück dazu. So war es in der Szene. Er hat sich richtig gut eingefügt, auch auf dem Platz strahlt er eine große Ruhe am Ball aus. Er ist auch da, wenn er in harten Zweikämpfen gebraucht wird. Man hat gesehen, dass er für uns sehr wertvoll werden kann.

"Unsere Moral ist intakt"

bundesliga.de: Wie gut hat denn der Sieg nach den vielen Negativerlebnissen in diesem Jahr getan?

Hünemeier: Sicher war der Abstieg eine Enttäuschung. Trotzdem haben wir auch schon in der vergangenen Saison viele unglaublich gute Spiele gemacht. Wir können auch stolz darauf sein, was wir in der letzten Saison abgeliefert haben. Das mussten wir abschütteln und die 2. Bundesliga annehmen. Wir haben ein Spiel gebraucht. Diesmal lief es besser.

bundesliga.de: Wie schwer ist der Mannschaft der Saisonstart mit dem neuen Trainer, Spielern und einem neuen System gefallen?

Hünemeier: Wir hatten eine durchwachsene Vorbereitung. Es ist viel zusammen gekommen, dann sind wir gegen Bochum auf einen guten Gegner getroffen. Da konnten wir noch nicht das umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten. Das haben wir gegen Fortuna besser gemacht. Wir waren in den Zweikämpfen deutlich präsenter. Unsere Moral ist intakt, das war heute auch ein Sieg der Moral. Das spricht für die Truppe.

"Proschwitz fühlt sich in Paderborn richtig wohl"

bundesliga.de: Ein Wort zu Nick Proschwitz, der wieder zurück in Paderborn ist und ein wichtiges Tor gemacht hat.

Hünemeier: Er hat den schweren Ball verwandelt und hätte vorher den einfacheren auch schon machen können. Man hat gesehen, dass er bereit ist, richtig Lust hat und sich in Paderborn einfach wohl fühlt. Hier hat er das Vertrauen. Wenn er so weiter macht, wird er noch mit mehr Toren belohnt.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die 2. Bundesliga insgesamt ein, in der gefühlt zwei Drittel der Clubs oben mitspielen wollen?

Hünemeier: Es ist sehr eng, jeder kann jeden schlagen. Oft werden die Spiele nur mit einem Tor Unterschied entschieden. Auch wenn viele glauben, dass Sandhausen zum Beispiel unten landen wird, gewinnen die dann auf einmal 3:1 in Braunschweig. Unser nächster Gegner ist eine ganz gefährliche Mannschaft, weil er die Liga ganz genau kennt und annimmt. Jeder muss sehen, dass er seine Punkte holt und sich so schnell wie möglich nach unten absichert. Wer am konstantesten punktet, wird dann oben mitspielen.

bundesliga.de: Welches Ziel peilt der SCP an?

Hünemeier: Wir wollen das Maximale erreichen. Das wird in dieser Liga schwer, das haben wir in den ersten beiden Spielen gesehen. Wir denken nur von Spiel zu Spiel. Es bringt nichts, irgendwelche Ziele auszurufen, die wir nicht erreichen können, weil andere Vereine andere Möglichkeiten haben.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski