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Groß war der Jubel am Bornheimer Hang Ende Mai, als der FSV Frankfurt die Rückkehr in die 2. Bundesliga nach 13 Jahren Abstinenz unter Dach und Fach brachte. Fünf Monate später ist von der Aufstiegseuphorie wenig übrig geblieben. Die Hessen kämpfen noch immer darum, in der neuen Spielklasse anzukommen. Ein neuverpflichtetes Brüder-Paar soll nun dafür sorgen, dass dies alsbald gelingt.

Sieben Spieltage hat der FSV in der zweithöchsten deutschen Spielklasse absolviert und seine Bilanz fällt ernüchternd aus. Nur Mitaufsteiger Rot-Weiß Oberhausen konnte bezwungen werden (3:1), gegen die TuS Koblenz (0:0) und die SpVgg Greuther Fürth (1:1) reichte es zumindest zu je einem Punkt.

Allesamt eingefahren in der Commerzbank-Arena, der vorübergehenden Heimspielstätte, solange das heimische Stadion am Bornheimer Hang umgebaut wird. Auswärts bekam die Mannschaft von Teamchef Tomas Oral bislang noch kein Bein auf den Boden, es setzte drei Pleiten. Mit fünf Zählern belegt der 1899 gegründete Club aus der Bankenmetropole derzeit den 16. Rang, den Relegationsplatz.

Mit Offensive zum Erfolg

Die Hoffnung, mit ihrem frischen Offensivfußball aus der erfolgreichen Regionalliga-Saison, der sie auf Platz 1 geführt hatte, auch in der 2. Bundesliga von Erfolg zu Erfolg zu eilen, mussten die Frankfurter schnell begraben.

In der vergangenen Spielzeit hatten es die Oral-Schützlinge 57 Mal in des Gegners Kasten klingeln lassen, lediglich der VfR Aalen zeigte sich noch torhungriger (64). Nur in einer Partie nach dem 9. Spieltag gelang den Hessen kein Treffer.

Berechenbar

Auch in dieser Saison und eine Etage höher treffen sie regelmäßig ins Schwarze, nur gegen Koblenz versagte der Angriff wegen Ladehemmung. Das Problem der Oral-Elf ist allerdings, dass sie in der Offensive leicht auszurechnen ist.

Die acht Saisontreffer verteilen sich auf wenige Schultern: Matias Cenci, der FSV-Toptorjäger der vergangenen Saison (17 Tore in 34 Spielen), bejubelte vier Einschüsse, Mittelfeldspieler Angelo Barletta drei und Angreifer Henrich Bencik einen.

Mehr Kreativität durch Mokhtari

Für mehr Kreativität und Unberechenbarkeit im Spiel nach vorne soll nun Youssef Mokhtari sorgen. FSV-Manager Bernd Reisig und der offensive Mittelfeldspieler einigten sich am Montagabend auf eine Zusammenarbeit bis zum Saisonende.

"Ich bin in den Verhandlungen überzeugt worden, den Weg mit dem FSV bis zum Ziel Klassenerhalt zu gehen", sagte Youssef Mokhtari, der bereits von 1998 bis 2000 am Bornheimer Hand gespielt hatte. Ihm liege am Herzen, dass sein Heimatverein den Klassenerhalt schaffe.

"Dazu will ich meinen Teil beitragen", erklärte der 29 Jahre alte Deutsch-Marokkaner, der nun mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder zusammenspielt. Mittelfeldmann Qualid Mokhtari, der für die Offenbacher Kickers in der 2. Bundesliga am Ball war (75 Spiele, sechs Tore), war wenige Tage zuvor von Reisig verpflichtet worden.

Enorme Erfahrung

Youssef Mokhtari, ein Filigrantechniker mit viel Gefühl im linken Schlappen, steht dem FSV nicht nur wegen seiner Fähigkeiten gut zu Gesicht. Er bringt eine gehörige Portion Erfahrung mit.

Er bestritt für Wacker Burghausen, Energie Cottbus und den MSV Duisburg 117 Spiele in der 2. Bundesliga, in denen er 30 Tore schoss und elf Treffer vorbereitete. Hinzu kommen 20 Spiele (ein Tor, sieben Vorlagen) in der Bundesliga für den 1. FC Köln und den MSV.

Trumpfkarte Zusammengehörigkeit

Im Kader des FSV haben nur vier Spieler mehr Spiele im "Unterhaus" auf dem Buckel als Youssef Mokhtari: Alexander Klitzpera (191), Markus Kreuz (149), Thomas Sobotzik (131) und Henrich Bencik (130).

Die Verpflichtung der Mokhtaris bringt dem FSV zwei Vorteile: Einerseits wurde an Qualität gewonnen, andererseits konnte das "Wir-Gefühl" im Team weiter gestärkt werden, da die beiden Brüder in der Umgebung Frankfurts aufgewachsen sind. Der Zusammenhalt macht den Aufsteiger ohnehin aus und könnte zur Trumpfkarte im Abstiegskampf werden.

Thorsten Schaff