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"Ein Spiel dauert 90 Minuten". Diese Floskel, einst von Sepp Herberger kund getan, feierte zuletzt sowohl beim 1. FSV Mainz 05 als auch beim 1. FC Nürnberg Renaissance. Nun treffen die beiden Clubs am 5. Spieltag der 2. Bundesliga im Mainzer Bruchwegstadion aufeinander. Erleben Sie die fünf Freitagsspiele ab 17:45 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio!

Die beiden Vereine interpretieren die beliebte Floskel in diesen Tagen höchst unterschiedlich. Während der "Club" an den vergangenen beiden Spieltagen jeweils einen 0:2-Rückstand nach der Pause noch egalisieren konnte, mussten die Mainzer am 4. Spieltag gegen Hansa Rostock ihre Zwei-Tore-Führung noch aus den Händen geben.

"Starker Gegner"

"Ich habe zum 1. FC Nürnberg ein sehr gutes Verhältnis, es war schließlich der erste deutsche Club, für den ich gespielt habe", erinnert sich Mainz-Coach Jörn Andersen an die Endachtzigerjahre, in denen er für die Franken in 78 Punktspielen 28 Tore erzielte.

"Die Nürnberger kommen mit vielen starken Spielern, Stars, ehemaligen und aktuellen Nationalspielern. Es wird ein schweres Spiel, aber es ist auch immer schön, wenn man gegen einen so starken Gegner auflaufen muss, denn dann können alle Spieler zeigen, was sie drauf haben und sich auf dem Platz beweisen."

Verzichten muss Andersen gegen den FCN möglicherweise auf Florian Heller. Der Mittelfeldspieler konnte am Mittwoch aufgrund einer Blockade im Rücken nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Ebenso nicht trainieren konnten auch Markus Feulner (Kapselverletzung) sowie Daniel Gunkel (Innenbandverletzung) und Bo Svensson (Aufbautraining). Gut möglich, dass der Trainer der 05er sein Team umbauen muss.

Suche nach Ordnung

In Nürnberg suchen sie derweil noch nach der Feinabstimmung in der Abwehr. Kapitän Andreas Wolf liegt mit Kreuzbandriss danieder, und die neu formierte Abwehr um Neuzugang Aleksandar Mitreski sucht bei momentan schon sieben Gegentreffern noch die benötigte Ordnung. Auch seine Defensivkollegen Javier Pinola und Jose Goncalves haben ihre angestrebte Form noch nicht gefunden. Eine Kopfsache? Haben die Franken Probleme, sich an die kompakte, zweikampflastige Zweitligaspielmentalität zu gewöhnen?

FCN-Trainer Michael Oenning indes hält an seiner Defensive fest: "Sicher haben wir im gedanklichen Bereich Startschwierigkeiten, aber Mitreski und Goncalves haben mein ganzes Vertrauen", wird der Nürnberger Coach in der Bild-Zeitung zitiert. "Es gibt keinen Grund, jede Woche die Aufstellung der Verteidigung zu ändern."

Personell kann Oenning bis auf die Langzeitverletzten Andreas Wolf und Mike Frantz aus dem Vollen schöpfen. Sogar Sorgenkind Peer Kluge, der sich beim Spiel gegen SV Wehen Wiesbaden eine Gehirnerschütterung zugezogen und eine Nacht in der Uni-Klinik Erlangen verbracht hatte, fühlt sich inzwischen wieder gut und wird wohl mit von der Partie sein.


MSV Duisburg - Alemannia Aachen

Aachens Trainer Jürgen Seeberger sieht es nicht unbedingt als Vorteil an, dass der Gegner aus Duisburg nur vier Tage nach der 0:2-Niederlage bei 1860 München wieder ran muss: "Ich bin als Trainer froh, wenn ich mich nach einer Niederlage schnell wieder auf eine neue Aufgabe konzentrieren kann. Das geht auch den meisten Spielern so." Alles andere als froh ist man bei den "Zebras", was die personelle Situation angeht.

Gegen die "Löwen" verletzte sich Stammkeeper Tom Starke. Er zog sich eine Fraktur des Daumengrundgliedes zu und wird dem MSV mindestens vier Wochen fehlen. Für ihn wird Marcel Herzog im Tor stehen. "Marcel hat mein vollstes Vertrauen. Er ist topfit und brennt auf seinen Einsatz", sagte MSV-Trainer Rudi Bommer über den Stellvertreter. Indes gibt sich Mittelfeldmann Cedrick Makiadi im bundesliga.de-Interview siegessicher: "Wir haben jetzt erst vier Spieltage gespielt und ich bin zuversichtlich, dass wir gegen Aachen gewinnen und dann haben wir auch wieder Kontakt zur oberen Tabellenregion."

