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Karlsruhe - Markus Kauczinski sagt, Rouwen Hennings ruhe total in sich. Wenn der Trainer des Karlsruher SC das über seinen Stürmer sagt, heißt das nichts Gutes für die gegnerischen Abwehrspieler. Freitagnacht, nach dem 3:0 (2:0) gegen den FC St. Pauli, musste Kauczinski ziemlich viel über diesen Rouwen Hennings erzählen.

Wieder hatte der zwei Tore geschossen, 13 sind es nun schon in dieser Saison, so viele bejubelte Hennings noch nie in Liga 2. Mit dem Erfolg gegen schwache Hamburger nehmen die Karlsruher nun Selbstvertrauen mit in die letzten sechs Spiele, an deren Ende für den Tabellenvierten der Aufstieg in die Bundesliga stehen soll. Damit das gelingt, braucht der KSC einen treffsicheren Stürmer – und Rouwen Hennings ist einer der großen Hoffnungsträger für das Gelingen des großen Zieles.

Ein Lied für den Ballermann

Die Fans widmen dem 27-jährigen Ballermann mit der linken Klebe mittlerweile ein eigenes kleines Liedchen: "döp döp döp, dödedöpdöpdöp: Rou-wen-Henn-ings." So schallte es auch am Freitag durch das Stadion im Wildpark, mit 23 354 Zuschauern waren fast 10 000 mehr da als sonst. Im Saisonfinale kann der KSC seine Leute wieder mobilisieren, Kapitän Dirk Orlishausen sagt: "Das Karlsruher Publikum hat gesehen, dass wir wollen. Wir haben gesehen, dass der Funke aufs Publikum übergesprungen ist."

Hennings bringt die steigende Euphorie nicht aus der Ruhe. Klar, sagt er, sei es etwas Schönes gegen seinen ehemaligen Verein Tore zu schießen, aber letztlich sei jedes Tor schön – egal, gegen wen. Von 2008 bis 2012 spielte der in Bad Oldesloe, Schleswig-Holstein, geborene Hennings für St. Pauli und erzielte in 73 Spielen 12 Tore. In Karlsruhe fühlt er sich mittlerweile sehr wohl, das hat nicht nur mit seiner erhöhten Treffsicherheit zu tun.

Torjägerkrone nicht wichtig

Trainer Kauczinski glaubt, mit seiner Familie habe sich Hennings in Ettlingen sehr gut eingelebt, dessen Umfeld stimme einfach. Und Hennings spürt auch das Vertrauen des Trainers, er ist im Sturm gesetzt. Viele Möglichkeiten vorne hat Kauczinski auch nicht, für den Platz im Sturmzentrum kommt außer Hennings nur noch der Bulgare Ilian Micanski in Frage. Doch die nicht gerade verschärfte Konkurrenzsituation mache Hennings nicht träge, lobt der Trainer.

Der Mann mit dem trockenen Schuss und der Furchtlosigkeit im Zweikampf gebe in jedem Training immer alles und bringe sich so in die Topverfassung, die er momentan habe. Hennings ist es egal, ob er Torschützenkönig werde am Ende, er sagt: "Da laufen ja noch ein paar andere rum. Es wäre höchstens ein schöner Nebeneffekt, wenn das große Gesamtziel erreicht wird."

13 Tore konnte Rouwen Hennings in der laufenden Saison schon erzielen - im letzten Spiel gegen den Fc St. Pauli war es gleich ein Doppelpack.

Dafür werde man sich weiter von der nächsten Aufgabe zur nächsten konzentrieren und sich nicht an Rechenspielen beteiligen, erklärt der Trainer. Rechtsverteidiger Enrico Valentini, der am Freitag zwei Tore vorbereitete, sagt: "Jetzt heißt es weiterhin Vollgas geben und schauen, dass wir die nächsten drei Punkte kommenden Freitag in Sandhausen holen."

Dass der KSC dafür die Tore von Rouwen Hennings benötigen wird, ist Valentini klar, ein Ausfall des Torjägers in der entscheidenden Saisonphase wäre fatal. Deshalb verspricht Valentini augenzwinkernd: "Wir müssen Rouwen nicht schonen, an dem tun sich im Zweikampf eher die anderen weh. Aber trotzdem: Wir werden ihn im Training die nächsten Wochen streicheln."

Aus Karlsruhe berichtet Tobias Schächter