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Karlsruhe - Nach der völlig verdienten Niederlage in Karlsruhe (Spielbericht) zeigt man sich beim FC St. Pauli trotzig. Nun will man gegen den 1. FC Nürnberg dort weitermachen, wo man beim 4:0 gegen Düsseldorf aufgehört hat.

Daniel Buballa sah ähnlich deprimiert aus wie seine Mitspieler, als er nach der 0:3-Niederlage in Karlsruhe vor die wartenden Journalisten trat: "Die Tore sind zu einfach gefallen, wir waren chancenlos", bilanzierte der Mittelfeldspieler des FC St. Pauli. Am besten sei es, den missglückten Abend im Badischen nun ganz schnell abzuhaken. "Mund abputzen!"

"Mund abputzen"

Eine Viertelstunde später war es an seinem Trainer, die bittere Niederlage zu analysieren. Und siehe da, Ewald Lienen wischte sich tatsächlich zunächst mit einer kräftigen Geste über den Mund, ehe er sein Statement abgab. "Das war ein mehr als verdienter Sieg für den KSC. Dabei hatte ich meine Mannschaft darauf vorbereitet, dass sie vom Abwehrverhalten her gegenüber dem Düsseldorf-Spiel eher noch zulegen muss."

Zur Erinnerung. Das Spiel gegen die Fortuna, das nur fünf Tage vorher stattgefunden hatte, hatte St. Pauli 4:0 gewonnen. Dass die exakt gleiche Mannschaft, die den deutlichen Sieg gegen den Favoriten aus dem Rheinland gelandet hatte, gegen den KSC so schwach agierte, wirft natürlich Fragen auf. Fragen, die am Freitag vor allem dem Defensivverhalten gelten.

Weder beim 1:0 noch beim 2:0 durch KSC-Goalgetter Rouwen Hennings war die Hamburger Hintermannschaft auf der Höhe, das 3:0 im etwas besseren zweiten Durchgang fiel gar nach einem Freistoß, in dessen Folge es gleich drei Hamburger Defensive nicht schafften, Manuel Gulde am Kopfball zu hindern. "Die Tore sind zu einfach gefallen," ächzte Defensivmann Dennis Daube. "Wir haben einfach keinen Weg gefunden, besser zu verteidigen."

Dabei war die augenfälligste Veränderung, die Lienen seit seiner Amtsübernahme bewerkstelligt hatte, ein klar verbessertes Defensivverhalten seiner Elf. Lienen hatte den Kiezclub als Tabellenletzter übernommen, 36 Gegentore (mehr als 2 pro Spiel) hatte man zu diesem Zeitpunkt hinnehmen müssen. Seit Lienen das Zepter schwingt, kamen nur noch acht in zehn Spielen dazu – ehe der KSC den Hamburgern nun am Freitag gleich drei weitere einschenkte. Das alleine reichte, um die Laune des erfahrenen Coachs auf den Nullpunkt zu bringen. Das und die Tatsache, dass es in den 90 Minuten von Beginn an keinen Moment gab, an dem man den Eindruck hatte, dass die Braun-Weißen diesen Abend erfolgreich würden gestalten können.

"10 bis 15 Prozent fehlten"

"Die Wahrheit eines Spiels liegt in den ersten fünf Minuten", sagte Lienen dann auch bei seiner schonungslosen Analyse. Von Beginn an habe er gemerkt, dass seiner Elf die Konzentration und der Biss fehlten, um gegen eine der stärksten Zweitliga-Mannschaften bestehen zu können. "Es war schon früh klar, dass vom Abwehrverhalten her 10 bis 15 Prozent fehlen."

So entstanden die Gegentreffer, und so entstanden einige weiter Gelegenheiten, die eine Karlsruher Mannschaft, die konsequent über die Außenbahnen agierte, auch zu einer noch höheren Führung hätte nutzen können. Schließlich setzte sich das schwache Zweikampfverhalten im Mittelfeld fort, so dass die von 3000 Fans begleiteten Hamburger meist erst gar nicht in die Verlegenheit kamen, eigene Angriffe zu starten. "Der KSC hat es gut geschafft, dauerhaft Überzahl im Mittelfeld zu schaffen", sagte Mittelfeldmann Julian Koch.

Auch Koch fiel allerdings kaum etwas ein, was an Positivem aus diesen 90 Minuten zu ziehen sein könnte. Immerhin, so der ehemalige Dortmunder, sei man im zweiten Durchgang nicht auseinandergefallen. Doch mit dieser Leistung, so Koch, werde es schwer, im Abstiegskampf zu bestehen. "Wir müssen jetzt versuchen, im nächsten Heimspiel gegen Nürnberg auf dem Düsseldorf-Spiel aufzubauen." So sah es auch Kollege Buballa, der betonte, die Elf habe in Karlsruhe nicht ihr wahres Gesicht gezeigt: "Wir haben schließlich gegen Düsseldorf gezeigt, dass wir es können."

Aus Karlsruhe berichtet Christoph Ruf