"Es geht eng zu"

Drittes Auswärtsspiel, zum dritten Mal geht es für die Alemannia gegen einen Bundesliga-Absteiger. Kein Grund für Jürgen Seeberger, unnötig Spannung zu verbreiten."Ich will die Schwere gar nicht übermäßig betonen. Die Ergebnisse in der Liga zeigen, dass es generell ziemlich eng zugeht", erklärt der Trainer.

Nach der Niederlage in Rostock und dem Remis in Nürnberg wäre der erste Auswärtssieg die logische Fortsetzung der Serie. Um das Ziel redet Seeberger auch gar nicht lange herum: "Wir wollen da drei Punkte holen." Personell hat der 43-Jährige keine großen Sorgen. Mirko Casper ist weiterhin in der Reha, Thomas Stehle plagen Knieprobleme, die den Abwehrspieler im Heimspiel gegen Ingolstadt bereits aus dem Kader gespült haben.

Das modifizierte Spielsystem mit Reiner Plaßhenrich als einzigem Sechser und Matze Lehmann als vorgeschobenem, zentralem Mittelfeldspieler könnte in der MSV-Arena erneut praktiziert werden. "Wir wollen wieder Torgefahr aus dem Mittelfeld ausstrahlen. Die genaue Formation ist auch vom Spielverlauf abhängig", sagte Seeberger, ohne sich genau in die Karten schauen zu lassen.


FC St. Pauli - 1860 München

Für den FC St. Pauli ist mal wieder Wiedergutmachung angesagt. Auch das zweite Auswärtsspiel der Saison verlief alles andere als nach dem Geschmack von Trainer Holger Stanislawski. Nach fünf Gegentoren in Fürth waren es vier in Kaiserslautern, hinzu kam der dritte Platzverweis im vierten Ligaspiel. Hoffnung macht, dass die "Braun-Weißen" zuletzt häufig nach Niederlagen, gerade zuhause, die richtige Antwort fanden, wie auch beim 4:1-Sieg gegen Oberhausen.

Der überragende Mann dieses Spiels, Filip Trojan, ist nach seinem Bänderriss bereits wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Ob es für einen Einsatz gegen die "Löwen" reicht, wird sich kurzfristig entscheiden. Nicht mit von der Partie ist aller Vorrausicht nach Marius Ebbers, der nach wie vor an den Folgen seines Bänderrisses laboriert. Weiterhin ausfallen werden auch die Langzeitverletzten Thomas Meggle, Andreas Biermann und Florian Lechner. Wieder dabei ist nach seiner Rotsperre aus dem Fürth-Spiel Mannschaftskapitän Fabio Morena.

Optimismus

"Das ist immer ein besonderes Gefühl, am Millerntor zu spielen", sagt 1860-Cheftrainer Marco Kurz. "Das war schon zu meiner aktiven Zeit so und ist es auch als Trainer ein Erlebnis. Die Mannschaft hat am Montag (2:0-Erfolg gegen Duisburg) einen kleinen Schritt nach vorne gemacht. Sie kennt jetzt wieder das Gefühl wie es ist, ein Spiel zu gewinnen und als Team ein Erfolgserlebnis zu feiern", so Trainer Kurz, der seine Jungs am Millerntor selbstbewusster als zuletzt erwartet.

Er würde am liebsten die gleiche Startelf aufbieten wie beim Sieg über Duisburg, jedoch konnten Mate Ghvinianidze (Wadenprobleme) und Sven Bender (Schwindelanfälle) auch am Donnerstag nicht mit der Mannschaft trainieren. Beide waren gemeinsam laufen. "Wenn alle Spieler zur Verfügung stehen, gibt es keinen Grund für mich zu wechseln. Bei Sven und Mate werde ich erst nach dem Abschlusstraining entscheiden. Darum werden wir mit 18 Feldspielern nach Hamburg reisen."


