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Sandhausen - Nach dem 0:0 in Sandhausen zeigt man sich im Lager des Karlsruher SC selbstkritisch. Für die kommenden Wochen bleiben Kapitän Dirk Orlishausen und seine Kollegen dennoch optimistisch. Und tatsächlich bot das "Heimspiel" in Sandhausen auch Positives.

KSC-Verteidiger Enrico Valentini zwar noch Minuten nach dem Schlusspfiff begeistert: "Eine ganz tolle Atmosphäre, es war Wahnsinn, was unsere Fans auf die Beine gestellt haben." Tatsächlich waren gut 7000 der 12.138 Zuschauer im Sandhäuser Hardtwaldstadion mit Sympathien für blau-weiß angereist – über weite Strecken der Partie hatte der Karlsruher SC ein Heimspiel in Sandhausen.

"Fehlerquote war zu hoch"

Umso bedauerlicher fand man es dann auch aus Karlsruher Perspektive, dass die vielen Fans nicht mit einem Auswärtssieg belohnt wurden. Im Gegenteil: Trotz einer deutlichen Leistungssteigerung im zweiten Durchgang konnte der KSC am Ende von Glück reden, nach dem 0:0 wenigstens einen Zähler mitgenommen zu haben. Der SV Sandhausen hatte insgesamt die klareren Möglichkeiten und fand über 90 Minuten eine bessere Balance aus Offensive und Defensive.

Jens Todt sprach die Defizite dann auch offen an: "Unsere Fehlerquote war im ersten Durchgang einfach zu hoch", sagte der KSC-Manager, der allerdings "keinen Rückschlag" im Aufstiegsrennen sah. "Ich glaube, Ingolstadt ist derzeit eine Klasse für sich", sagte Todt mit Blick auf den 3:2-Sieg der Bayern, "aber auf den Plätzen danach ist noch alles offen." Es gelte nun allerdings, schnell aus den Fehlern des Sandhausen-Spiels zu lernen.

Im ersten Durchgang zu passiv

Tatsächlich wirkte der KSC im ersten Durchgang seltsam passiv und schien regelrecht überrascht, dass die defensivstarken Sandhäuser ihr Heil durchaus auch in der Offensive suchten. Lukas Kübler hatte in der siebten Minute die erste große Gelegenheit für die Gastgeber, bis zum Abpfiff sollten zwei weitere Chancen folgen. "Ich glaube nicht, dass wir den SVS unterschätzt haben", analysierte KSC-Keeper Dirk Orlishausen nach der Partie. "Wir wussten, dass sie defensiv stark sind, aber wir haben einfach zu viele Chancen zugelassen, als dass wir hier einen Sieg verdient gehabt hätten."

So sah es auch Trainer Markus Kauczinski, "Wir haben uns nicht genug bewegt und haben im ersten Durchgang auch zu wenig investiert." Doch ähnlich wie Todt wertete auch der KSC-Coach den Punkt eher als gewonnenen denn als verlorenen Punkt. "Das wird ein knallhartes Rennen, bei dem Kleinigkeiten entscheiden werden. Und wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft beisammen haben, die am kommenden Samstag gegen Greuther Fürth allerdings weiß, dass sie gewinnen muss."

Deutliche Leistungssteigerung nach der Pause

Was im Karlsruher Lager für Optimismus sorgte, war nicht nur die Tatsache, dass man erneut ohne Gegentor geblieben war – mit nur 21 Gegentreffern hat man weniger Tore hinnehmen müssen als der 1. FC Kaiserslautern und Ingolstadt, die beide in der Tabelle vor den Badnern rangieren. Auch die Leistungssteigerung im zweiten Durchgang sorgte für eine gnädigere Analyse der Partie. Tatsächlich hatten Valentini und Linksverteidiger Philipp Max kaum noch Fehler in ihrem Passspiel, auch "Sechser" Jonas Meffert, der im ersten Durchgang noch Licht und Schatten gezeigt hatte, fand nun sehr gut ins Spiel. Zusammen mit dem starken Reinhold Yabo übernahm er streckenweise die Kontrolle im zentralen Mittelfeld. Was fehlte, waren gefährliche Zuspiele in die Spitze, wo Rouwen Hennings auf sich allein gestellt blieb. Valentini hatte in der 85. Minute die größte KSC-Chance, aus dem Spiel heraus entstand sonst kaum Gefahr für das Tor von Marco Riemann.

"Aufgrund der zweiten Halbzeit ist das Ergebnis okay", fand dann auch Kapitän Orlishausen, bevor er in den Mannschaftsbus stieg, der schon 50 Kilometer später wieder am Wildpark stoppte. "Jetzt werden wir mit neuem Elan in die neue Woche gehen und dann gegen Fürth in  einer anderen Verfassung auf dem Platz stehen."

Aus Sandhausen berichtet Christoph Ruf