ANZEIGE

Am 24. Mai 2009 geht eine Ära in Aachen zu Ende. Wenn am letzten Spieltag der Saison 2008/09 im Heimspiel der Alemannia gegen den FC Augsburg der Schlusspfiff ertönt, hat der Tivoli seinen Dienst getan.

81 Jahre lang war das Stadion die Heimstätte der Alemannia, die hinter Fortuna Köln der erfolgreichste Verein in der Geschichte der 2. Bundesliga ist. Zum Auftakt der Spielzeit 2009/10 wird in Aachen ein neues Stadion in Betrieb genommen.

Der neue Tivoli wird kompeltt überdacht

Der neue Tivoli wird im Gegensatz zum alten komplett überdacht, fasst 32.900 Zuschauer und entspricht allen Anforderungen eines Bundesligastadions - spielstättentechnisch hat die Alemannia die Weichen für einen Aufstieg also bereits gestellt. Sportlich ist dieser zwar noch offen, doch das Team von Trainer Jürgen Seeberger ist auf einem guten Weg.

"Momentan sieht es ganz gut aus", sagte Mittelfeldspieler Florian Müller. Recht hat er. Die Alemannia steht mit derzeit 28 Zählern auf dem 4. Tabellenplatz, punktgleich mit dem 1. FC Kaiserslautern, der auf Rang 3, dem Relegationsplatz, liegt.

Starke Serie

Dass man in Aachen vom Aufstieg träumen darf, liegt an einer sportlich beeindruckenden Serie. Sechs Spiele in Folge blieben die "Schwarz-Gelben" zuletzt unbesiegt und holten 14 der 18 Punkte (vier Siege, zwei Remis).

Beachtlich daran ist, dass sich die Mannschaft in diesen Spielen in fast allen wichtigen Kategorien deutlich steigern konnte. So erzielte Aachen in den vergangenen sechs Partien zwölf Tore, also durchschnittlich zwei Treffer pro Match - an den ersten zehn Spieltagen waren es im Schnitt nur 1,3 Tore pro Begegnung gewesen.

Effektive Offensive

Woran liegt das? "Ich hab' einfach meinen Schlappen hingehalten", sagte Lewis Holtby nach seinem ersten Profi-Tor gegen 1860 München am 16. Spieltag (Endstand: 2:0). Ganz so lapidar ist die Erklärung für den Leistungssprung aber nicht.

Zum einen wäre da eine deutlich bessere Torausbeute. Hatte die Alemannia in den ersten zehn Runden acht Schüsse benötigt, um das Runde ins Eckige zu befördern, zappelte an den vergangenen sechs Spieltagen bereits jeder fünfte Schuss im gegnerischen Netz. Doch es ist nicht nur die Offensivabteilung, die sich gesteigert hat.

Hinten alles dicht

An den ersten zehn Spieltagen ließ die Aachener Defensive um die Innenverteidiger Seyi Olajengbesi und Thomas Stehle noch 13 Gegentreffer zu - immerhin oberes Mittelfeld, aber nicht top. Das hat sich mittlerweile geändert: Bei nur drei gegnerischen Treffern an den Spieltagen 11 bis 16 ist die Abwehr der Seeberger-Truppe mit jetzt 16 Gegentoren die beste der 2. Bundesliga (zusammen mit dem 1. FC Nürnberg, TSV 1860 München und dem SC Freiburg).

Der Torwart der Alemannen, Thorsten Stuckmann, steht seinen Vorderleuten übrigens in nichts nach. Seine Quote von 71,1 Prozent gehaltener Bälle schraubte er in den vergangenen sechs Partien auf 88 Prozent hoch. Zudem hat er immer öfter auch unhaltbare Schüsse abgewehrt - wie gegen die "Löwen".

"Dass mir so etwas im Spiel passiert, ist sensationell. So etwas sieht man sonst nur im Fernsehen", freute sich Stuckmann, der gegen die "Löwen" einen Schuss aus vier Metern von Manuel Schäffler noch mit dem Fuß abwehrte.

Aufstieg zum Abschied?

Auch der Trainer war nach dem Spiel gegen 1860 begeistert. "Das war ein richtiges Tivoli-Erlebnis. Vor allem die Atmosphäre hat uns den Schwung gegeben, die Partie zu entscheiden", schwärmte Jürgen Seeberger nach dem siebten Sieg aus bisher acht Heimspielen.

Sollte diese Bilanz auch in der Rückrunde Bestand haben, sieht es angesichts von neun Heimspielen für die Aachener in Sachen Aufstieg gut aus. Die Möglichkeit ist also groß, dass der alte Tivoli nicht mit einer Abschieds-, sondern einer Aufstiegsparty in Rente geht.

Gregor Nentwig