TuS Koblenz - FC Augsburg

Das Duell der Koblenzer gegen Augsburg ist eines von alten Bekannten. Der FCA stieg 2006 zusammen mit der TuS in die 2. Bundesliga auf. Optimismus verbreitet TuS-Trainer Uwe Rapolder trotz der unglücklichen 34-Niederlage gegen Fürth am vergangenen Wiochenende:"Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft diese unglückliche Niederlage verkraftet hat. Man darf nicht vergessen, dass wir ein Spitzenteam der Liga am Rande einer Niederlage hatten, nachdem wir zur Halbzeit noch 1:3 zurücklagen. Das spricht für die Moral meiner Mannschaft. Die tolle Aufholjagd hat mir imponiert."

Positiv geht Rapolder dementsprechend das Spiel gegen Augsburg an: "Der FCA hat ein sehr starkes Team. Torghelle, Kioyo und Szabics, den ich noch aus meiner Zeit in Köln kenne, sind absolute Top-Stürmer. Es wird sicher kein leichtes Spiel, aber mit unseren tollen Fans im Rücken werden wir alles für unseren zweiten Saisonsieg geben."

Duell auf Augenhöhe

FCA-Trainer Holger Fach erwartet nach den Spielen gegen die Aufstiegsfavoriten Nürnberg, Duisburg und Freiburg nun einen Gegner, den "wir in unserem Bereich der Tabelle erwarten". Fach ist sich sicher: "Wenn wir die Leistung aus den ersten vier Spielen wiederholen, werden wir nicht mit leeren Händen aus Koblenz nach Hause fahren." Die Stärken der TuS sieht Fach eher in der mannschaftlichen Geschlossenheit. "Sie haben einige gute Einzelspieler wie zum Beispiel Ardijan Djokaj, doch sie leben wie wir eher vom guten Kollektiv."

Verzichten muss Holger Fach in Koblenz neben dem langzeitverletzten Roland Benschneider auch auf Abwehrspieler Thomas Kläsener (Sehneneinriss) sowie die Mittelfeldspieler Elton Da Costa (Prellung) und Marco Küntzel (Zerrung). Dafür könnten zwei Spieler nach ihren langen Verletzungspausen wieder ihr Comeback feiern. "Partick Mölzl und Lars Müller werden im Kader stehen", ließ sich Holger Fach entlocken


Rot Weiss Ahlen - Hansa Rostock

"Wir werden uns da etwas einfallen lassen müssen", ist sich Trainer Frank Pagelsdorf vor dem Auswärtsspiel der Hanseaten bei Rot-Weiss Ahlen sicher. Und meint damit in erster Linie die Taktik, mit der er den "kompakten und zweikampfstarken Ahlenern" begegnen will. Dass die Gastgeber als Aufsteiger mit drei Siegen aus den ersten vier Saisonspielen auf dem 3. Tabellenplatz rangieren, "kommt auch für mich ein wenig überraschend. Bei den acht Mannschaften, die ich vor dem Saisonstart als Konkurrenten im Aufstiegskampf auf dem Zettel hatte, waren die Ahlener nicht dabei", gesteht Frank Pagelsdorf.

Der Hansa-Trainer lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass es das Ziel sein muss, im dritten Auswärtsspiel der laufenden Saison den ersten Sieg in der Fremde einzufahren. "Wenn man die Tabelle sieht, sind wir zwar nicht der Favorit. Und wir wissen auch, dass in Ahlen ein ganz schweres Spiel auf uns wartet. Doch wir wollen dort natürlich gewinnen!"

Personelle Probleme

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die personellen Probleme der Hanseaten zuletzt immer größer geworden sind. Nach Stefan Wächter (Aufbautraining), Orestes (Muskelfaserriss) und Mario Fillinger (Oberschenkelprobleme) fällt mit Robert Lechleiter (Teileinriss des äußeren Seitenbandes und der äußeren Kapsel) nun auch noch ein vierter Spieler definitiv aus. Ein großes Fragezeichen steht zudem noch hinter dem Einsatz von Regis Dorn (Pferdekuss) und Benjamin Lense (Sprunggelenksverletzung).

Neun Punkte aus vier Spielen. So lautet die erste Bilanz der Ahlener. Für einen Aufsteiger ein beachtlicher Start in einer neuen Liga. Trainer Christian Wück hat eine intakte Mannschaft geformt und geht als Dritter der Tabelle in den 5. Spieltag. Eine Tendenz, wohin der Weg von Ahlen in dieser Saison noch führt, lässt sich nach der schweren Aufgabe gegen die ambitionierten Rostocker allmählich ableiten.