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Köln - Die 2. Bundesliga wird gefühlt immer jünger und frischer, dabei kann sie auch schon auf stolze 40 Jahre zurückblicken. 

Ganz klar, dass vor allem in den Anfangszeiten einige Dinge passiert sind, über die noch heute geschmunzelt wird. bundesliga.de präsentiert einige erzählenswerte Anekdoten aus der Zweitliga-Geschichte.

Start mit Hindernissen

Gleich am ersten Spieltag der neugegründeten, damals noch zweigleisigen 2. Bundesliga, gab es einen Spielausfall. Weil zehn der 16 Spieler von Hannover 96 unter Darmgrippe litten, wie ein Amtsarzt attestierte, wurde das Heimspiel gegen Alemannia  Aachen am 3. August 1974 kurzfristig abgesagt. "Mit Hilfe von Spritzen oder Tabletten hätten wir vielleicht eine Mannschaft auf die Beine stellen können, das wäre aber höchstens 20 Minuten gut gegangen. Dann hätten wir für nichts mehr garantieren können“, sagte der 96-Präsident Ferdinand Bock (Foto © Imago). Der DFB setzte die Partie am 30. Oktober 1974 neu an. Die dann wieder flotten Hannoveraner gewannen 3:0.

Bank-Leere

Bank-Leere

Ebenfalls in der Premieren-Saison der 2. Bundesliga Nord ereignete es sich, dass eine Mannschaft nur elf Spieler auf dem Berichtsbogen hatte. Im letzten Heimspiel musste RW Oberhausen gegen Mülheim (0:0) gänzlich auf Ersatzspieler verzichten, Trainer Alfred Becker saß einsam auf der Bank. Dabei ging es noch um den Klassenerhalt, den RWO in der Partie endgültig verspielte. Kein Wunder…

Oster-Reisende

Oster-Reisende

Heute kaum vorstellbar, aber die Termin-Not zwang die Spielvereinigung Fürth Ostern 1978 binnen 48 Stunden in der 2. Bundesliga Süd zwei Auswärtsspiele auszutragen. Am Gründonnerstag musste das "Kleeblatt" nach Homburg, Karsamstag nach Worms. Belohnt wurde der Stress auch nicht, es gab zwei Niederlagen (1:2 und 1:3).

Torwart-Tore

Schon weit vor Jens Lehmanns Kopfballtreffer für Schalke anno 1998 in Dortmund gingen in der 2. Bundesliga Keeper auf Torjagd. Nicht nur vom Elfmeterpunkt, auch aus dem Spiel heraus wurde getroffen. Die Premiere glückte am 1. März 1980 dem Fürther Roland Kastner (Foto © Imago), mit der besonderen Note, dass er gegen Ulm (3:1) aus Personalnot als Stürmer eingewechselt wurde. Für seinen Treffer brauchte der Torwart-Joker nur 12 Minuten. 1987 gelang auch Hannovers Hans Wulf beim 5:5 in Salmrohr ein solches Kunststück, auch Wulf agierte an diesem Tag aber als Feldspieler. Im Gegensatz zu St. Paulis Philipp Tschauner, der am 1. April 2013 gegen Paderborn bei einer Ecke nach vorne kam, "den Lehmann" machte und zum Ausgleich einköpfte.

Jean, der Erleuchter

Jean, der Erleuchter

Darmstadt 98 hoffte am 20. August 1982 schon auf zwei leicht verdiente Punkte. Zwar lagen die Lilien bei Fortuna Köln mit 0:3 zurück, doch elf Minuten vor Schluss fiel das Flutlicht aus. Kurzschluss! 18 Minuten blieb es dunkel im Südstadion, dann gingen die Lampen wieder an. Fortuna-Präsident Jean Löring hatte den Schaden eigenhändig behoben und flachste: "Es ist doch gut, dass mich meine Mutter etwas Anständiges lernen ließ." Der Fortuna-Patron hatte eine Elektrikerlehre gemacht.

Abmahnung für Niederlage

Am 13. März 1990 gewann Eintracht Braunschweig beim VfL Osnabrück mit 2:1. Osnabrücks Präsidenten Hartwig Piepenbrock (Foto © Imago) nahm die Niderlage im Niedersachsenderby derart mit, dass er  zu einer Strafmaßnahme griff. Sein Vorstand beschloss einstimmig, alle eingesetzten 13 Spieler abzumahnen, weil durch die Niederlage künftig weniger Zuschauer kämen und dem VfL wirtschaftliche Schäden entstünden. Tatsächlich wurden alle Spieler schriftlich abgemahnt. Ein Fall für die frisch gegründete Spielergewerkschaft, deren Anwälte eine Rücknahme der Abmahnung erwirkten.

Zehn wackere Arminen

Zehn wackere Arminen

Am 19. Oktober 1986 sorgte Arminia Bielefeld für ein Novum im deutschen Profi-Fußball. Weil neun Profis erkrankt waren, hatte Arminia eine Verlegung des Heimspiels gegen Saarbrücken (1:3) beantragt. Der DFB lehnte ab, bestand aber andererseits auf seinen Statuten: nur drei Amateure durften in der Elf stehen. Weil nur noch sieben Profis gesund waren, gab es deshalb keine Elf, sondern nur eine Zehn. Dabei saßen noch zwei Amateure auf der Bank, aber die durften nur gegen andere Amateure ausgetauscht werden. So musste Arminia mit zehn Spielern auflaufen, als ein Profi sich nach zehn Minuten verletzte, waren die Bielefelder nur noch zu neunt.

Der Lattenschuss von Duisburg

Von allen irregulären Toren im deutschen Fußball sahen die Zuschauer in Duisburg am 17. Januar 2010 das wohl kurioseste. Ein Schuss von Christian Tiffert (Foto © Imago) landete an der Latte, der Ball prallte rund zwei Meter vor dem Tor auf. Trotzdem entschied  Schiedsrichter Marco Fritz auf Tor. Da es das 5:0 für den MSV war, schenkte sich der FSV Frankfurt einen offiziellen Protest. Stattdessen veranstalteten die Hessen im nächsten Heimspiel ein Lattenwettschießen. Wer traf, erhielt freien Eintritt.

Haarige Sache

Weil der Serbe Nemanja Vucicevic (Foto © Imago) unter seiner Glatze litt, kaufte er sich im Juni 2005 für 328 Euro ein Haarwuchsmittel. Die Packung enthielt 98 Tabletten, welche wiederum fatalerweise die verbotene, weil angeblich Leistung steigernde Substanz Finasterid enthielten. Die stand auf der Dopingliste. Als er nach dem 2:0-Sieg seines TSV 1860 München in Burghausen am 4. November 2005 getestet wurde, kam es an den Tag. Das Haardoping brachte dem 26-Jährigen außer viel Spott eine sechsmonatige Sperre ein. Es war die von der FIFA vorgeschriebene Mindestsperre. Der DFB ließ zudem das Spiel wiederholen, nun gewann Burghausen 1:0. So führte Haarverlust zu Punktverlust.