Sandhausen - Punkt 17.15 Uhr gab es am Sonntag kein Halten mehr für die Roten: Hannover 96 war ein Jahr nach dem Abstieg durch das 1:1 beim SV Sandhausen wieder in die erste Liga aufgestiegen. Bierduschen auf dem Platz, Aufstiegsheld Salif Sane wurde wie ein Rockstar beim Stage-Diving auf den Armen der Fans getragen, alle Spieler wechselten schnell ihre Trikots in Aufstiegs-T-Shirts, auf denen zu lesen war: „Der Aufstieg…und diese Feier ist alternativlos“. Die Feier begann in Sandhausen, wird in dieser Nacht in Hannover und am Montag vor dem Neuen Rathaus der Stadt fortgesetzt - und am Dienstag fliegt die Mannschaft nach Mallorca, wie Felix Klaus freudetrunken erzählte.

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Sandhausen, das Hardtwaldstadion, war ganz in Rot getaucht - die große Mehrheit der 12.470 Zuschauer war aus Hannover nach Nordbaden gekommen. Schon vor dem Spiel hatte Hannovers Stadionsprecher das Mikrofon übergeben bekommen, die 96-Vereinshymne wurde gespielt und aus 8000 mitgereisten Kehlen mitgesungen. Dass die Mannschaft von Trainer Andre Breitenreiter ohne ihre drei gesperrten Leistungsträger Martin Harnik, Sane und Edgar Prib schlecht spielte - geschenkt an diesem Aufstiegstag.

Gänsehaut pur nach dem Abpfiff

Um zu scheitern, hätten die Niedersachsen ohnehin verlieren und der Konkurrent aus Braunschweig hoch gewinnen müssen, bei drei Punkten Vorsprung und dem um sechs Tore besseren Torverhältnis vor dem Anpfiff. Nach der Führung der Gastgeber durch Thomas Pledl (60.) glich Florian Hübner nur eine Minute später aus. Mit dem Unentschieden  war der Aufstieg perfekt, alles, was nach dem Abpfiff passierte, war dann „Gänsehaut pur“ und „Wahnsinn“ für Breitenreiter und alle Hannoveraner.

Der Trainer hatte erst Ende März das Amt von Daniel Stendel übernommen. Der frühere 96-Profi war schon einmal mit Paderborn in die Bundesliga aufgestiegen, nun sagte er: „Es ist natürlich etwas Besonderes mit meinem Heimatverein in meiner Heimatstadt aufzusteigen.“ Er sei „unheimlich stolz“, sagte Breitenreiter. Dem 43-Jährigen gelang es, die Defensive zu stabilisieren, in sieben von neun  Spielen mit Breitenreiter stand bei Hannover 96 hinten die null. Die Spitzenspiele gegen die direkten Konkurrenten Union Berlin, Eintracht Braunschweig und VfB Stuttgart wurden gewonnen, Breitenreiter analysierte: „Die Erleichterung ist natürlich groß jetzt, die Mannschaft hat dem Druck immer standgehalten.

Heldt verteilt Lob

Manager Horst Heldt lobte den Zusammenhalt des ganzen Teams, aber auch vor allem Breitenreiter, den er nach Hannover geholt und mit dem er schon beim FC Schalke zusammengearbeitet hatte: „Andre hat die richtigen Maßnahmen ergriffen und immer Ruhe bewahrt“, sagte Heldt, der aber auch dessen Vorgänger Stendel lobte und natürlich vor allem 96-Präsident Martin Kind, der den Verein und die Mannschaft nach dem Abstieg zusammengehalten habe.

>>> Der Spielbericht zum 1:1 in Sandhausen

Kind gab hinterher erleichtert zu, so ein Jahr in Liga zwei könne ganz schön lang sein: „Ich bin froh, dass wir es geschafft haben und darauf können wir stolz sein.“ Für die kommende Spielzeit in der Bundesliga wünscht sich Kind eine „stabile Saison“. Doch zuvor wird gefeiert und Breitenreiter gab das Motto für die nächsten Tage aus: „Heute wird Hannover wackeln - und morgen auch.“

Aus Sandhausen berichtet Tobias Schächter