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Bochum - Dieses Jubiläum hätte sich Alemannia Aachen wohl entspannter vorgestellt: Das 1000. Zweitligaspiel am Sonntag gegen den MSV Duisburg ist ein echtes Kellerduell. Und die Gastgeber stehen unter Druck, bestätigt Kapitän Benjamin Auer bei bundesliga.de: "Für uns zählen nur drei Punkte!"

Es ist ein historisches Jubiläum und eine imposante Zahl gleichermaßen: Zum 1000. Mal schnüren Aachener Kicker am Sonntag die Schuhe zu einem Zweitliga-Spiel. Unangefochten auf Platz 1 der ewigen Tabelle der 2. Bundesliga durchbricht die Alemannia als erster Club diese Schallmauer.

Bislang stehen 401 Siege aus 28 Jahren 2. Bundesliga zu Buche - und gegen den MSV soll und muss Sieg Nummer 402 her. Denn dass die Aachener das Jubiläum als Tabellenletzter feiern müssen, soll nur eine unliebsame Momentaufnahme bleiben. Kapitän Auer jedenfalls ist überzeugt, dass der Trend klar nach oben zeigt - trotz der 0:1-Niederlage in Bochum am letzten Spieltag.

Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Auer über positive Lehren und ordentlichen Fußball, Chancenverwertung, Teamgeist und eine prekäre Situation.

bundesliga.de: Benjamin Auer, nach dem Punktgewinn in Dresden und dem Heimsieg gegen Ingolstadt gab es zuletzt eine 0:1-Niederlage beim VfL Bochum. Ist der Aufwärtstrend der Alemannia schon wieder gestoppt?

Benjamin Auer: Wir müssen das Positive aus diesem Spiel ziehen. Wir sind auf einem guten Weg und haben in den letzten Wochen sehr ordentlichen Fußball gezeigt. Die Mannschaft ist intakt, was man Woche für Woche sieht. Und auch die Leistung in der zweiten Habzeit in Bochum lässt hoffen. Es war vielleicht eine der stärksten Hälften, die wir in dieser Saison gespielt haben. Da waren wir sehr dominant wie phasenweise auch schon gegen Dresden und Ingolstadt. Darauf lässt sich mit Sicherheit aufbauen.

bundesliga.de: Aber hatten Sie sich nicht auch mehr erwartet beim VfL Bochum?

Auer: Wir wussten, dass Bochum eine gute Mannschaft hat mit viel individueller Klasse. Aber trotzdem hatten wir uns dort etwas ausgerechnet. Der Trainer hatte uns gut vorbereitet und uns die Stärken und Schwächen des Gegners gut verdeutlicht. Aufgrund der zweiten Halbzeit wäre ein Punkt auf alle Fälle verdient gewesen. Da waren wir deutlich die bessere Mannschaft, hatten mehr Spielanteile, mehr Torchancen und haben Bochum eingeschnürt. Da ist es natürlich bitter, dass wir nicht gepunktet haben.

bundesliga.de: Die zweite Halbzeit war gut, aber warum konnte die Alemannia diese Leistung nicht von der 1. Minute an abrufen?

Auer: Man darf nicht vergessen, dass Bochum vor eigenem Publikum angetreten ist. Da ist es klar, dass sie vor allem am Anfang Druck machen und den Schwung ihres Pokalsieges mitnehmen wollten. Da waren wir vielleicht ein bisschen zu zögerlich. Andererseits hatte Bochum neben dem Tor nur eine weitere Chance. Viel mehr war auch nicht zu sehen.

bundesliga.de: Apropos Chancenverwertung: Bleibt die eines der großen Probleme der Alemannia in dieser Spielzeit?

Auer: Das stimmt, das zieht sich wie ein roter Faden durch unsere bisherige Saison. Wenn man sechs Tore in 13 Spielen macht, dann spricht das nicht unbedingt für die Offensive. Da ist natürlich die Chancenverwertung ein Thema. Wir haben uns auch in Bochum gute Möglichkeiten heraus gespielt, aber sie nicht genutzt. Und manchmal fehlt auch der letzte Pass oder die letzte Flanke. Keine Frage: Es gibt viel zu arbeiten. Unsere Situation ist weiterhin prekär. Wir müssen punkten, und das so schnell wie möglich.

bundesliga.de: In Bochum konnte Aachen sogar den Elfmeter in der Nachspielzeit nicht nutzen, der den Ausgleich und damit einen Punkt gebracht hätte.

Auer: Normalerweise ist Aimen Demai ein hundertprozentiger Schütze, der jeden Elfmeter verwandelt. Das stellt er auch im Training immer wieder unter Beweis. Ich habe ihn selten einen Strafstoß verschießen sehen. In diesem Fall war es eine besondere Anspannung für die Nerven - 90. Minute, Rückstand, hitzige Atmosphäre. Er hat einfach Pech gehabt. Aber wir hätten das Spiel vorher schon drehen und ein Tor schießen müssen.

bundesliga.de: Unmittelbar nach dem Abpfiff in Bochum haben Trainer und Mannschaft noch auf dem Rasen einen Kreis gebildet. Ein Zeichen, dass der Teamgeist stimmt?

Auer: Der Trainer hat uns noch auf dem Platz zusammengerufen, um uns zur Leistung in der zweiten Halbzeit zu beglückwünschen. Er uns klar gemacht, dass wir nur so erfolgreich sein werden, und dass es für uns auch nur so weitergehen kann. Und da hat er vollkommen Recht. Aber generell sehe ich uns wirklich auf einem guten Weg, weil wir als Mannschaft absolut intakt sind und in den letzten drei Spielen insgesamt eine gute Leistung geboten haben.

bundesliga.de: Das nächste Spiel gegen Duisburg ist ein echtes Kellerduell und damit auch so etwas wie ein "Sechs-Punkte-Spiel" für Aachen?

Auer: Es ist für uns eine ganz ähnliche Situation wie zuletzt schon gegen Ingolstadt. Duisburg ist auch eine Mannschaft, die wie wir ganz unten drin steckt und für die es zurzeit nur gegen den Abstieg geht. Da müssen wir vor eigenem Publikum unbedingt drei Punkte holen. Alles andere zählt nicht!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte