ANZEIGE

Am Ende der vergangenen Saison fehlten nur vier Tore und Alemannia Aachen wäre in der 2. Bundesliga auf einen Aufstiegsplatz geklettert - allerdings nur in der Rückrunden-Tabelle. Dass im Endeffekt doch neun Punkte zur Rückkehr in die Bundesliga fehlten, lag an der eher schwachen Hinrunde.

Da holte die Alemannia magere 21 Punkte aus 17 Spielen und lag mit Rang 11 nur fünf Punkte vor einem Abstiegsplatz.

Die Wende brachte der neue Trainer Jürgen Seeberger, der am 1. Januar 2008 das Ruder bei den Schwarz-Gelben übernahm.

Die Zahlen steigen

"In meiner Karriere habe ich mich immer von unten nach oben hoch gearbeitet", sagte der 43-Jährige bei seiner Vorstellung beim Traditionsverein. Und auch diesmal sollte es wieder so laufen.

Seitdem Seeberger das Kommando am Tivoli inne hat, werden in Aachen wieder öfter Siege gefeiert: Mit ihm wurde jedes zweite Spiel gewonnen, ohne ihn nur 29 Prozent der Partien (seit Saisonbeginn 2007/08).

Dabei wurde die Siegesbilanz sowohl zu Hause (von 44 auf 56 Prozent) als auch und vor allem auf fremden Plätzen (von 13 auf 45 Prozent) aufpoliert. Am Saisonende landete die Alemannia auf Rang 7.

Umbruch nach der Saison

Für Schlagzeilen sorgte der Coach aber besonders durch seine Personalpolitik. Spieler wie Jeffrey Leiwakabessy, Alexander Klitzpera und Laurentiu Reghecampf, unter Seebergers Vorgänger Guido Buchwald noch Leistungsträger, fanden sich mit einem Mal auf Ersatzbank und Tribüne wieder.

Im Sommer folgte dann schließlich der sich seit längerem angekündigte Umbruch. Die Alemannia ließ die drei Stützen ziehen, ersetzte sie jedoch durch hochkarätige Neuzugänge.

"Mir geht es mehr um die Inhalte"

Aus Fürth kam Abwehrspieler Timo Achenbach, der mit neun Vorlagen einer der besten Vorbereiter der vergangenen 2. Bundesliga-Saison war. Mit Markus Daun und Benjamin Auer wurden gar zwei Spieler mit Bundesliga-Erfahrung geholt. Mächtig Druck also, der da auf dem Trainer lastet? Nein!

"Wir wollen im ersten Drittel der Tabelle mitspielen. Aber Aufstieg? Der Aufstieg ist sicherlich ein tolles Ziel, aber ich will auch das entsprechende Verhalten der Spieler sehen. Mir geht es da mehr um die Inhalte", sagte Seeberger in einem Interview mit dem "kicker".

Vier Punkte sind in Ordnung

Inhalte, die bei Benjamin Auer anscheinend gut angekommen sind. In den ersten drei Ligaspielen traf er zweimal. In der 1. Runde des DFB-Pokals gegen Wegberg-Beeck war er sogar an allen vier Treffern beteiligt. Der Stürmer ist so gut wie noch nie in die Saison gestartet. Anders sein Club.

Vier Punkte aus drei Spielen sind ordentlich, aber es könnte mehr sein. Es müsste eigentlich sogar mehr sein. Im Spiel beim 1. FC Nürnberg gab es trotz einer 2:0-Halbzeitführung am Ende nur einen Punkt.

"Wir müssen demnächst zwei Halbzeiten so spielen wie in den letzten Begegnungen vor der Pause", sagte der Chef-Trainer nach dem Spiel und verwies darauf, dass das Team sich während der Partie immer wieder Auszeiten genommen hatte.

Heimstärke ist entscheidend

Dennoch ist die Lage am Drei-Ländereck nicht kritisch. "Unser Start war in Ordnung. Wir hatten zwei schwere Auswärtsspiele und sind daher nicht unzufrieden", sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke der Bild-Zeitung und fügte hinzu: "Bei unseren Heimspielen müssen wir den Anspruch haben, drei Punkte zu holen." Was mit vier Siegen aus den vergangenen fünf Spielen auch fast immer gelungen war.

Wenn das Team bald auch wieder zu der unter Seeberger erlangten Auswärtsstärke zurückfindet, könnte es gut sein, dass es wieder für einen Aufstiegsplatz reicht. Dann aber in der endgültigen Tabelle.

Gregor Nentwig